Evidence (Filmkritik)

Eine abgelegene Gasstation. Ein paar bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leichen. Eigentlich hätte es nur ein lustiger Trip nach Las Vegas werden sollen, bei dem Rachel (Caitlin Stasey) alles mit ihrer Kamera dokumentiert. Was aber dabei rausgekommen ist, ist scheinbar das Werk eines Killers, der seine Tat genau geplant hat und die beiden Überlebenden (einer mehr, einer weniger) kann man nur als sehr glücklich bezeichnen.

Für Detective Reese (Stephen Moyer) ist dies die Chance, nach einem persönlichen Schicksalsschlag, wieder zurück in seinen Beruf zu finden. Anhand von Videoaufzeichnungen von zwei Kameras und zwei Handys vom Tatort versuchen er und sein Team, die Ereignisse zu rekonstruieren und vielleicht einen Blick auf den Täter zu erhaschen. Ein langer Abend beginnt für die Ermittler, voll mit unheimlichen Bildern und falschen Fährten.

Evidence

Ein Mix gleich aus mehreren Genres ist es geworden, den uns Regisseur Olatunde Osunsanmi (Die vierte Art) hier präsentiert. Eine große Portion Found Footage Material trifft auf eine Dosis forensisches Drama, gemixt mit Cop-Buddy Anteilen, versehen mit wohl dosierten Grusel- und Horrorelementen zum drüber streuen. Klang für mich schon im Vorfeld so als wäre für jeden was dabei, doch müssen diese einzelnen Parts natürlich auch noch miteinander gut harmonieren.

Wirklich toll gelungen ist gleich mal der Einstieg. Über die eingefrorenen Standbilder vom Tatort kreist die Kamera mehrere male herum und fängt so die mit pushender Musik unterlegten Resultate einer offenbar Nacht voller Schrecken ein. Ein Haufen Trümmer da, ein abgetrennter Arm dort, eine verbrannter Körper in der Mitte. Es folgt ein Schnitt zur Pressekonferenz der Polizei, dann eine erste Durchschnauf-Möglichkeit, während die ermittelnden Cops kurz vorgestellt werden.

Gemeinsam mit den Polizisten beginnt man dann als Zuschauer das Videomaterial zu sichten. Sehr positiv ist mir dabei das authentische, weil natürlich wirkende Verhalten der Protagonisten (vor allem der beiden Hauptladies) aufgefallen. Etwas anstrengend sind dafür teilweise die storybedingt notwendigen (weil extra erklärten und für das Ende wichtigen) Bild- und Tonverzerrer, da die Kamera und somit das Videomaterial durch das Feuer beschädigt wurde und man so nicht alle Daten klar auslesen konnte.

Dazwischen wird immer wieder mal herausgezoomt oder das Bild bricht ganz ab, dann gehen die Cops den gerade gesehenen Hinweisen nach, doch die meiste Zeit bekommt man den Inhalt der Kameras präsentiert. Wie ich auch schon bei „Frankenstein´s Army“ erwähnt habe, stehe ich zwar grundsätzlich weder auf Wackelkamera noch auf Found Footage Filme, doch hier wirkt es wirklich passend und hat für mich als Stilmittel funktioniert. Ein wahrer Fan davon werden ich aber wohl trotzdem nie werden.

Auch der Übergang von ganz harmlosen Ausflugsbildern, um die Leute lieb zu gewinnen, hin zu den Schreckensbildern der Nacht, ist sehr gekonnt inszeniert. Der Horror wird dabei zwar eher durch die Atmosphäre erzeugt, doch wenn Schweißbrenner auf Arme und Beine treffen und Messer in Oberkörper und Hälse eingeführt werden, dann ist es höchste Zeit für Prothesen bzw. eine Notoperation. Soll heißen: Die brutalen Szenen sind zwar rar gesät, verfehlen ihre Wirkung aber keineswegs.

Schauspielerisch bekam ich hier nach „Tomorrow When The War Began“ endlich wieder ein Wiedersehen mit der Australierin Caitlin Stasey spendiert. Sie ist zwar weniger oft zu sehen als ihre ebenfalls sehr photogene Kollegin Torrey DeVitto (Das Ritual), da sie ja die meiste Zeit die Kamera bedient, doch sie ist für mich der heimliche Star des Filmes, da sie auch die interessanteste Figur spielt. Jaja, es sind eben immer die im Hintergrund auf die man aufpassen muss.

Bei den Polizisten überzeugt Stephen Moyer (The Double) als gebrochener Ermittler, der sich immer mehr in den Fall hineinsteigert, da er nach einem Drama in seiner Familie nicht mehr weiter wusste und jetzt durch seinen Job wieder versucht Sinn und Beschäftigung zu finden. Radha Mitchell (The Frozen Ground) als seine Vorgesetzte hat da leider viel weniger zu tun, ihre Rolle hätte wirklich jeder spielen können.

Als Höhepunkt gibt es dann einen sagen wir mal gemeinen Schlusstwist, der für manche vielleicht zumindest teilweise vorhersehbar war, doch mittels der am am Anfang bereits eingesetzten eingefrorenen Schwenkkamera plus dem dazu passenden abruptem Ende, sehr homogen wirkt. Für mich war der Film insgesamt eine positive Überraschung, man sollte eben kein Genre bzw. Sub-Genre automatisch von seiner Sehgewohnheiten-Liste streichen.

„Evidence“ bekommt von mir 7,5/10 eindeutig eindeutige Beweise manipulierende Empfehlungspunkte.


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