Love & Friendship (Filmkritik)

Die Witwe Lady Susan Vernon (Kate Beckinsale) zieht sich gezwungenermaßen auf das Anwesen ihres Schwagers zurück, als in der gehobenen Gesellschaft Gerüchte über angebliche Affären von ihr zu zirkulieren beginnen. Dort fasst sie den Entschluss, auf die Suche nach einem neuen Ehemann für sich zu gehen. Eine große Hilfe bei diesem komplizierten Unterfangen ist ihre Freundin Alicia (Chloë Sevigny). Die Lösung all ihrer Probleme sieht Susan in dem geschwätzigen Sir James Martin (Tom Bennett), den sie zum Gemahl ihrer Tochter machen möchte…

Love & Friendship

Dieser Film basiert auf einer Novelle der Autorin Jane Austen namens „Lady Susan“. Ganz im Gegensatz zu ihren Werken „Stolz & Vorurteil“ und „Sinn & Sinnlichkeit“, zeigte Austen hier einen gänzlich anderen Blickwinkel in Sachen Liebe. Ihr Frühwerk „Lady Susan“, das die Autorin um das Jahr 1794 verfasste, wurde erst 1871 posthum veröffentlicht.

„Love & Friendship“, von Regisseur Whit Stillman (Damsels in Distress), wirkt im Vergleich fast schon zynisch und verabschiedet sich von dem Verklärten und Romantischen und macht Platz für Zynismus und Berechnung. Der Titel wirkt in der Retrospektive schon schwer zynisch, denn Liebe und echte Freundschaft spielen eindeutig eine Nebenrolle in diesem Film. Sie machen Platz für Intrigen, Affären und schon ans unsympathische grenzende Charaktere.

„Love & Friendship“ zeigt auch einen Aspekt, den man so nur selten zu hören bekommt. Nämlich, dass Geld die Welt regiert und man als Frau von Stand davon abhängig war, einen möglichst reichen Ehemann zu finden. Dass man danach (diskrete) Affären hat, weil man oft viel ältere Männer abbekommen hat, ist normal.

Einige wichtige Personen wurden mit Untertiteln vorgestellt. So bekam man ihre Namen und einige wichtige Hintergrundinfos gleich vorab zu lesen, was gar nicht schlecht war, denn der Film hat durch seine eher kurze Laufzeit ein ziemliches Tempo drauf und ich hatte stellenweise Probleme der Handlung komplett zu folgen. Optisch macht der Film dank wunderschöner Kostüme und exquisiten Produktionsdesign einiges her.

Kate Beckinsale spielt die kürzlich verwitwete Lady Susan, die durch ihre Intrigen zwar interessant ist, aber mir nicht wirklich sympathisch war. Sie bezeichnet ihre eigene 16 Jahre alte Tochter als dumm und will sie an den höchst-bietenden Mann verschachern, um sich selbst finanzielle Stabilität durch das Opfer ihrer Tochter zu sichern.

Man kauft Beckinsale die intelligente Susan ohne Probleme ab und es macht ein Stück auch Spaß, ihr beim Manövrieren durch die High Society zu zusehen. Leider ist es um die Britin aufgrund diverser Boxoffice-Flops (Everybody’s Fine, Total Recall, The Trials of Cate McCall), sehr ruhig geworden. Ich hoffe, dass „Underworld: Blood Wars“, der Jänner 2017 in die Kinos kommen wird, ihrer Karriere einen Schubs in die richtige Richtung geben wird.

Chloë Sevigny (American Horror Story) spielt eine Freundin von Lady Susan, die ihr dabei hilft ihre Machenschaften auszuführen und geheim zu halten. Sevigny und Beckinsale sind privat seit Jahren befreundet und die Szenen in denen sie gemeinsam zu sehen sind, machen Spaß. Es wird immer wieder betont, dass sie Amerikanerin ist, als ob das etwas zu bedeuten hätte.

Fazit: Eine intelligente, eigentlich zeitlose Satire, die genauso gut auch in der Jetzt-Zeit spielen könnte, wenn man die Kostüme weg lassen würde.

Dieser Film bekommt von mir 7/10 kostümierte Punkte.


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