Morbius (Filmkritik)

Biochemiker Dr. Michael Morbius (Jared Leto) versucht schon beinahe sein gesamtes Leben lang, eine Heilung für seine seltene Blutkrankheit zu finden. Aktuell ist er gerade mit Hilfe von Vampir-Fledermäusen, seinem Ziel greifbar nahe gekommen. Nach erfolgreichen Tierversuchen wagt er mit Hilfe von Kollegin Martine Bancroft (Adria Arjona) einen Selbstversuch. In Folge verwandelt er sich jedoch in einen bluthungrigen Vampir.

Auf der Flucht vor der Polizei taucht er unter und arbeitet an einer Lösung für seine Heilung, die nun zu seinem neuen Fluch geworden ist. Zum größten Problem könnte dabei nicht nur sein Hunger nach Blut werden, sondern sein ebenfalls kranker Ersatzbruder Milo (Matt Smith) – den er als Kind in einem Pflegeheim kennen gelernt hat – denn der will ebenfalls die Kraft besitzen, die Morbius nun hat und er besitzt nicht die moralischen Grenzen, wie der liebe Herr Doktor…

Sony’s Spider-Man Universe kurz SSU, schon einmal gehört davon? Bezeichnet wird damit eine Reihe von Filmen, die alle im selben Universum spielen, wie der aktuelle Spiderman, der sich wiederum auch im MCU herum reibt. Näher erklären werde ich das nun nicht, denn entweder man kennt sich aus, oder man wird hierfür sowieso kein Interesse haben. Auf jeden Fall ist dies nach Venom und dessen Fortsetzung Let there be Carnage, der dritte Film im SSU (abgesehen vom Ursprung der Spin-Offs, Spider-Man eben).

Einige mehr sind bereits geplant, zu den nächsten gehören beispielsweise „Kraven the Hunter“ mit Aaron Taylor-Johnson und Russell Crowe oder „Madame Web“ mit Dakota Johnson und Sydney Sweeney (sollen beide 2023 erscheinen). Die Marvel-Filme von Sony kämpfen dabei mit eher mittelmäßigen Kritiken, kommen aber bei den Fans gut an, weswegen neben den ganzen anderen Projekten, auch bereits das dritte Venom-Abenteuer angekündigt wurde.

Bei Vampir Morbius, sieht die Sache etwas anders aus. Dank Covid 19 wurde der Film von Daniel Espinosa (Life) mehrere Male, insgesamt beinahe um ein Jahr verschoben und kam in Amerika am 1. April 2022 (kein Scherz und „sicher“ ein gutes Omen) ins Kino. Der Film hat circa 80 Millionen Dollar gekostet und bis jetzt nur das doppelte davon wieder eingespielt, was für eine Produktion dieser Art, nicht gerade sehr viel ist. Zusätzlich gab es die derzeit ach so beliebten Shitstorms im Netz.

Damit fange ich auch gleich an, denn auch wenn ich von Morbius klar unterhalten wurde und er etwas Eigenständiges an sich hat, sind die Defizite hier viel eindeutiger erkennbar und spürbar, als dies bei anderen Comic-Verfilmungen der Fall ist. Was ich bereits bei Venom erwähnte habe und sich hier durchzieht ist der Unterschied in der Größe der Geschichten zwischen Disney und Sony. Bei Disney geht es (fast) immer gleich um die Rettung der Welt, bei Sony um die Entwicklung des Antihelden und den Kampf gegen eigene Schwächen und einen bestimmten Feind.

Das ist auch hier der Fall und fühlt sich anders an als bei der Konkurrenz. Warum muss man dann dennoch auf die (befreundete) Konkurrenz schielen und Mid-Credit Szenen in den Schlussspann einbauen, die so gar nicht zum Rest passen und zu Recht angegriffen wurden? Da wird zuerst der von Michael Keaton gespielte Adrian Toomes durch Ereignisse im MCU in dieses Universum gebracht und dann trifft er noch auf Morbius, um ein Team mit ihm zu gründen. Würde ich kein Vorwissen voraussetzen, wie ich es eingangs gemacht habe, dann würde ich mir nun selbst widersprechen.

Dennoch sind diese Szenen unstimmig und wirken nicht wie eine Einbindung von Morbius in ein größerer Universum, sondern als hätte man Toomes aus diesem heraus gestohlen und in die Welt des guten Doktors gesteckt. Natürlich machen ein/zwei Szenen nach dem eigentlichen Film diesen nicht rückwirkend kaputt und einige Menschen haben sie vielleicht auch nicht gesehen, weil sie den Schlussspann gar nicht abgewartet haben, ich hab dies aber ausführlicher erwähnen müssen, da es bezeichnend für den ganzen Film ist. Angeblich gibt es nun ja auch eine Version, wo alle Spider-Man Referenzen entfernt wurden. Keine Ahnung was dies nun nachträglich bringen soll.

Es gibt da mitten im Film eine Sequenz, in der Morbius erstens eine Venom-Anspielung macht und außerdem die wortgewandte Überschwänglichkeit eines Deadpool an den Tag legt. Der Moment für sich ist witzig, reißt aber völlig aus dem Film, weil er sehr Out of Character wirkt. Es kommt mir fast so vor als hätte Espinosa eine Liste bekommen mit Dingen, die hier vorkommen müssen und hat diese dann auch eingebaut um seinen Auftrag zu erfüllen, obwohl sie nicht zum Gesamtbild passen.

Dieses Grundgefühl zieht sich dann mehr oder weniger stark durch die gut eineinhalb Stunden Spielzeit. Am Besten funktioniert dabei Morbius selbst (was wohl auch am Wichtigsten ist), der bis jetzt damit leben musste, seinen genialen Geist in einem kaputten Körper gefangen zu haben. Schlimmer als das ist dann eben nur die „Heilung“, denn dabei verliert er immer auch die Kontrolle über seinen Geist/Willen, der ihn bis jetzt immer am Leben gehalten hat.

Jared Leto (Blade Runner 2049) spielt Morbius als Mensch zurückhaltend und immer versehen mit einer gewissen Zerbrechlichkeit. Adria Arjona (The Belko Experiment) ist als Martine stark und nicht auf den Mund gefallen, doch bekommt sie nicht viel zu tun. Fast schon ironisch dass die Entwicklung ihrer Figur gerade dann spannend werden würde, wenn der Film zu Ende geht. Dass sie der Love Interest für Morbius ist, ist zwar klar sichtbar, gespürt habe ich es aber nicht.

Was mich zu Matt Smith (Last Night in Soho) als Milo bringt und seinem Weg zum Schurken. Er spielt dies mit einem gewissen animalischen Sadismus, er zelebriert die Freude an seiner neu gewonnen Kraft und dem scheinbaren gleichzeitigen Verlust jeglicher Moral. Warum er jedoch seinen sogenannten Bruder Morbius als Feindbild Nummer eins auserkoren hat und ihm alle Menschen nehmen will, die dieser liebt…nun das ist eine andere Geschichte.

Es ist ähnlich wie bei der Liebe von Martine, nur noch schlimmer. Ich weiß schon, Morbius war immer der erfolgreichere, klügere Mann, der mehr Anerkennung bekommen hat. Und er will Milo das Heilmittel nicht geben, weil er es als Fluch empfindet. Dennoch ist sein Hass auf seinen „Bruder“ übertrieben und nicht richtig greifbar für mich. Wahrscheinlich will er ihn nur auf seine Seite ziehen, schon klar, aber ich fand ihn deshalb trotz des guten (und überdrehten) Schauspiels eher nervig als bedrohlich.

Die CGI-Effekte? Ihr habt es erraten, auch sie haben zwei Seiten. Die Farben, die Echo-Fähigkeiten und vor allem dieses Auflösen in bunte Nebelwolken (ich nenne es mangels eines besseren Namens einfach mal so) zieht ins Geschehen, sieht unverbraucht und sogar neu aus. Bei den Kämpfen/Angriffen wird dies dann inflationär eingesetzt, es ist zusätzlich oft dunkel und die dazwischen eingebauten Zeitlupen, sind etwas zu offensichtlich und gewollt cool. Das erzeugt das Gefühl sich in einem Computer-Spiel zu befinden und ihr habt es bereits erraten, auch hier weiß man was erzeugt werden sollte, nur spürt man es nicht richtig.

Noch einmal zwei Tatsachen um meinen Punkt festzumachen, weil das nicht jeder weiß. Selbst im finalen Trailer einen Monat vor dem mehrmals verschobenen Release, wird die Figur des Michael Keaton, als zentrale Figur eingebaut. Man sieht die von Tyrese Gibson gespielt Nebenfigur des Agenten Simon Stroud mit seinem Metallarm, der seine Figur laut Interview mit ihm selbst zu einem Art Helden macht bzw. ihm Fähigkeiten gibt. Der Arm wurde dann jedoch aus dem fertigen Film völlig heraus geschnitten.

Also alles was hier funktioniert, hat einen mehr oder weniger kleinen Haken. Ich bin als Comic-Fan sehr froh dass es das SSU gibt, einfach weil es sich doch anders anfühlt als der Rest. Ich hoffe aber, dass in Zukunft wieder Filme kommen, die nicht wie Auftragsarbeiten wirken, in die der Regisseur laut Studio „drei Sätze mit wahrscheinlich drinnen“ einbauen muss. Dank des schlechten Einspiels wird es wohl keinen zweiten Teil geben, Figuren davon könnten jedoch in anderen Produktionen auftauchen. Gut so, das hätten sie sich nämlich durchaus verdient.

„Morbius“ bekommt von mir 6/10 Gehirn und Gefühl beim Betrachten nur selten in Einklang bringen könnende Empfehlungspunkte.


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