Malevolent (Filmkritik)

England in den 80er Jahren. Angela (Florene Pugh) betreibt mit ihrem Bruder Jackson (Ben Lloyd-Hughes) und zwei Freunden, eine kleine „Geisterjäger-Firma“, um mit dem Geld besser über die Runden zu kommen. Dabei hat die Sache einen eigentlich tragischen Hintergrund, denn ihre Mutter hatte Visionen und sich genau aus diesem Grund, vor Jahren das Leben genommen.

Doch auch für Angela ist die Sache mehr als nur ein Spiel, denn sie beginnt Dinge zu sehen, die sonst keiner wahrnehmen kann. Als sie einen neuen Auftrag annehmen, in dem es um die Erscheinungen von gleich mehreren verstorbenen Mädchen geht, verschlechtert sich deshalb ihr geistiger Zustand. Die eigentliche Gefahr kommt hier jedoch von einer Seite, die die vier Geisterjäger, so nicht vermutet hätten…

Dieser von Netflix wohl als Beitrag zu Halloween des Jahres 2018 zu verstehender Film (dort ist er seit Anfang Oktober zu sehen), stammt vom isländischen Regisseur Olaf de Fleur Johannesson (City State). Es ist einer dieser Filme, wo ich bei meiner Kritik nicht genau erklären kann was ich meine, ohne zu spoilern, also dies beim Weiterlesen bitte bedenken.

Leider ist dies ein Film, bei dem mir viel zu viel angedeutet, doch nur wenig durchgezogen wird. Da wäre mal die tragische Ebene, mit der an ihrer Gabe gescheiterten Mutter, die zwei Kinder hinterlassen hat, die mehr oder weniger gut mit dem Verlust umgehen gelernt haben. Als dann auch die Tochter Geister sieht und durch das dabei auftretende Nasenbluten auch eine körperliche Auswirkung angedeutet wird, glaubt man man weiß wo die Story hingehen wird.

Sicher entstehen so die zu erwartenden Probleme, doch im Prinzip ist dies nur ein Aufmacher, um die jungen Leute in die Hände ganz realer Monster zu führen. Weder die bestimmende, ältere Lady noch ihr zurückgebliebener Sohn, versprühen dabei genug unheimlichen Charme, um wohligen Grusel erzeugen zu können. Niemand braucht hier torture porn, aber wie hier verborgen von der Kamera die meisten brutalen Momente stattfinden, das wirkt schon so, als hätte ein bestimmtes Rating eingehalten werden müssen.

Nicht falsch verstehen, die Ansätze sind da, doch was dann daraus gemacht wird, hätte höchstens erfolgreich eine Folge einer Horror-Anthology-Serie füllen können, so geht das Ganze jedoch klar völlig im Einheitsbrei ähnlicher Produktionen unter. Die Geister werden im Prinzip nur einmal effektiv genutzt, die Bösen sind austauschbar und langweilig, keine Szene bleibt im Gedächtnis und die guten Kids entsprechen brav den jeweiligen Klischees.

Was mich zu Florence Pugh (The Commuter, Outlaw King) bringt, eine aufstrebende junge englische Schauspielerin, auf die ich durch die Miniserie „The Little Drummer Girl“ (dazu bald mehr) gestoßen bin. Dank ihrem nuancierten Spiel und da ihre Angela doch klar die Hauptfigur ist und in vielen Szenen zu sehen ist, habe ich den Film am Ende doch gerne gesehen. Sie macht oft nur kleine Gesten, verändert den Blick oder schwenkt den Kopf und man weiß, was gespielt wird.

Ben Lloyd-Hughes (Tormented) als Jackson ist da weit weniger subtil. Der überspielt ständig seine wahren Gefühle und bringt sich und seine Schwester, somit immer wieder in brenzlige Situationen. Celia Imrie (Bridget Jones Baby) als eigentliche Antagonistin überzeugt zwar mit der stoischen Ruhe bei ihren Taten und der selbstgerechten Haltung dazu, hat aber viel zu wenig zu tun, um wirklich Eindruck hinterlassen zu können.

Insgesamt kann ich den Film also eigentlich nur Leuten empfehlen, die Florence Pugh bereits entdeckt haben und ihr gerne bei der Arbeit zusehen. Ansonsten gibt es leider nicht viel zu berichten, außer dass er handwerklich gut gemacht ist und atmosphärisch durchaus auch dicht ist. Aus der Prämisse wird aber nichts gemacht und im Endeffekt fühlt sich die Auflösung dann auch noch unbefriedigend an. Schade.

„Malevolent“ bekommt von mir 5/10 durch die starke Heldin (sowohl vom Charakter als auch vom Schauspiel) gesteigerte Empfehlungspunkte.


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