Corpse Bride (Filmkritik)

Victor Van Dort (Johnny Depp) ist schwer verliebt. Seine Angebetete hört auf den Namen Victoria Everglot (Emily Watson) und erwidert seine Gefühle. Eines Tages passiert es dann: Victor nimmt all seinen Mut zusammen und will ihr einen Antrag machen. Dummerweise übt er im Wald mit einem Baum und steckt diesem auch den Ring an. Der Baum ist jedoch kein Baum, sondern eine Leiche und diese erwacht zum Leben, denn der Antrag von Victor hat den Fluch mehr oder weniger gebrochen.

Das ging also gehörig daneben. Und das ist erst der Anfang …

Es gab eine Zeit, da war Tim Burton noch ein wirklich mutiger und ein wenig morbider Filmemacher. Wir reden hier von „Edward mit den Scherenhänden“, „A Nightmare Before Christmas“ und – sind wir ehrlich – sogar „Big Fish“ war streckenweise richtig creepy. Seine beiden „Batman“-Filme waren richtig Gothic und düster. Das Gleiche gilt für „Sweeney Todd„. Wenn es nicht unheimlich und düster war, dann war es bunt und richtig irre: „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder „Mars Attacks!“.

Nach und nach hat der gute Mann meiner Ansicht nach leider seinen Biss verloren und der absolute Tiefpunkt seiner Karriere ist für mich „Alice im Wunderland„. Ein Film, der wie geschaffen dafür sein sollte endlich eine Behandlung bzw. Inszenierung durch die morbide Welt des Hr. Burton zu bekommen und was macht der Mann draus? Einen absolut durchschnittlichen Disney-Schinken (mit einer wirklich schlechten Fortsetzung). Schade. Wirklich schade.

Naja, dafür war er zu seinen Glanzzeiten wirklich gut. Wirklich, wirklich gut. Und auch wenn ein viele bei der Frage nach Burtons bestem Film vermutlich einen anderen wählen würden (man könnte jetzt durch die Tatsache, dass nur die Charaktere von ihm sind, das Drehbuch ja von John August, Pamela Pettler und Caroline Thompson verfasst, und auch die Regie mit Mike Johnson gemeinsam gemacht wurde, darüber streiten ob es jetzt ein „richtiger“ Burton-Film ist – ja, solche Diskussionen kann man unglaublicherweise wirklich führen), für mich bleibt dieser hier jedoch das Meisterwerk.

Die Stop-Motion-Aufnahmen, das Figurendesign, die Witze (auch die visuellen im Hintergrund), das Totenreich, die klassische (Leben = grau und farbleer, Totenreich = bunt und satte Farben) Liebesgeschichte mit Hindernissen – all das zusammen und die gelungenen Witze, sowie die Tatsache, dass bei diesem Film hier das Herz einfach am absolut richtigen Fleck sitzt, machen ihn immer noch zu meinem Lieblings-Burton.

John August (aktuell: „Scary Stories To Tell In The Dark“), der auch das Drehbuch zu „The Nines“ (ansehen! großartiger Film!) verfasst und auch gleich dazu Regie gemacht hat, hat gemeinsam mit Caroline Thompson („The Addams Family“, „Nightmare Before Christmas„, aktuell: „Welcome To Marwen“) und Pamela Pettler („Monster House“, „#9„) das Drehbuch verfasst und das wirklich witzig und lieb geworden. Die schrägen Figuren im Totenreich, die Gespräche welche die „Corpse Bride“ mit der Spinne und ihrem „Ohr-Wurm“ führt … super. Ich mag den Film sehr, sehr gern und könnte ihn immer wieder ansehen.

Auch wirklich toll finde ich die Szene gegen Ende als die Toten zurückkehren auf die Erde und alles wie in einem bedrohlichen Zombiefilm wirkt: Da tritt ein kleines Kind nach vor und fragt eine der Leichen: „Opa?“ Woraufhin diese nickt, ihren Enkel umarmt und alle begreifen: Die wollen uns nicht fressen, die wollten uns nur wiedersehen!

Kurz gefasst: Die Geschichte, die Charaktere, das Setting – alles davon ist nicht neu. Aber mit Liebe gemacht und sehr, sehr kurzweilig. Ein großartiger Film über das Leben und die Liebe. Mit einem kleinen, aber feinen, morbiden Touch, der die ganze Sache erst so richtig rund macht. Schwarzer Humor, super Art-Design, grandiose Technik und passende, gefühlvolle Musik – was will man mehr? „Corpse Bride“ ist das „Gothic“-Gegenstück zu allen Disneyfilmen. Und im Vergleich zu „A Nightmare Before Christmas“ gefällt mir alles noch einen Tick besser.

„Corpse Bride“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, die wahre Liebe findende, Punkte.

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