Sieben Freunde mieten eine Villa, um einen Geburtstag zu feiern. Als ihnen der Alkohol ausgeht, begeben sie sich in dem alten Gebäude auf die Suche nach verstecktem Nachschub. Dabei finden sie in einem verschlossenen Raum eine Box mit Tarot Karten. Da Haley (Harriet Slater) und Grant (Adain Bradley) sich gerade getrennt haben, kommt diese Ablenkung genau richtig.
Die in diesem Metier bewanderte Haley, ließt daraufhin ihren sechs Freunden und schließlich sich selbst die Horoskope mit Hilfe der Karten, was zu gemischten Reaktionen führt. Als am nächsten Tag eine von ihnen bei einem „Unfall“ stirbt, erkennt die Gruppe noch keinen Zusammenhang mit dem Kartenlesen, doch dann gibt es ein weiteres Opfer, scheinbar ohne Fremdverschulden…

Witchboards sind gefährlich, das weiß man spätestens seit den Ouija-Filmen. Dass diese Idee noch keinen guten Film ergibt, weiß man seither auch (die Fortsetzung hat es dafür wieder hingebogen). Die neueste Idee von Hollywood – und ich weiß nicht genau, warum man für diese „Story“, drei Drehbuchschreiber gebraucht hat, immerhin ist dies gleichzeitig eine lose Verfilmung des Romanes „Horrorscope“ aus dem Jahr 1992 von Autor Nicholas Adams – ist die Gefahr, die von verfluchten Tarot Karten ausgehen kann.
Spenser Cohen (Moonfall) und Anna Halberg (Classified) haben hier dann nicht nur das Drehbuch mitgeschrieben, sondern gleich auch die gemeinsame Regie übernommen. Es handelt sich hierbei um einen Horror-Film der Marke PG13, also mit möglichst wenig Gewalt, damit ja viele kreischende Teenager ins Kino gehen dürfen. Das kann durchaus funktionieren (immerhin lebt nun wirklich nicht jedes Horror-Subgenre von Gewalt), wie etwa bei Countdown, aber es kann auch schiefgehen wie zuletzt bei Imaginary.
Tarot wirkt in Summe wie ein Projekt von Filmemachern, die „so etwas“ auch einmal machen wollten, ich meine damit in die Richtung „Fuß fassen im Horror-Genre“. Also genau ein generisches Abenteuer mit den blutigen Szenen außerhalb des Blickwinkels der Kamera inszenieren, bei dem zeitweise nervige Teenager, der fehlenden Spannung hinterherlaufen. Warum ich dieses Abenteuer dann doch unterhaltsam genug finde, liegt an zwei Dingen.
Erstens mal das Design, vor allem was die Kreaturen betrifft. Also eigentlich alles, was mit den Karten selbst zu tun hat. Sowohl die Bilder auf dem Tarot-Deck, als auch die lebendig gewordenen Wesen samt den dazugehörigen Fantasie-Szenarien, da hat das Kostüm- und Effekt-Department, ganze Arbeit geleistet. In diesen Momenten ist die Atmosphäre auch dichter und es kommt hundert mal mehr Spannung auf, als in den realen Momenten.
Zweitens ist die mir bisher unbekannte Harriet Slater (Pennyworth) als Hauptcharakter Haley richtig gut darin, ihre Emotionen auf den Zuschauer zu übertragen. Die meisten hier sind ja wie so oft reines und austauschbares Kanonenfutter, doch sie spielt alle Facetten – von trotzig, traurig bis hin zu emphatisch und zielstrebig – so, dass ich immer auf ihrer Seite war. Gaming-Freunde können sich hier übrigens vom Talent von Humberly González (Charakter-Model und Sprecherin der Hauptfigur im kommenden Star Wars Outlaws Spiel) überzeugen, die in ihrer Nebenrolle, durchaus ein paar Sympathiepunkte sammelt.
Der restliche, sehr moderne, weil extrem diverse (einige Hautfarben kommen da zusammen) Cast inklusive lesbischen Pärchen ist solide, niemand ist peinlich und Olwen Fouéré (Texas Chainsaw Massacre) als wissende Überlebende, bringt Tiefe und Weisheit in ihre wenigen Szenen mit. Die größte Kunst hat der Film für mich dann aber dadurch geschaffen, dass ich die guten Teile viel anziehender finde, als die schlechten, denn sonst würde er bei mir noch viel schlechter abschneiden.
Somit finde ich ist Tarot in Summe irgendwo mittendrin, was PG13 Filme betrifft, es gibt für mich eben eindeutig bessere, aber auch schlechtere Beiträge, vor allem was die Effekte und das Schauspiel anbelangt. Ich glaube irgendwie, die Atmosphäre am Set war eine nette/familiäre und das spürt man auch auf der Leinwand. Wirklich gruseln wird man sich nur als Neuling in diesem Genre, doch für Zwischendurch, wenn man gerade wenig Anspruch hat, kann man sich hier schon die Karten legen lassen.
„Tarot“ bekommt von mir 5,5/10 von fremden Decks in Zukunft die Hände lassende Empfehlungspunkte.

