I, Frankenstein (Filmkritik)

Nachdem Doktor Frankenstein die von ihm erschaffene Kreatur verstossen hat und der darauf folgende Konflikt für den Arzt und seine Frau tödlich endet, irrt das künstlich zum Leben erweckte Wesen ziellos umher. Nach einem Angriff von Dämonen, die es offensichtlich fangen wollen, tauchen zwei Gargoyles auf, die die Bösewichte mit Waffengewalt schnell wieder in die Hölle zurück schicken.

Die Königin (Mirando Otto) der Gargoyles, die vom Erzengel Michael geschaffen wurden, um die Dämonen auf der Erde zu bekämpfen, gibt der Kreatur schließlich den Namen Adam (Aaron Eckhart). Sie gibt ihm ebenso geweihte Waffen als Verteidigung und die Möglichkeit, den Grund seiner Existenz selbst heraus zu finden. Über 200 Jahre später kommt es schließlich zur alles entscheidenden Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, denn der Dämonenprinz Naberius (Bill Nighy) hat große Pläne und Adam spielt eine zentrale Schlüsselrolle darin.

I, Frankenstein

Kevin Grevioux, von dem die Vorlage zu diesem Film in Form einer Graphic Novel stammt, war auch maßgeblich an der Entstehung der „Underworld„-Franchise beteiligt. Mit beim Drehbuch dabei war auch der für die Regie zuständige australische Regisseur Stuart Beattie (Tomorrow, When the War Began). Ursprünglich sollte das Projekt ja bereits im Februar 2013 ins Kino kommen, wurde aber schließlich bis Jänner 2014 verschoben, und Projekte nach hinten zu schieben, ist bekanntlich ja selten ein gutes Zeichen.

Und so musste es dann auch kommen, dass der Film im Vorfeld von Kritikern zerrissen wurde und vom Einspiel-Ergebnis schon jetzt als erster großer Flop des neuen Jahres gerechnet wird. Hat er nun den ganzen Hass eigentlich verdient? „I, Frankenstein“ anzugreifen ist ja so einfach, dass es fast schon billig ist. Angefangen von dem mehr als offensichtlichen Gefühl, dass hier unbedingt ein neues Franchise entstehen sollte, ist der freche Diebstahl bei anderen Filmen (vor allem beim sagen wir mal großen Bruder „Underworld“) in jeder Sekunde zu sehen, ja springt dem erfahrenen Genre-Liebhaber förmlich entgegen.

Ihr wollt noch mehr hören? Hier ist jeder Twist vorhersehbar so wie das gesamte Geschehen bis zum Schluss, einige der CGI-Effekte schwanken zwischen mies und peinlich, die Charaktere entwickeln sich entweder nicht weiter, oder es wird wie bei Adam einfach die Holzhammer-Methode eingesetzt und die Minimal-Handlung ist klar wieder mal nicht existent bzw. nur da, um Luft schnappen zu können zwischen den Kämpfen. Von einigen Stellen hab ich auch noch vernommen, dass hier eindeutig etwas Ironie nicht geschadet hätte, da sich alle hier so schrecklich ernst nehmen.

Tja, so ist das. Nun könnt ihr euch vielleicht auch meine Überraschung vorstellen als ich plötzlich bemerkt habe, dass mir der Film echt Spass macht. Ich habe auch eine Erklärung parat: Es gibt sogenannte Instant-Computerspiele, die man zwischendurch einlegt, ohne Risiko genau weiss was man bekommt und man sich nach dem Spielen sofort wieder mit etwas Anderem beschäftigen kann, da keinerlei Nachwirkungen auftreten. Genau so ist dieser Film: Fantasy-Fastfood, das sich irgendwo zwischen übercool und rein auf die Optik fixiert einpendelt (und ja, ich gehe gerne ein Mal im Monat zu Mc Donalds).

Die Verwandlungen und Auftritte der Gargoyles und von Adam sind teilweise so cool und gestylt und von der Kamera perfekt eingefangen, dass ich nicht mehr genau gewusst habe, ob das nun genial ist, oder schon – im Sinne von zu viel des Guten – irgendwie auch weh tut. Die Effekte, wenn die verstorbenen Gargoyles aufsteigen und die Dämonen absteigen fand ich gelungen, genau wie die schrägen Dämonenmasken, die beinahe Oldschool-Feeling wie bei „Dylan Dog“ ausstrahlen. Auch die Gebäude (vor allem das Gargoyle-Schloss) sind eindrucksvoll und die Kämpfe, bei denen meistens einiges zu Bruch geht, sind übersichtlich geschnitten und versprühen dieses „hier schlagen sich Wesen, die stärker als Menschen sind“ Gefühl, nicht nur weil des öfteren sämtliche Häuser mindestens teilweise zum Einsturz gebracht werden.

Schauspielerisch wird hier natürlich keiner richtig gefordert, es geht ja auch fast ausschliesslich um die „Show-Off“ Momente. Aaron Eckhart (Die Logan Verschwörung) ist durchtrainiert wie noch nie und kommt auch sonst nicht wie ein Monster daher, eher wie ein trauriger Typ mit einigen Narben (als Two-Face in „The Dark Knight„, sah er eindeutig schlimmer aus). Er überzeugt in den Actionszenen, hat jedoch ausser grimmig zu gucken sonst nur eher wenig zu tun. Den tragischen Helden nimmt man ihm aber dennoch ab.

Yvonne Strahovski (Killer Elite) als Wissenschaftlerin gibt die Dame in Not und den möglichen Love Interest unseres Antihelden, ist dabei sehr natürlich und wirkt wegen ihrer resoluten Art und ihrem Forscherdrang weit weniger hilflos, als es möglich wäre. Bill Nighy (Total Recall) ist als Bösewicht herrlich überheblich und furchteinflössend, bekommt aber nur wenig zu tun. Miranda Otto (Der Herr der Ringe 2 & 3) als Gargoyle-Königin versprüht eine gewisse erhabene Aura und spielt ziemlich intensiv, Jai Courtney (Stirb Langsam 5) als ihr stärkster Soldat ist ziemlich lässig und auch die von mir immer gern gesehene Caitlin Stasey (Evidence), die für Regisseur Beattie ja bereits bei „Tomorrow When the War Began“ die Hauptrolle spielen durfte, schaut für kurze Zeit inklusive einem der wenigen emotionalen Momente, als Gargoyle-Kriegerin vorbei.

Wer ist nun also eigentlich das Zielpublikum für diesen Streifen, der obwohl es zur Handlung passen würde, auf Leuchteffekte statt Blut setzt und im massentauglichen PG 13 Stil gedreht wurde? Das kann ich selbst nicht so genau sagen, doch eines ist klar: Dies ist sicherlich kein guter Film dafür einer, bei dem man viel Spass haben kann, vorausgesetzt man fängt nie an, wirklich nachzudenken. Dass hier alles als furchtbar ernsthaft verkauft wird fand ich dabei sogar hilfreich, denn eine absichtlich ironische Inszenierung wäre in die „so schlecht dass es schon wieder lustig ist“ Richtung gegangen und dafür sind sämtliche Beteiligte an diesem Film einfach doch zu gut drauf. Da man mögliche Fortsetzungen zwar geplant hat, aber nun sicherlich vergessen wird, kann es nun also wieder 200 Jahre dauern, bevor Adam bzw. Frankenstein (der Sohn seines Vaters, daher der Name) sich wieder erhebt. Genug Zeit, um das Drehbuch das nächste Mal so hin zu kriegen, dass ein richtig guter Genrefilm draus wird.

„I, Frankenstein“ bekommt von mir 7/10 mit übertriebener Coolness sämtliche Schwächen temporär überdeckende Empfehlungspunkte.


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