Justice League (Filmkritik)

Nachdem Superman (Henry Cavill) gestorben ist, sieht es düster aus auf der Welt. Jene, die einst meinten, Superman sei eine Bedrohung vermissen nun das Symbol der Hoffnung und selbst jene, die ihn töten wollten, wünschten sich, er wäre hier.

So auch Bruce Wayne/Batman (Ben Affleck), der jeden Tag damit verbringt darüber zu schmachten, dass Superman tot ist. Vor allem, da er einer Gefahr auf die Spur gekommen ist, welche den Planeten bedroht: Außerirdische Invasoren scheinen einen Angriff vorzubereiten – und sie scheinen etwas zu suchen.

Um die Bedrohung aufzuhalten, versucht Batman ein Team zusammenzustellen. Aber niemand will wirklich mitmachen. Selbst Wonder Woman (Gal Gadot) ist nicht überzeugt. Das ändert sich allerdings rasch, als ein außerirdischer Weltenvernichter namens Steppenwolf auf die Erde kommt, um drei so genannte „Mother Boxes“ zu finden, welche die Welt für Steppenwolf und seinen Herrscher Darkseid bewohnerbar machen können …

Um es gleich mal vorweg zu sagen: Justice League ist objektiv betrachtet kein wirklich guter Film. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Das beginnt bei einem belanglosen Bösewicht, geht über wenig Charakterentwicklung und endet bei peinlichen Actionszenen als auch Dialogen, deren einziger Sinn darin besteht, den Zuseher*innen die Handlung zu erklären. Angeblich gibt es auch tonnenweise schlechtes CGI zu bestaunen, aber das wäre mir nicht aufgefallen – ehrlich nicht. Ich fand zB Steppenwolf sogar ziemlich cool. Ist er offensichtlich CGI? Klar. Na und? Das war Wonder Woman auch. Aber immerhin bewegt er sich nicht so dermaßen unnatürlich.

Die Entstehungsgeschichte des Films ist eine lange und in ganz kurzer Version kann man sagen: Es ging alles schief, was schiefgehen konnte.

Zum einen musste Zak Snyder (dessen Regiestil ich absolut liebe) seine Arbeit niederlegen, da eine Familientragödie ihn dazu zwang (an dieser Stelle: Mein aufrichtiges Beileid). Dann hat Joss „The Avengers“ Whedon übernommen und ein paar Nachdrehs organisiert.

Die Menge dieser Nachdrehs und was Whedon am Drehbuch alles geändert hat, ist schwer zu sagen, aber den alten Trailern nach zu urteilen eine ganze Menge, da x Szenen nicht im fertigen Film vorkommen. Und offen gesprochen wüsste ich bei vielen noch nicht einmal wo konkret die überhaupt Platz gehabt hätten. Das spricht also dafür, dass Whedon viel, sehr viel geändert hat.

Und das ist schade: Ich als einer, der „Batman v Superman: Dawn Of Justice“ für eine der besten Comicverfilmungen bis dato halte (in der Ultimate Edition! Das ist ein völlig anderer Film!) vermisse Snyders Regie und auch – jaja, prügelt mich nur – seinen Mut für komplexe Drehbücher.

Alles das fehlt hier: „Justice League“ ist so dermaßen ein Marvel-Film, dass man sich eigentlich die meiste Zeit über nur fragen kann, wo denn jetzt der Captain und seine Freunde stecken. Aber Scherz beiseite: Das nach dem mächtigen Einspielergebnis des „Blockbusters des Jahres“ namens „Wonder Woman“ (ich fand ihn offen gesprochen ziemlich mittelmäßig) die Schienen für eine Richtung in die Marvel-Formel gelegt werden würden, war ja irgendwie klar. Mir war nur nicht klar, wie sehr.

Zumindest nicht, bis ich gehört habe, dass Joss Whedon übernehmen würde. Und ich kann mich noch an ein Gespräch mit Spideragent erinnern, zu dem ich ein paar Tage vor Filmstart gesagt hatte: „Ich bin auf die Kritiken gespannt, denn jetzt machen Fan-Liebling Whedon und Fan-Hassobjekt Snyder gemeinsam einen Film: Ich wette um viel Geld, dass sie den Film absolut zerreissen werden. Aus Prinzip.“

Und ich hatte Recht: Die Kritiken zerfetzen „Justice League“ zu großen Teilen und übersehen dabei meiner Meinung nach etwas ganz Wesentliches (und auch hier muss ich wieder auf Spideragent zurückkommen): DC verfilmen keine Comics – sie machen Comic-Filme. Und das ist ein riesengroßer Unterschied.

Sind die „Mother Boxes“ absolut lächerlich? Ja klar. Sind die Parademons (Steppenwolfs fliegende Monster, die sich von Angst ernähren) lächerlich? Absolut. Ist die Idee, dass Steppenwolf die „Mother Boxes“ vereinen muss, damit sie die Erde terraformen (heißt das so? Oder heißt es dann: „anti-terraformen“?), damit er hier leben kann kompletter Schwachsinn? Oh ja. Wird extrem viel Hintergrundstory einfach so in den Raum geschmissen, ohne irgendeiner Begründung? Hui, absolut. Ergeben manche Erklärungen keinen Sinn? Nein, tun sie nicht.

Also – ich sehe all die Fehler, die der Film macht. Ich sehe sie, ich kann sie benennen und kann und will sie nicht wegdiskutieren.

Aber hui, hatte ich meinen Spaß. Das beginnt bereits bei Batmans Auftritt, der cool ist wie eh und je („What do you want from me?“ – „Fear“). Warum Batman weiß, dass die Parademons Angst riechen und darauf abfahren wie Bienen auf Honig? Ganz einfach: Because he is BATMAN. Keine weiteren Fragen. Wenn man den Film nimmt, wie er ist und den Moment genießt, dann macht er wirklich Spaß. Ich würde ihn am ehesten mit einem „Transporter„-Film vergleichen: Widerspricht es allen Regeln der Physik und Logik? Ja. Macht es Spaß und will ich das sehen? Oh ja.

Das ist für mich „Justice League“. Warum sollte dieser film bessere Bösewichte haben als 80% aller anderen Comicverfilmungen? Eben. Gibt keinen Grund. Das Team der Justice League ist super – Batman ist nicht ganz so großartig wie in „BvS“, dafür fand ich Flash erfrischend jung und naiv, dachte nicht, dass Aquaman tatsächlich cool sein kann und Cyborg, nun – der ist okay (mit dem wurde ich nie wirklich warm). Wonder Woman geht mir seit ihrem Solofilm auf den Keks (in BvS war sie super) und ihr Auftritt am Anfang des Films ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten (angefangen vom Abwehren der Kugeln bis hin zum Ausweichen – das bereits im Trailer schon scheiße aussah).

Aber dann wird der Film besser. Es gibt menschliche Momente, es gibt Kitsch, es gibt Action (die streckenweise wirklich großartig aussieht und von denen man manche so noch nicht gesehen hat – zum Beispiel die Sequenzen, die offen gesprochen an die Quicksilver-Momente aus den X-Men-Filmen erinnern), es gibt witzige Situationen (ich sage nur: Aquaman und Lasso der Wahrheit) und berührende Augenblicke.

Trotz all seiner Mängel, Fehler und des (von mir schwer vermissten) Snyderschen Regie- und Drehbuchmutes hat Justice League etwas geschafft was der auf allen Ebenen von allen gehypte Thor: Ragnarok zumindest bei mir nicht geschafft hat: Er hat mich berührt, mich mitgerissen und mir von Anfang bis zum Ende Spaß gemacht.

Ist es kitschig, als sich herausstellt, was die „Big Guns“ sind, mit denen Batman Superman wieder hinkriegen will? Absolut. Aber genau das wollte ich sehen. Ist es ein absolut aufgelegter One-Liner als Superman Batman fragt: „Do you bleed?“ …? Klar ist es das. Aber Himmel – was hat es mir für eine Gänsehaut aufgezogen.

Kurzversion: Ist „Justice League“ der Film, den ich mir von Snyder erhofft hatte? Nein, sicher nicht. Dazu fühlt es sich auch zu wenig als Snyder-Film an. Ist „Justice League“ ein Hirn-aus-genieß-die-Optik-und-erfreue-dich-an-den-Charakteren-Film á la „Suicide Squad„? Oh ja. Und den mochte ich ja auch schon. Wie gesagt: DC macht Comic-Filme, keine Comic-Verfilmungen. Beim nächsten bitte ein bisschen weniger „Auf Nummer Sicher-„Whedon und mehr Zak „Ich mach das jetzt einfach wie ich es will“ Snyder und das wird wunderbar.

Und wenn ich ganz, ganz lieb „Bitte, Bitte, Bitte, Bitte“ sage, vielleicht kommt dann ja doch noch irgendwann die Snyder-Version (so viele großartige Szenen aus den Trailern, die nicht im Film sind …). Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Dass dieser Film so großartig geworden wäre wie „Watchmen“ deutet der Vorspann an, der zeigt wie verloren die Welt ohne Superman ist und das von „Everybody knows“ perfekt begleitet wird. Snyder-Stil. Aber so richtig super.

Und für alle Fanboy/-girl-Typ*innen da draußen: Mir ist völlig schnurz welcher Verlag die Filme macht. Und – Hand aufs Herz – wengier Spaß als „Thor 2“ oder „Captain America“ oder „Ant-Man“ macht „Justice League“ jetzt auch nicht wirklich, also hört auch zu schimpfen und genießt den Ritt.

„Justice League“ bekommt 8,5 von 10 möglichen, trotz all seiner Schwächen absolut unterhaltsame, Punkte.


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