Captive State (Filmkritik)

Es ist soweit: Die Aliens sind da. Sie greifen an und die Erde hat keine Chance. Die eroberten Länder (also alle) werden in Sektoren eingeteilt und in jedem gibt es im Zentrum eine „Safe Zone“. Dort dürfen nur jene hin, die sich dem neuen Regime gegenüber loyal zeigen und durch großartige Taten glänzen.

Das Leben für die Menschen ist voller Überwachung und Bespitzelung. Es regt sich jedoch Widerstand. Einzelne Terrorzellen haben einen Plan, wie sie in die „Safe Zone“ eindringen und einen Krieg vom Zaun brechen könnten, der die Außerirdischen vertreiben soll …

Falls euch aufgefallen ist, dass oben in der Beschreibung keine Hauptfigur beschrieben oder erwähnt wird, dann liegt ihr richtig. Das ist nämlich im Fall dieses Films ein bisschen mühsam, weil er diverse Protagonisten einführt, die dann pro Charakter ein paar Minuten Screentime haben – teilweise einmal, teilweise über den Film verteilt – und dann wieder auf die eine oder andere Art und Weise verschwinden.

Der Fokus liegt nämlich klar auf zwei Dingen: Auf einem Twist am Ende des Films und auf dem Zeigen, wie vernetzt und mit welchen Methoden die „Terroristen“, die ja eigentlich die Held*innen des Films sind – arbeiten. Das fühlt sich dann an, wie eine Montage in einem Heist-Movie, als jemand sein Team zusammenstellt und wirkt ziemlich, ziemlich cool, bedeutet jedoch eine wenig starke Bindung mit den Charakteren.

Es gibt zwar zwei oder drei Personen, die wir näher kennenlernen, aber so richtig als Hauptfigur … hm. Da ist einfach zu wenig Bezug da. Ja, es gibt ein Brüderpaar, dessen Eltern gleich mal am Anfang des Films bei der Übernahme der Aliens der Erde getötet werden und die sind in der Handlung des Films auch zentral, es fühlt sich jedoch nie so richtig an, als wären das die Hauptfiguren.

Gegen Ende des Films folgen dann Twist auf Twist und dann versteht man auch, warum das so ist und so sein muss, aber bis dahin ist es halt dennoch so, dass man über weite Strecken interessiert zusieht, aber nicht unbedingt investiert bzw. „vom Filme in den Bann gezogen“. Zumal bei einigen Charakteren völlig klar ist, dass sie den Film nicht überleben werden. Was dann auch so ist.

Spannend wäre die Frage: Ab wann ist ein Terrorist ein Terrorist und ab wann ist ein Freiheitskämpfer ein Freiheitskämpfer. Oder ist es dasselbe und nur der Blick von außen ist ein anderer? Nimmt man die Außerirdischen aus der Gleichung und ersetzt sie durch ein x-beliebiges anderes Regime, sind dann die „Guten“ immer noch die „Guten“? Fragen über Fragen … die uns der Film aber nicht stellt.

Da kann man sich von der Sci-Fi-Version dieses Themas namens „V For Vendetta“ noch einiges abschauen und noch einiges lernen.

Und Ja, John Goodman spielt super (wie eigentlich eh immer) und ja, Vera Farmiga ist toll (in den fünf Minuten in denen sie vorkommt) und ja Ashton Sanders und Jonathan Majors, welche die beiden Brüder spielen, sind ebenfalls toll. Trotzdem kann niemand sein Klischee (Ausnahme: Goodman) mit mehr als eben diesem Klischee füllen.

War der Film dennoch spannend anzusehen? Ich finde ja. War es ein ganz anderer Film als ich erwartet hatte? Ebenfalls ja.

Und im Gegensatz zu anderen Kritiken, die ich gelesen habe, finde ich die Twists am Ende des Films ehrlich gesagt (egal wie unrealistisch die Sache ist) überraschend positiv. Was mich beim Abspann allerdings nicht losgelassen hat, ist die Frage, was mir der Film jetzt sagen wollte, denn da komme ich auf nichts, weil es ja im Kern – wie man später merkt – eigentlich überhaupt nicht um die Unterdrückung durch die Aliens geht. Aber das würde jetzt zu weit führen und zu viel spoilern. Also lassen wir das.

„Captive State“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, gut gemachte und spannende, wenn auch falsche Erwartungen weckende, Punkte.


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