Breathing Room – No Exit (Filmkritik)

Tonya erwacht nackt, nur mit einem seltsamen Halsband bekleidet, in einem Raum, eng, dunkel, nur blitzendes Licht. Als sie es nach qualvollen Sekunden schafft, endlich herauszukommen, kippt sie in einen großen, hell erleuchteten, weißen Raum. Dort warten bereits dreizehn andere Menschen auf sie und heißen sie erschrocken willkommen. Denn niemand der Anwesenden ist freiwillig, wo er/sie ist, sondern alle sind am Abend zuvor zu Bett gegangen und hier wieder aufgewacht. Plötzlich ertönt von einer Videoleinwand aus eine Stimme, die alle willkommen heißt und nun, da Tony da ist, die Nummer Vierzehn, können die Spiele bald beginnen.

Rasch wird klar, dass es ein Spiel auf Leben und Tod ist, denn alle paar Minuten geht das Licht aus und eine der Anwesenden stirbt. Jeder der „Teilnehmer“ hat einen Hinweis bekommen und ein kleines „Geschenk“, so ist Tonya zum Beispiel im Besitz eines halben Schlüssels mit den Worten: „Du bist der Schlüssel“. Kurz darauf sterben die ersten Leute im Raum und eine Frage nach dem Vertrauen beginnt, denn eines ist klar: Der Killer ist unter ihnen.

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Klingt nach einem dreisten Rip-Off von „Saw“ oder „Cube“. Damit seid ihr schon mal auf der richtigen Fährte, denn die Ausgangssituation ist in etwa die gleiche. Im Unterschied zu „Cube“ bleibt die Handlung allerdings die gesamte Zeit über auf diesen einen Raum beschränkt (ausgenommen vom Bad/WC und einem anderen Raum gegen Ende des Films) und schafft es dennoch, sich eine gewisse Selbständigkeit zu bewahren.

Die beiden Regisseure Gabriel Cowan und John Suits, die den Film auch geschrieben haben, setzen bei „Breathing Room“ oder wie er bei uns heißt „No Exit“ alles ein, was ihnen so eingefallen ist – so gibt es in der Gruppe auch drei Personen, die entweder einen Mord begangen haben, pädophil sind oder jemanden vergewaltigt haben. Die Macher schaffen es allerdings wirklich gut, von der Fährte (von einer Ausnahme abgesehen) abzulenken und eine gewisse Zeitlang weiß man wirklich nicht genau, wer jetzt nur wer sein soll und von wem die größte Gefahr ausgeht.

Wirklich eigenwillig ist die Kamerainszenierung, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Denn zum einen ist die Kamera – was ich persönlich sehr, sehr gut finde – immer nah am Geschehen dran, oftmals wirklich mit Großaufnahmen und da die Darsteller alle sehr gut sind, macht es auch Spaß, so genau zu sehen, was in deren Mimik passiert.

Zum anderen gibt es die Szenen, bei denen es im Film „dunkel“ ist. Und mit Dunkel meine ich, dass die Leute nichts sehen. So richtig dunkel also. Da haben sich die beiden Regisseure dazu entschieden die Blindheit der Teilnehmer so zu zeigen, dass das Bild völlig Rot gefärbt ist, was bedeutet, dass man als Zuseher alles sieht. Gottseidank waren sie intelligent genug, auch hier auf schnelle Schnitte zu setzen und primär mit Detailaufnahmen die Spannung zu steigern, damit die Zuseher die Sache nicht allzu rasch durchschauen.

Die Darsteller sind alle mit großem Ernst bei der Sache und vor allem die Kombination Ailsa Marshall (Tonya bzw. 14), Michael McLafferty (Lee), David Higlen (Harry, Nr 5) und Brad Culver (Nummer 6) ist großartig. Spannend fand ich auch, dass durch die Vergabe von Nummern gleich von Anfang an die Sympathie des Zusehers subtil beeinflusst wird. So ist Lee der einzige, der im Film keine Nummer nennt, sondern immer seinen Namen und dadurch gewinnt er sofort an Sympathie. Dazu gibt es auch das Gegenstück Nummer 6, der sich weigert seinen Namen zu verraten, was als Zuseher gleich mal skeptisch macht. Wirklich grandios spielt David Higlen den sehr nervösen und immerzu plappernden Harry. Dieses Vierer-Gespann ist es auch, was den Film handlungsdynamisch, sowie schauspielerisch trägt.

Ich hatte bereits bald meine Vermutung, wie der Film ausgehen würde und wurde auch bestätigt, das hat jedoch meinen Genuss des Films, der durch die Bank spannend war, nie beeinträchtigt. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, finden viele Seher das Ende des Films als versaut. Das kann ich so nicht nachempfinden. Auch haben viele behauptet, dass zu wenig erklärt wird. Auch hier kann ich von meiner Warte aus Entwarnung geben. Wer auf die Details achtet kann Zwei und Zwei zusammenzählen und alles ist klar.

Wer wissen möchte, wie ich das Ende sehe, darf weiter unten unter „Spoiler-Warnung“ weiterlesen.

Mein einziger Kritikpunkt an dem Film ist die Tatsache, dass die Bildqualität verwaschen und unscharf ist (das Bild oben ist die Qualität der Blu-Ray), genauso wie der Einsatz von extremen Farben – irgendwie war ich zeitweilig an die Lens-Flares vom Star Trek-Reboot erinnert.

„No Exit“ aka „Breathing Room“ bekommt von mir 8,5 von 10 in einer Halle mit Fremden festsitzende Punkte.

SPOILER WARNUNG SPOILER WARNUNG SPOILER WARNUNG

Durch diverse Details (die Akten, die Frage nach „Haben wir alles“, mache Monitorbilder) bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Leute in die Räume gesperrt werden, weil andere Menschen sie für etwas bestrafen wollen. Der einzige Grund dafür, dass sie also eingesperrt sind, ist jener, dass die „Entführer“ Geld dafür bekommen. Dafür filmen sie alles mit, schneiden einen Film daraus und schicken diese an ihre Auftraggeber („Did you get what we need?“). Die Rolle von Tonya ist dazu gedacht, sicherzustellen, dass auch wirklich niemand überlebt und einen Beschützerinstinkt beim Alphamännchen der Gruppe auszulösen. Was ja gut funktioniert hat. Die „Hints“ und die Möglichkeit des Überlebens sind nur Finten, damit die Auftraggeber eine möglichst gute Show bekommen.


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