Exit Speed (Filmkritik)

Es ist kurz vor Weihnachten. Eine Gruppe von bunt zusammengewürfelten, sehr unterschiedlichen Menschen ist auf einer entlegenen Strasse außerhalb von Texas in einem Bus auf der Fahrt nach El Paso. Die Fahrt verspricht langweilig und ereignislos zu werden, doch plötzlich taucht eine Motorradgang auf, die den Bus mit Flaschen bewirft.
Nach einigen waghalsigen Ausweichmanövern kommt es schließlich zu einem Zusammenstoss bei dem ein Biker ums Leben kommt und ein weiterer verletzt wird.
Dieser zückt sofort seine Waffe und erschiesst den ihm zur Hilfe eilenden Fahrer des Busses.

Die restlichen Fahrgäste können den Bus wieder starten und eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, die unerwartet mitten in der Einöde in einer verlassenen Barrackensiedlung endet.
Umzingelt von den Bikern verschanzen sich die Überlebenden hinter den Resten der Gebäude und warten dort auf Hilfe. Die Frage ist jedoch ob jemand sie vermissen wird, da der Bus erst sechs Stunden später ankommen sollte und daher vorher niemand den Busüberfall bemerken wird. Nun heißt es entweder verstecken, kämpfen oder davonlaufen oder aber vielleicht alle drei Möglichkeiten zusammen kombinieren.

Exit-Speed

Exit Speed ist ein Vertreter des guten alten Low Budget Actionfilms, der angenehm schmutzig ist aber nie billig aussieht, die Handlung aus der es natürlich kein Zurück mehr gibt ständig vorantreibt und dabei sogar etwas Mad Max „Anarchofeeling“ versprüht.
Storymäßig wird hier natürlich nichts neu erfunden und auch das Gehirn wird beim Filmgenuss nicht benötigt, über mögliche (nur wenige) vorhandene Schwächen trösten aber vor allem die sympathischen und gut aufgelegten Darsteller hinweg.

Julie Mond als desertierte Soldatin auf der Flucht, die als einzige Kampferfahrung in die Truppe bringt, liefert als militärisch denkender Ruhepol eine tolle Performance ab.
Die Überlebenden richten sich hilfesuchend an sie und sie findet sich in der Rolle des unfreiwilligen Helden schnell zu recht. Desmond Harrington als ständiger Verlierer, der sogar seine schwangere Freundin vor einigen Jahren im Stich gelassen hat funktioniert als einer der zentralen Charaktere ebenso sehr gut. Er wird zwar als Loser in die Geschichte eingeführt, er trifft aber im Laufe der Handlung keine einzige egoistische Entscheidung.

Lea Thompson als Mutter, die unbedingt überleben will um ihre Kinder wieder sehen zu können, es macht auch echt Spass ihr zuzusehen. Alice Greczyn ist als junge Dame, die zu einem Rollenspiel unterwegs war und praktischerweise dazu auch Pfeil und Bogen mitgebracht hat, eine perfekte Ergänzug der Gruppe. Sie wirkt sehr lieb und unschuldig, schafft es aber während der eskalierenden Grundsituation über sich hinauszuwachsen und zurückzuschlagen.

Dies sind nur einige der vorhandenen Charaktere, es gibt hier wirklich erstaunlich viele Menschen, die man gerne als Überlebende am Ende des Filmes sehen würde.
Dass dabei eine ausgefeilte Charakterentwicklung nicht nötig ist um die vorhandenen Menschen zu mögen, spricht für mich dabei eindeutig für den Film. Die Bösewichte sind hingegen zu 100 Prozent austauschbar, keiner spricht auch nur ein Wort, daher erfährt man über deren Motive nur sehr wenig und auf einen charismatischen Anführer wurde auch völlig verzichtet.

Die Effekte passen gut in die Grundstimmung des Films, der absichtlich wenig saubere Gesamtlook gefällt mir sehr gut. Dies ist einer dieser Filme die mir gefallen haben, obwohl (wegen dem geringen Budget) keine spektakuläre Actiosequenz zu bewundern ist, das Gesamtprodukt aber trotzdem zu überzeugen weiß. Auch Passagen die leicht lächerlich wirken hätten können funktionieren hier, wenn z.b. eine Mutter, die ihre Kinder wieder sehen will und beim Kampf um Leben und Tod eine Bikerin umbringt und dabei immer wieder entschuldigend „Es tut mir leid, ich habe Kinder. Ich darf nicht sterben!“ sagt, dann könnte dies auch leicht seltsam wirken doch nicht hier.

Wer also auf einen kleinen, schmutzigen Actiontrip Lust hat, bei dem man gut unterhalten wird und nie nachdenken muss, der ist hier genau richtig. Vom Sympathiewert her sind mir solche Produktionen auf jeden Fall lieber als irgendwelche seelenlose Big Budget Hollywoodprodutionen. Nur am Schnitt habe ich leicht störende Mängel festgestellt, einige Szenen wirken dadurch etwas gestellt bzw. weniger professionell.

Am Ende noch ein kleines Zitat über mögliche Schwierigkeiten bei der Selbstverteidigung.
Annabel: „No Sam, that´s a really bad idea. I can´t shoot an arrow into a person. I´m vegan!“

Exit Speed bekommt von mir 7,5/10 kernig actionreiche Empfehlungspunkte.


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