A Nightmare on Elm Street (Filmkritik)

Dean (Kellan Lutz) plagen seit einiger Zeit schreckliche Alpträume, darum hat er einige Tage schon kaum ein Auge zugemacht. Als er völlig fertig seine Freundin Chris (Katie Cassidy) in einem Lokal trifft, begeht er vor ihren Augen, in einem tranceähnlichen Zustand Selbstmord. Als kurz darauf jedoch auch Chris und ihre Freunde Nancy (Rooeny Mara), Kyle und Jesse von düsteren Visionen gequält werden, beginnen die Jugendlichen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

In ihren Träumen sehen sie ständig einen Kerl namens Freddy Krueger (Jackie Earle Haley), der sie mit seinen Sprüchen und seiner Scherenhand bedroht. Niemand scheint diesen Krueger zu kennen und so verläuft die Suche nach seiner Herkunft vorläufig erfolglos. Nachdem sich die Sterbefälle im schlafenden Zustand häufen und die lebendigen Kids in der Gegend immer weniger werden, findet Nancy eine Verbindung zu ihrer gemeinsamen Vergangenheit heraus, die ihre Eltern bis jetzt anscheinend geheimhalten wollten. Kann das Geheimnis um Freddy gelüftet werden und ist so die Rettung von Nancy und ihren Freunden überhaupt möglich?

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1984 erschuf Regisseur Wes Craven mit „A Nightmare on Elm Street“ und seinem Bösewicht Freddy Krueger einen Kultfilm und eine der beliebtesten und bekanntesten Figuren aus dem gesamten Horrorfilmgenre. Für Freddy Darsteller Robert Englund begann damit eine erfolgreiche Karriere in zahlreichen Horrorfilmen. Nach sieben Filmen und einer TV-Serie, bei der Freddy als Moderator fungierte, und einem Auftritt im Zweikampf der Killerschurken „Freddy vs. Jason“ aus dem Jahr 2003, wurde es ruhig und Teenager auf der ganzen Welt konnten wieder ruhig schlafen.

2010 wagte sich nun Actiontitan und Egomane Michael Bay an das Remake des Klassikers aus den 80er Jahren. Seine Firma Platinum Dunes hat ja bereits einiges an Übung mit Neuinterpretationen alt bekannter Horrorfilme. Bay war als Produzent unter anderem bereits für die Neufassungen von „The Texas Chainsaw Massacre“ mit Jessica Biel, „The Amityville Horror“ mit Ryan Reynolds, „The Hitcher“ mit Sean Bean und „Friday the 13th“ mit Jared Padalecki verantwortlich. Regie bei diesem Remake führte Videoclip Regisseur Samuel Bayer, der seine 15 jährige Erfahrung im Musikvideogenre nutzen konnte, um hier seinen ersten Spielfilm zu drehen.

Bei den meisten Kritikern und den Hardcorefans des Originals kam die 2010 Version von Freddys Eskapaden nicht gerade gut an. Der Film wurde gänzlich verrissen, als langweilig und lieblos bezeichnet, voll gestopft mit schlecht spielenden Darstellern. Nun, da dies ja glücklicherweise das Internet ist und hier jeder den Blödsinn den er sich denkt aufschreiben und für die ganze Welt zugänglich machen kann, werde ich nun meine erfrischend anders ausfallende Kritik vorbringen. Ich fand den Film nämlich richtig gut. Mit einem Liebhaber des Originals würde ich aber natürlich niemals streiten, da an die Glorifizierung des ursprünglichen Mythos bzw. der Figur Mister Kruegers natürlich nichts jemals auch nur ansatzweise herankommen könnte.

Warum hat mir dieses Remake nun so gut gefallen (es kann ja nicht nur daran liegen, dass ich doch schon einige wirklich miese Horrorfilme in meinem Leben gesehen habe und so eine ganz andere Vergleichsbasis habe). Ich fang mal an mit der Figur von Freddy. Im Original spielte er mit seiner „Beute“, ließ sie immer wieder zappeln und ging ihnen mit seinen lockeren, unterschwellig bedrohlichen Sprüchen auf die Nerven. Im Laufe der sieben Filme wurde er so immer mehr zur Comicfigur, die keine Angst mehr verbreitete, die aber trotzdem oder gerade deswegen bei jedem Mord an unsympathischen Teenagern angefeuert wurde.

In Zeiten von „The Dark Knight„, wo alles immer noch düsterer sein soll und real spürbaren Schrecken verbreiten muss, konnte man natürlich nicht in diese Richtung gehen. Der neue Freddy redet weniger gerne, spielt sich nur kurz und erledigt dann seine tödliche Arbeit schnell und effizient. Dies macht ihm zwar offensichtlich Spaß, doch eine echte Befriedigung scheint er dabei nicht zu empfinden. Außerdem bleibt er immer ein ekliger kleiner Bastard, den man zwar in seinem Auftreten irgendwie cool findet, den man jedoch nie als Helden sieht. Immerhin ist der Kerl ja ein Kinderschänder, der sich für den Verrat der von ihm misshandelten Kinder rächen will.

Jackie Earle Haley, der mir zum ersten Mal 2009 als Rorschach in der Graphic Novel Verfilmung „Watchmen“ positiv aufgefallen ist, macht auch hier seine Sache ziemlich gut. Seine Originalstimme klingt durch und durch unheimlich und bedrohlich. Sein Gesicht sieht wirklich realistisch aus im Sinne von „echt verbrannt“, seine Augen strahlen dabei ständig eine schwarze, hungrige Leere aus. Vor allem seine locker lässige Körperhaltung und das schnelle Bewegen der Scherenfinger bei der Menschenjagd, haben mir besonders gefallen.

Viel abhängig war für mich auch von der Wahl der Schauspielerin, die die Rolle der Heldin bzw. Antiheldin Nancy übernehmen würde. Rooney Mara (Verblendung) war hier glücklicherweise die perfekte Wahl. Schon nach wenigen Augenblicken nach ihrem ersten Auftritt, stellt sich beim (männlichen) Zuschauer ein „Instant-Beschützerinstinkt“- Gefühl ein. Mara spielt zerbrechlich und schüchtern, wächst jedoch im Verlauf des Filmes mehr als glaubwürdig über sich hinaus. Ihre Art Teile Satzteile zu verschlucken bzw. leiser zu werden, passte sehr gut zur Rolle und in Verbindung mit ihren traurigen aber nicht hoffnungslosen Augen hatte sie mich sofort auf ihrer Seite. Daß sie in diesem Film stirbt, das wollte ich wirklich nicht sehen. Die restlichen Darsteller gehen dabei etwas unter, wobei ich Kyle Gallner wie schon bei „Haus der Dämonen“ echt gut fand.

Die Musik kommt unaufdringlich und trotzdem bei den richtigen Szenen an den Nerven zerrend daher, die Effekte waren in zwei Sequenzen zwar klar als CGI zu erkennen, doch fand ich dies in der surrealen Traumwelt viel weniger störend, als bei anderen Filmen. Neue Ideen wie die Vermischung von Wach-und Traumzustand nach mehreren Tagen ohne Schlaf sind gut und sie steigerten sowohl die Spannung als auch die vorhandenen Möglichkeiten. Die blutigen aber nie voyeuristisch wirkenden Morde beschränken sich auf eine Hand voll Kids, dadurch kommt es nie zu einem unübersichtlichen Overkill. Heikle Szenen wie Fotos von Freddys Kindesmissbrauch wurden sehr subtil in Szene gesetzt und wirken auch ohne plakative Bilder abschreckend genug. Außerdem rennen hier nie Mädels mit wenig Gewand und dafür großer Oberweite durch die Gegend, um Zuseher anzulocken.

Insgesamt für mich also ein echt gelungener, moderner Horrorfilm. Gute Effekte, sehr passende Darsteller, eine gediegene Optik und eine straffe Erzählweise sorgen einenhalb Stunden für gute Unterhaltung und wohligen Grusel. Wär hier natürlich nach Logiklöchern sucht, dem wünsche ich viel Spass, so schnell wird man nämlich sicherlich nicht fertig mit der Suche, wobei die Träume gerade bei diesem Film eine nahezu unendliche Anzahl an Ausreden liefern. Wer hat hier was geträumt, wer befindet sich in wessen Traum, sehen das zwei Charaktere oder nur einer davon? Egal. Der Spass wird durch solche Fragen natürlich in keiner Weise gebremst. Einzig die Endszene und der damit verbundene obligatorische Schlussgag wären echt nicht nötig gewesen.

A Nightmare on Elm Street bekommt von mir 8/10 verträumte Empfehlungspunkte.


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