Wrong Turn (2021 Filmkritik)

Jen (Charlotte Vega), ihr Freund Darius (Adain Bradley) und vier ihrer Freunde, werden mittlerweile seit sechs Wochen vermisst. Zumindest ist sich Jen´s Vater Scott (Matthew Modine) sicher, dass sie sich nicht einfach nur eine Auszeit gönnen, sondern ihnen etwas zugestossen ist. Deshalb nimmt er ihre Fährte auf und wird schließlich eher zögerlich, von den Dorfbewohnern auf etwas aufmerksam gemacht.

Tief im Wald haust nämlich seit Jahrhunderten eine autonome Gruppe von Menschen namens „The Foundation“ und wer die offiziellen Pfade verlässt und ihnen zu nahe kommt, der sieht sich mit ihren Gesetzen konfrontiert. Stecken diese Menschen hinter dem Verschwinden der sechs jungen Leute und wenn ja, wird es Scott gelingen, auch nur einen/eine von ihnen, lebendig wieder zu finden?

Im Jahre 2003 wurde mit dem ersten Teil von „Wrong Turn“, ein neues Backwood-Slasher Franchise ins Leben gerufen. Es folgten ganze fünf Fortsetzungen, wobei man besonders bei den letzten Teilen Bloody Beginnings, Bloodlines und Last Resort nie mehr die Intensität/Qualität des Erstlings erreichen konnte. Die Luft war also etwas draußen und darum hat man sich entschieden, der Reihe ein Reboot zu verpassen.

Für Regisseur Mike P. Nelson ist dies nach „The Domestics“ erst sein zweiter Spielfilm und er verfilmt dabei das Drehbuch von Alan B. McElroy, der bereits das Original geschrieben hat. Diese Tatsache plus das Setting sind dann aber auch schon die einzigen Gemeinsamkeiten mit den früheren Teilen. Auch um ein paar Unterschiede zu zeigen, werden ab nun Spoiler folgen.

Die Konsequenz für das falsche Abbiegen ist nun nicht mehr von überdrehten Inzucht-Kannibalen gejagt und zerstückelt zu werden, nein, nun muss man sich mit einer außerhalb unseren Gesetzen agierenden Gesellschaft auseinander setzen und das macht die Sache nach dem Aufbau der Story, vor allem um einiges subtiler bedrohlich. Hier gibt es ein klares Machtspiel, dass in weiterer Folge sogar großteils auf psychologischer Ebene stattfindet.

Natürlich dürfen naive (eigentlich sind sie dumm, aber egal) junge Leute in der Altersgruppe 20 und älter nicht fehlen, die ihre Leben auf gewaltsame Art und Weise verlieren. Doch auch hier ist man einen etwas andern Weg gegangen, denn man sieht selten die Aktion an sich, sondern viel mehr die Auswirkung. Also zerdrückt ein Baumstamm einen Kopf, dann sieht man das nicht direkt, sondern bekommt danach einen Blick auf den Kopf zu sehen.

Ein kichernder Kannibale der Köpfe spaltet und man als Zuseher ihm fast zujubelt, weil sein Opfer so blöd war und dieses Ende in so einem Film klar verdient hat, diese Gefühle werden hier somit ganz und gar nicht bedient. Das macht den Film an sich nun weder besser noch schlechter, jedoch wird es sicherlich Hardcore-Fans irritieren und selbst wenn man das lockerer sieht stellt sich die Frage, ob das Alles unter einem anderen Titel, nicht besser angekommen wäre.

Ebenfalls neue oder besser andere Elemente der bekannten Slasher-Formel, ist was das Final-Girl hier tun muss, um zu überleben. Sie bietet sich nämlich selbst an als Ehefrau, um zu nicht umgebracht zu werden. Spannend finde ich vor allem, wie das von der Atmosphäre wirkt, denn auch wenn sie nichts davon will – dort wohnen, mit einem fremden Mann ständig ins Bett gehen – wirkt sie nie wie ein Opfer. Sie hat einfach das für sie geringere von zwei Übeln gewählt.

Hinzu kommt dann noch die von Matthew Modine (Backtrace) souverän gespielte Figur des heroischen Vaters, der seine Tochter sucht. Somit entsteht zusammen mit der von Charlotte Vega (American Assassin) gespielten Jen eine gewisse Vater-Tochter Dynamik, die ich so von dieser Art Film auch noch nicht kannte. Dabei ist Vega extrem vielschichtig unterwegs, durchlebt mehr Gefühlschaos als man sowieso erwartet hätte und macht so ihre Jen zu der mit Abstand interessantesten Figur.

Insgesamt daher ein Film, der in seinen stärksten Momenten richtig fesselt und unangenehm ist und die besten Figuren die unwichtigen bzw. nervigen, schnell vergessen machen. Wie ein Wrong Turn fühlt sich das nur ansatzweise an doch ob es dafür Punkte-Abzüge gibt, muss wohl jeder selbst entscheiden. Die etwas anderen Impulse haben mir jetzt nicht alle durchgehend gefallen, doch (neue) Ideen sind immer besser als Langeweile oder schlechtes Recycling.

„Wrong Turn“ bekommt von mir 7/10 sich als wertvolles Mitglied der Community etablierende Empfehlungspunkte.


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