Sinister 2 (Filmkritik)

Deputy So&so (James Ransone) ist mittlerweile Ex-Deputy. Das hat unter anderem mit den Vorkomnissen aus dem Vorteil zu tun. Seine neue Lebensaufgabe besteht darin, Häuser, in denen Mordfälle in ähnlicher Weise begangen wurden zu finden und niederzubrennen. Dummerweise hat sich im aktuellen Haus Courtney Collins (Shannyn Sossamon) mit ihren beiden Jungs vor ihrem gewalttätigen Ex versteckt. Da kann er schlecht die Hütte niederbrennen.

Während er also überlegt, wie er die Sache angehen soll, werden die Kinder von Albträumen geplagt. Außerdem sehen sie Geistererscheinungen anderer Kinder, die ihnen alte Filmrollen zeigen, auf denen grausame Morde zu sehen sind. Angestiftet von diesen Filmen und den Geistern entwicklen beide langsam aber sicher in sehr aggressive Verhaltensmuster. Während Mama also versucht ihren Aufenthaltsort vor dem Ex geheim zu halten und So&So überlegt, wie er die Sache angehen sollen, läuft ihnen, ohne dass sie es ahnen, die Zeit davon …

Der zweite Teil von „Sinister“ verlässt sich zu großen Teilen auf die gleichen Zutaten wie der erste, bekommt die Mischung aber weit nicht so gut hin. Während die Story-Ideen an sich gut sind, verheddert sich der gesamte Film spätestens im letzten Drittel vor allem an seiner offensichtlichen Liebe zu „Kinder des Zorns“ von Stephen King. Na gut, das mag ja eine nette Hommage sein, aber es ist weder neu noch sonderlich überraschend, zumal die Albträume der Kids schon recht klar zeigen, wohin es gehen wird. Der kleine „Twist“ nach zwei Drittel ist nicht mal ein Twist, sondern maximal ein „Hätte mich überrascht, wäre es anders gewesen“.

Trotzdem ist der Film nicht ohne und das liegt zu einem großen Teil erneut an den „Filmen im Film“, welche sich die Kinder ansehen, die sehr, sehr drastische Morde zeigen. Dieses Mal sogar eine ganze Ecke härter als im ersten Teil. Und der war schon halbwegs hart. Vor allem ein spezieller Film – ich sag nur „Ratten“ – ist ganz, ganz übel. Dass dabei auf Logik vollkommen verzichtet wird, mag vielleicht nicht grob stören, ich musste mich aber immer wieder fragen, wie es möglich sein kann, dass Kinder (und das ist jetzt kein Spoiler) so viele Leute scheinbar k.o. schlagen, auf Bäume ziehen, fesseln, an andere Orte bringen und dann noch nach Mustern anordnen können, wo sie eigentlich nicht mal eine Person davon heben könnten. Realismus (im Rahmen eines Horrorfilms halt): Ade.

Wirklich super ist James Ransone als Deputy So&So (ich finde es toll, dass er namenlos bleibt), denn der Kerl ist wirklich sympathisch. Es gibt eine Szene, als er sich mehreren Polizeiautos gegenüber sieht und den Beamten ziemlich klar macht, was Sache ist. Das ist in meinen Augen die mit Abstand beste Szene des Films. Das sieht man gern und als dem Beamten dann sein Grinsen vergeht, als er merkt, dass er nicht weiterkommt und zu seinem Kumpel flüstert „Er hat unseren Bluff einfach auffliegen lassen“, da kann man nur freudig (und ein wenig hämisch) grinsen. Als die Polizei dann weg ist und So&Sos Anspannung nachlässt bricht er fast zusammen, weil er selbst nicht glauben kann, was er grad gemacht hat – super. Das lässt ihn wirklich extrem sympathisch werden.

Auch Shannyn Sossamon als Courtney macht ihre Sache wirklich gut und man glaubt ihr die besorgte Mutter absolut. Man versteht auch absolut, weshalb sie vor ihrem Ex flieht. Vor allem eine Szene als die Familie mit dem Vater beim Mittagstisch sitzt und gemeinsam Abendessen soll ist gruseliger und schlimmer als alle anderen im Film. Primär deshalb, weil es einfach so echt ist. Häusliche Gewalt ist immer grauenhaft und hier ist die Anspannung während dem Abendessen fast unerträglich.

Alles in allem ist der Film sehenswert, aber nichts für zartbesaitete Gemüter. In erster Linie allerdings (wieder) aufgrund der gefundenen Filme. Die Soundcollagen aus Teil 1 sind im zweiten Teil interessanterweise nicht mehr so nervenaufreibend, was schade ist, da diese wirklich perfekt eingesetzt waren. Die Drehbuchautoren blieben gleich, was man an der logischen Weiterführung der Geschichte merkt und der erste Teil mit viel Respekt behandelt wird, aber halt leider dann irgendwann zu einer fast lustigen Kopie des vorher erwähnten King-Films mutiert.

Die Regie gibt sich wenig Blöße, kann aber über die Handlungslücken nicht hinwegtäuschen und bleibt somit hinter den Erwartungen zurück. Außerdem wird versucht dem „Bösen“ mehr Hintergrund zu geben, aber leider fällt einem nicht mehr ein als „Es ist ein uraltes Böses, welches sich davon ernährt Unschuldige zu korrumpieren“. Yeah. Ganz neu. War unnötig. Manches Böse braucht keinen Ursprung. Es reicht, dass es da ist, um angsteinflössend zu sein. Im Gegenteil sogar: Manches Böse ist noch viel angsteinflössender, wenn man nicht weiß woher es kommt.

„Sinister 2“ bekommt 6 von 10 möglichen, einmal ansehbare, Punkte.


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