The Unholy (2021 Filmkritik)

Alice (Cricket Brown) ist eine junge Dame, die weder hören noch sprechen kann. Gerry (Jeffrey Dean Morgan) ist ein Journalist, der durch seine eigene Schuld seine besten aka erfolgreichsten Zeiten bereits hinter sich hat. Die beiden verbindet an sich nichts, doch als Gerry sich für eine Story in der selben Stadt befindet wo Alice wohnt, fährt er sie (nicht ganz nüchtern) mit seinem Auto beinahe nieder.

Nach kurzer Untersuchung ist klar, dass ihr nichts passiert ist, doch als Gerry am nächsten Tag die Kirche besucht, wo sie bei Pfarrer Hagan (William Sadler) wohnt, beginnt Alice plötzlich zu sprechen und auch hören kann sie wieder. Sie sagt die Jungfrau Maria ist ihr erschienen, hat sie geheilt und hat eine Botschaft für die Menschen: sie sollen an sie glauben. Gerry wittert sein großes Comeback, doch auch der Vatikan braucht nicht lange, um zu reagieren…

Evan Spiliotopoulos schreibt Drehbücher seit den 90er Jahren, zuletzt etwa für Die Schöne und das Biest oder Drei Engel für Charlie. Auch hier bei seinem Regiedebüt ist das der Fall, wobei es sich um eine Verfilmung des Romanes Shrine von James Herbert aus dem Jahr 1983 handelt. Von der Kategorie her ist der Film klar mit Filmen wie Insidious und The Conjuring vergleichbar, doch kann er von der Spannung her mit den besseren Abenteuern dieser Franchises mithalten?

In Summe ist die Antwort ein klares nein, jedoch für einen (vor allem für Kenner des Genres) harmlosen Grusel-Abend reicht es dennoch, denn nichts ist hier schlecht gemacht oder gar peinlich. Bei Regisseuren ist es wohl wie bei vielen Berufen, entweder man ist Künstler in seinem Fach, oder ein Handwerker. Spiliotopoulos ist scheinbar eher das Zweite, weswegen er bei der Handlung seines Debüts, wohl auch kein Risiko eingegangen ist und auf Routine gesetzt hat.

Dafür hat er Darsteller bekommen, die „zu gut“ für dieses beliebige Material sind. Jeffrey Dean Morgan (Bus 657, The Salvation) als Gerry ist perfekt besetzt als innerhalb seines Berufes abgestürzter Held, der genau wie alle anderen Menschen nicht mal mehr selber an sich glaubt und eigentlich nie das Richtige tut, wenn es ihm keinen Gewinn bringt. Seine Entwicklung/Veränderung wirkt nie erzwungen und trotz oder gerade wegen seiner Charakter-Schwächen, ist er klar die interessanteste Figur.

Mit William Sadler (From Dusk Till Dawn Series) als skeptischer und liebender Pater und Cary Elwes (Black Christmas) als manipulativer Machtmensch sind dann zwei erfahrene Stars dabei, die auch innerhalb des Horror-Genres einiges Erfahrung mitbringen und eine starke Ausstrahlung besitzen. Als Gegenpol dazu fungiert Cricket Brown (Dukeland) in ihrer ersten Hauptrolle, sie strahlt Reinheit und Unverbrauchtheit aus genau wie ihre Figur Alice und man wünscht ihr, dass sie bald erkennt, dass sie beeinflusst wird.

Natürlich negativ und zwar von dem Dämon, der sie als Medium ausgesucht hat. Das sieht man erstens im Trailer und zweitens ist es sowieso sofort klar ab der ersten Szenen, somit ist dies sicherlich nicht als Spoiler einzustufen sondern soll nur zeigen, dass es keine Überraschungen gibt. Wer stirbt ist ebenso eindeutig klar und zwar sobald man die Figuren kennenlernt. Ihr seht schon worauf ich hinaus will. Im Vergleich dazu sind mir inflationäre Jump Scares wie bei The Nun oder die zahnlose Art einer Annabelle dennoch weniger sympathisch, als dieser in seinen besten Momenten wohliger Grusel.

Schön erkennen kann man dafür wieder mal, wie leicht wir Menschen in falsche Richtungen verleitet werden, wie wir uns blenden lassen und nicht hinterfragen, wen wir da nun eigentlich folgen oder anbeten und wer das gerade nebenbei zur Vermarktung aufbaut, das merkt sowieso Niemand. Ganz abgesehen davon, dass ein echter Christ sowieso wissen müsste, dass ihm Maria weder erscheinen wird, noch dass man sie in irgendeiner Form anbeten soll. Aber ja, man kann (und soll ja auch, zumindest suggeriert dies die Gesellschaft) an alles glauben dürfen.

Insgesamt daher ein Film, den man vor allem wegen der Darsteller ansieht und der sich von der Machart so anfühlt, als wäre er für ein erwachsenes Publikum gemacht worden, was ich sehr begrüße. Überraschen kann hier nichts, auch spannend ist die Sache nur deshalb, weil die Atmosphäre dicht und Unheil verbreitend bzw. zu schön um wahr zu sein ist. Wenn man als Genre-Freund ausgehungert ist, kann man sich diesen kleinen Happen sicherlich dennoch gönnen, alle Anderen warten lieber auf eine Hauptspeise der Marke The Conjuring 3.

„The Unholy“ bekommt von mir 5/10 Maria in Frieden ruhen lassende Empfehlungspunkte.


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