Wrong Turn 4: Bloody Beginnings (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 1974. Das Glenville Sanatorium ist die Heimat von zahlreichen, durch Inzucht immer weiter degenerierten Hinterwäldlern, die nach erfolgreicher Therapie wieder zurück in die Gesellschaft entlassen werden sollen. Drei miteinander verwandte Jugendliche sind dabei besonders gefährlich, da sie Kannibalen sind und in ihrem Hunger vor Niemandem halt machen. Genau diesen drei Monstern gelingt die Flucht aus ihrer Zelle, woraufhin sie alle übrigen Gefangenen befreien, die Ärzte umbringen und das gesamte Gebäude verwüsten.

Beinahe 30 Jahre später wollen eine Gruppe von College-Schülern mit ihren Snowmobilen einen Ausflug zu einer Berghütte machen, Skifahren, Alkohol trinken und einfach nur Spaß haben eben. Es kommt jedoch ganz anders, denn als sie sich im dichten Schneegestöber verirren und falsch abbiegen, finden sie als letzte Zufluchtsstätte vor der Kälte ein anscheinend verlassenes Sanatorium. Die jungen Leute hätten im eiskalten Schnee bessere Überlebenschancen gehabt, da die nunmehr erwachsenen Degenerierten von damals noch immer hier hausen und Menschenfleisch weiterhin das Lieblingsgericht auf ihrer Speisekarte geblieben ist.

Wrong Turn 4: Bloody Beginnings Film

Die Geschichte dieser Backwoods-Slasherfilmreihe begann 2003 im Kino. In „Wrong Turn“ kämpften aus Film und Fernsehen bekannte Gesichter – Eliza Dushku (Buffy, Dollhouse), Desmond Harrington (Dexter, Gossip Girl) und Jeremy Sisto (Law and Order, Suburgatory) – ums Überleben. Keine Neuerfindung des Genres aber ein mehr als würdiger Vertreter. Gut gemacht, toll gespielt und spannend bis zum Schluß war dieses Erlebnis. 2007 folgte dann eine Fortsetzung „Wrong Turn 2: Dead End“ für den DVD Markt, wo eine eigentlich lustige Reality Survival Show, plötzlich tödlich ernst wurde. Qualitativ etwas hinter dem Original war mein Problem hier vor allem jenes, dass ich keinen der sogenannten Helden wirklich sympathisch fand.

In „Wrong Turn 3: Left for Dead“ ließ Regisseur Declan O´Brien (Sharktopus) unsere Lieblingshinterwäldler auf mehr oder weniger harte Gangster treffen. Leider haben hier die miesen CGI Effekte den Spaß einigermaßen gebremst. 2011 nun bekommt O`Brien eine zweite Chance um es besser zu machen und bedient damit voll den gerade in Hollwood wachsenden Hype: diese Fortsetzung ist nämlich eine Vorgeschichte (dieses Sequel ist ein Prequel klingt irgendwie cooler).

Um wessen Vorgeschichte geht es hier natürlich? Richtig, natürlich um die der Killer. Die drei zurückgebliebenen mit den bezeichnenden Namen Three Finger, One Eye und Saw Tooth sind die „Helden“ dieser Geschichte. Natürlich muss eine Fortsetzung und besonders der schreckliche Ursprung einer Horrorstory brutaler, eiskalt und noch kranker als seine Vorgänger sein. Klar auch dass die Opfer hier austauschbar sind und am Ende sowieso alle sterben müssen, was bei Prequels ja fast immer der Fall ist. Und nein, das war jetzt kein Spoiler genausowenig wie das von mir sehr bewusst gewählte Bild, das nur dem Film entsprechend ausgefallen ist.

Der Film beginnt mit atmosphärisch dichten Minuten im Sanatorium. Besonders die Sequenz, in der die Irren durch das Ganzen Haus tanzen, randalieren und eine Ärztin mit Elektroschocks gequält wird und dies alles auch noch musikalisch mit einem wohl allen bekannten Walzer von Johann Strauß Jr. unterlegt ist, waren herrlich wahnsinnig und fühlten sich wie ein fieser Schlag in die Magengrube an (Nasen abbeißen und Gliedmassen abreißen gehört hier natürlich auch zum Service dazu).

Dann kommt aber die große Bremse. Ich gebe zu die Damen sind hübsch, aber ausgedehnte Liebesszenen wie diese hier sind einfach nur fad. Aber es geht ja darum herauszufinden wer Sex hat und Drogen nimmt, damit man erkennen kann wer hier die Heldin sein soll, die am Ende überlebt? Blödsinn, auch wenn eine Hauptfigur mehr oder weniger erkennbar ist und auch einige Klischees bedient werden, dauert es nach den starken ersten 10 Minuten eine ganze zu lange halbe Stunde, bis die langweilige Einführung der Kids und deren Partyverhalten ausreichend gezeigt wurden.

Ab diesem Zeitpunkt geht es dann wieder richtig los. Gut, dass der Regisseur zumindestens in einem Bereich hier aus seinen Fehlern gelernt hat und die schlechten CGI Effekte erst gegen Ende auspackt, vorher aber auf nette Oldschool Techniken setzt. Als Gegner der Folterfilme und Freund der schnellen, effektiv-kreativen Morde fand ich eine Szene hier leider gar zu ausgedehnt und unnötig. Ich muss nicht sehen bzw. hören wie einem sich die Seele aus dem Leib schreienden Typen, fünf Minuten lang Stück für Stück Fleischteile aus seinem Körper geschnitten werden, neben ihm in einem Kochtopf landen und dann auch noch gleich verkostet werden. Es gibt sicherlich einige die sowas geil finden werden, aber so abgestumpft bin ich (leider) noch nicht.

Bei Freddy, Jason, Michael oder wie sie alle heißen war man ja öfters und nicht nur unter dem Einfluss von Alkohol froh, wenn wieder einer dieser wirklich dämlichen Jugendlichen vom Bildschirm entfernt wurde. Bei Wrong Turn 4 ist das für mich aber nicht so, denn die Täter kann ich echt nicht leiden. Sie können sich nur durch Grunzlaute verständigen, sind aber klug genug sich mit einer Haarnadel aus einer Zelle zu befreien? Sie spüren keinen Schmerz auf Grund ihrer degenerativ veränderten Körper? Einer hat sich zwei Finger abgekaut, der zweite sein Auge ausgestochen und vor einer Krankenschwester gegessen und der dritte hat seine Zähne an der Wand rasiermesserscharf geschärft. Moment mal, dieses Prequel hat doch was gebracht, ich mag diese netten Kerle jetzt gleich viel lieber, vielleicht nehm ich mir ja einen von ihnen mit nach Hause und verfüttere meine Feinde an ihn.

Ich mag Horrorfilme und weiß auch die Wrong Turn Reihe zu schätzen für das was sie ist, doch dieser vierte Teil ist für mich eindeutig der schlechteste Vertreter dieser Serie. Noch ein Tip für den Regisseur: wenn man schon angeblich überraschende Szenen einbauen will, dann dabei bitte nicht die Intelligenz des Zuschauers unterschätzen. Ein wimmernder Typ mit einem Sack über dem Kopf ist nämlich sicher keiner der Killer sondern ein Opfer, dem als Lockvogel die Zunge herausgeschnitten wurde. Natürlich erkennt sowas auch der unerfahrenste Filmfan, doch die Mädels in diesem Film vorhersehbarerweise nicht.

Schauspielerisch zwischen lustig-cool und unglaubwürdig-peinlich können so die wenigen guten Momente, den Rest des Filmes nicht retten. Den Fans der härteren und anspruchslosen Horrorfilmkost ist dieser Film aber trotzdem zu empfehlen, es sei denn man sieht am Ende gerne eine hübsche Dame, die zwar blutüberströmt aber sich in Sicherheit befindlich, in die Kamera lächelt. Hier ist der Schluß erwartungsgemäß gemein ausgefallen, aber das hab ich ja eh schon vorher erwähnt.

Wrong Turn 4 bekommt von mir 3/10 ekelhaften Irrsinn auf vorhersehbare Langeweile treffen lassende Empfehlungspunkte.


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