Thor: Ragnarok (Filmkritik)

Thor (Chris Hemsworth) hat in einer Vision gesehen, wie seine Welt untergeht. Ragnarok. Das Ende der Götter. Also macht er sich auf die Suche nach einem Weg, um genau das zu verhindern und er scheint dabei sogar sehr erfolgreich zu sein. Zumindest bis er bemerkt, dass Odin (Anthony Hopkins) überhaupt nicht Odin ist, sondern tatsächlich Loki (Tom Hiddleston). Deshalb macht er sich auf, seinen Vater zu finden. Dabei hilft ihm ein gewisser Dr. Strange (Benedict Cumberbatch), wenn auch nur kurz. Und plötzlich übergibt Odin seine Macht und Hela taucht auf – die Göttin des Todes, die alte und lang vergessene Geheimnisse offenbart und auf ihrem Eroberungsfeldzug nicht bei den „Neun Reichen“ stoppen will, sondern noch viel weiter gehen möchte.

Thor und Loki stranden aufgrund von Hela auf einer seltsamen Welt, welche irgendwo im Universum liegt und gänzlich unbekannt ist. Thor wird vom Großmeister, der dort die Macht hat, als Gladiator eingeteilt. Zumindest nachdem ihn eine Müllsammlerin gefunden und beim Sklavenring abgegeben hat. Als Thor sich dem Champion der Arena stellt, entdeckt er, dass es sich dabei um einen alten Bekannten handelt. Dieser scheint aber nicht sehr erfreut zu sein, ihn zu sehen …

Also „Thor: Ragnarok“ hat – das muss man ohne Kritik festhalten – den wohl großartigsten Trailer seit „Star Trek: Into Darkness„. Wirklich grandios: Optik, Musikauswahl, die Bilder – alles eine Wucht. Man sollte meinen, dass der dazu gehörende Film ja eigentlich nur enttäuschen kann und – richtig. Das tut er auch. Allerdings auf eine verdammt gemeine Art und Weise.

Denn – und da müsst ihr vorsichtig sein – der Film gauckelt euch vor, dass abgesehen von ein paar Witzen und einer Handvoll (übersichtlichen) Actionszenen nicht wirklich irgendetwas Wichtiges passiert. Das schafft der Film auch super. Er beginnt bereits mit einer grandiosen Szene (Ich sag nur „Kettendrehen“) und einer coole Actionsequenz, baut dann aber verdammt schnell verdammt rasch ab.

Thor kommt – nach Jahren der Abwesenheit, wie wir mitgeteilt bekommen – retour nach Asgaard und alle Reiche rundherum sind im Krieg oder zumindest am Zerfallen. Also muss da was faul sein. Was faul ist wird innerhalb von einer Minute geklärt, dann sucht man Odin und – tada, Dr. Strange springt ein (und wirkt so uninspiriert, wie in seinem gesamten eigenen Film nicht) und schon stehen wir vor Odin. Zack, Bum. Fünf Sekunden später stehen wir vor Hela (und Cate Blanchett hat seit Galadriel nicht mehr so umwerfend ausgesehen wie in ihrem ersten Auftritt in Thor: Ragnarok). Zack – Thor landet auf einem Schrottplaneten.

Und so geht das dahin. Die Szenen ergeben in Summe zwar eine schlüssige Handlung, aber irgendwie wirkt der Film über weite Strecken so, als wäre das eher zufällig passiert. Gleiches gilt für die Witze – angeblich hat Regisseur Taika Waititi seinen Schauspieler*innen viel Platz für Improvisation gelassen und das finde ich super, das endet allerdings darin, dass viele der Witze und/oder One-Liner nicht mehr so pointiert sind wie früher (vor allem Loki hat – wie ich finde – sehr viel Charme verloren).

Extrem viele Witze laufen also über Dialoge – das sind auch die Witze, die oft kurz zum „Ah – nett“ anregen, aber so richtig zünden nur wenige. Die Slapstick-Einlagen sind da schon besser (ich sage nur: Ball und Fenster) und machen Spaß. Generell ist das größte Plus des Films also sein Humor (auch wenn die besten Pointen und Szenen im Trailer sind) und tja … das war es dann auch schon. Denn abgesehen von Schauwerten und Witzen hat der Film wirklich wenig zu bieten.

Glaubt man.

Denn wenn man nach demn Film darüber nachdenkt, was man denn gerade gesehen hat, dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen (Vorsicht, wir betreten Spoiler-Land!):
Bruce Banner entscheidet sich dazu ewig der Hulk zu bleiben, um die Leben von vielen Menschen zu retten, die er nicht einmal kennt?
Alle von Thors Freunden (Lady Sif ausgenommen) werden von Hela ermordet?
Halb Asgaard wird ausgelöscht?
Odin … ist tatsächlicht tot?
Der weise Odin – ihr wisst schon, der der Thor im ersten Teil all seiner Macht beraubt, weil er nicht reif ist, König zu sein – war tatsächlich ein Massenmörder?

Diese Momente/Enthüllungen sind insofern spannend, als das während dem Film so gut wie … äh, also nein, eigentlich überhaupt nicht thematisiert wird, denn wichtig ist vor allem eins: Der nächste Witz muss her. Das ist schade, denn es hätte wirklich viele emotionale Momente in dem Film gegeben, aber leider sind sie alle so inszeniert, dass sie absolut nicht berühren. Was ich persönlich ziemlich mies finde. Sicher – Komödien funktionieren nunmal oft so, aber ich hätte mir von einem Film dieser Größenordnung mehr erwartet.

Wer also einen Film sucht, der primär dazu da ist, um witzig zu sein und sich in Dialogen zu verlieren, die zwar improvisiert sind und lustig, dadurch aber leider viel an Pointen verlieren, der oder die findet hier ihren/seinen Film. Ist er schlecht? Nein. Aber so viel Potential in den Wind zu schießen finde ich wirklich, wirklich schade.

„Thor: Ragnarok“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, auf alle Emotionen außer Witz vergessende, Punkte. (einen Punkt gibt es übrigens einfach für die Verwendung von Led Zeppelins „Immigrant Song“, der Film, der die Nummer derart cool benutzt hat einfach schon mal ein dickes, fettes Plus)


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