Ronald (Paul Rudd) hat kein Glück mehr. Seitdem er seine Rolle in „SWAT“ verloren hat, bekommt er nur noch Mini-Jobs und von seinem letzten wurde er sogar gefeuert. Als er seinem besten Freund Doug (Jack Black) zum Geburtstag ein altes Video schenkt, in welchem sie gemeinsam einen Action-Film gedreht haben, steht sein Entschluss fest: Er dreht ein Reboot zu ihrem Lieblingsfilm: Anaconda. Dazu braucht er ein Team und ein Drehbuch.
Nach kurzem Überlegen steigt Doug ein und ihre alten Kumpane sind auch wieder mit dabei – nicht lange danach findet man sich im Dschungel wieder, bereit, diesen Film zu drehen. Aber korrupte Goldgräber und eine wirklich, wirklich große Schlange machen der Sache einen Strich durch die Rechnung und bald wird nicht nur im Film ums Überleben gekämpft, sondern auch in der echten Welt …

Ob es wirklich notwendig war, eine Art Reboot von „Anaconda“ zu machen, muss jede:r für sich beurteilen – denn immerhin ist der Trashstreifen aus dem Jahr 1997 ein Kultfilm mit Ice Cube und Jennifer Lopez. Immerhin – so kann man vielleicht argumentieren – ist es kein richtiges Reboot, sondern eine Art „Legacy-Sequel“ oder wie immer man das mittlerweile nennt. Soll heißen: Ja, es tauchen zwei Schauspiele:innen aus dem 1997iger Film auf.
Vom Schauspiel her gibt es nicht groß was auszusetzten – Black („Kung Fu Panda„) und Rudd („Ghostbusters: Afterlife„) machen, was halt Black und Rudd machen, nur dieses Mal halt zusammen und die Chemie zwischen den beiden passt. Man glaubt ihnen die tiefe Freundschaft und auch Black ist wieder aus seinem „Minecraft“-Mode zu etwas ein wenig geerdeterer Schauspielerei zurückgekehrt. Thandie Newton habe ich schon ewig nicht mehr in einem Film gesehen – zumindest kann ich mich nur an sie erinnernals besten Teil von „Mission: Impossible II„. Passt auch. Steve Zahn kämpft sich mit super Mimik durch einen so-lala-Figur, die manchmal großartig ist und manchmal einfach für billige Witze herhalten muss. Selton Mello als Schlangenfänger Santiago reißt jede einzelne Szene in welcher er ist an sich – die Figur und wie sie gespielt ist: Großartig. Daniela Melchior aus Gunns „The Suicide Squad“ (und die tollste Figur darin) … war dabei. Die Rolle ist okay, aber die hätte man auch aus dem Film streichen können und man hätte nichts verpasst.
Ansonsten – nun, Tom Gormican nimmt sich Zeit, um seine Figuren zu etablieren und scheinbar hatte er auch vor die Filmindustrie mit ihren Remakes und Sequels und Reboots auf die Schippe zu nehmen, aber das gelingt nur bedingt. Es gibt ein paar gute Witze bezüglich der Entstehung eines Films und wenn man selbst schon Mal ein Filmbudget berechnen musste, dann fühlt man jeden einzelnen Moment davon und ja – sie stimmen alle. Ansonsten funktionieren ein paar der Witze gut, ein paar andere dafür in meinen Augen überhaupt nicht – vor allem eine Szene in der es um das „Anpinkeln“ einer Wunde geht – die war einfach zu lange und hatte dann keinerlei Konsequenz. Noch dazu war sie seltsam platziert und hätte man die aus dem Film genommen, dann wäre er dadurch besser geworden und niemand hätte gemerkt, dass sie überhaupt fehlt. Also ja, so eine Szene ist es – die nur aus dem Grund drin ist einen billigen Witz möglichst lange auszuschlachten.
Die Effekte sind in Ordnung. Der Subplot um die Goldgräber ist völlig unnötig und wenn es im dritten Akt dann zur Sache geht, dann ist alles viel zu sehr auf Hochglanz poliert, um irgendwie auch nur eine Sekunde Angst um die Figuren zu haben, aber das war ja wohl auch von Anfang an klar. Charakterentwicklung gibt es im Grunde keine, wozu auch? Ich erwähne das nur, weil es im Film mehrere Dialoge gibt, in welchen Filmregeln diskutiert werden und die Meinung, jeder Film müsse ein „Thema“ haben, wird als Fakt präsentiert. Für’s Protokoll: Mir ist nicht klar, welches das hier sein soll. Aber vielleicht ist das ja der Witz daran.
Die Schlange kommt zu kurz vor und wirklich bedrohlich ist sie nie – die Figuren sind gut beschützt durch die Plot-Armour und sterben tun nur andere. Auch das irgendwie zu erwarten.
Wenn das jetzt alles zu banal oder zu lustlos klingt: Der Film hat seine Momente. Wirklich witzige Szenen, die auch funktionieren – am besten eben die Kombination Black/Rudd – und eine oder zwei der Action-Sequenzen fühlen sich gut an (auch wenn hier die Plot-Armour fast schon aufsteht und dem Publikum winkt), aber es ist kein Film, der auch nur irgendwie in Erinnerung bleiben wird. Dazu ist er zu beliebig und austauschbar – und es steckt in Summe auch keine einzige wirklich großartige Idee drin. Ein Einmal-Nebenbei-an-einem-Regentag-ansehen-Film. Ich würde ihn sogar von der Atmosphäre her mehr als TV-Film als Kinofilm bezeichnen.
Ein wenig schade ist das in Summe schon, denn immerhin hat Tom Gormican mit „The Unbearable Weight Of Massive Talent“ mit Nicoles Cage und Pedro Pascal ja richtig abgeliefert. Das tut „Anaconda“ nicht. Aber so richtig rocken tut er auch nicht.
„Anaconda 2025“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, als nettes Gimmick einmal funktionierende, aber sicher nicht im Gedächtnis bleibende, Punkte.



