Sleepless: Eine tödliche Nacht (Filmkritik)

Polizist Vincent (Jamie Foxx) und sein Partner sind zwei Cops, die sich regelmäßig gerne etwas dazu verdienen, indem sie zum Beispiel Dealern ihre Drogen stehlen. Aktuell haben sie deshalb ein Problem, denn sie haben unabsichtlich Gangsterboss Stanley Rubino (Dermot Mulroney) beklaut und der will seine Ware natürlich wieder haben.

Deshalb lässt er den Sohn von Vincent entführen, um diesen zur Kooperation zu „überreden“. Vincent hat somit bereits genug Probleme doch zu allem Überfluss ist ihm auch noch seine Kollegin Jennifer Bryant (Michelle Monaghan) auf den Fersen, die für die Internal Affairs arbeitet und korrupte Polizisten, überhaupt nicht ausstehen kann.

Wieder mal eine amerikanische Version eines Hits aus dem Ausland, weil die in den USA, ja keine Fremdsprachen verstehen bzw. nur ihre „eigenen“ Schauspieler sehen möchten. In diesem Fall handelt es sich um das Remake des französischen Filmes „Nuit Blanche“ auch bekannt als „Sleepless Night“ aus dem Jahr 2011. Regie führte der Schweizer Baran bo Odar (Who Am I) und sein Werk hat im Vergleich zum Original eher negative Reviews erhalten und ist auch finanziell nicht so richtig erfolgreich gewesen.

Sleepless fühlt sich wie der Titel schon sagt so an, wie eine durchzechte Nacht ohne Schlaf. Man erlebt tolle Momente, lässt sich mitreissen, hat Spass an dem Erlebnis, kommt dann aber spätestens gegen Ende zur Feststellung, dass dieser oberflächliche Trip, ausschließlich auf bereits bekannte Motive zurück gegriffen hat und zusätzlich noch keinerlei Substanz bietet. Soll heißen: ich wurde ganz passabel unterhalten, habe dabei aber nichts Neues erlebt und wüsste nicht, wie ich dieses Erlebnis verteidigen sollte, würde jemand gegen mich argumentieren.

Im Prinzip spielt die Handlung die meiste Zeit nur in einem Gebäude und dreht sich darum, dass die Hauptfigur ein Katz und Maus Spiel mit ihren Verfolgern spielt. Dabei kommt es immer wieder zu Konfrontationen, entweder in verbaler Form, es wird gekämpft, geschossen oder eine Mischung aus allen dreien. Das ist dann weit nicht so langweilig wie es sein könnte, dafür jedoch generisch und auch ohne Überraschungen, da man den Verräter als eben solche schon dann erkennt, bevor der Film diesen Twist preisgegeben hat.

Die größte Stärke ist sicherlich die harte, realistische Inszenierung und die daraus resultierende Atmosphäre. Da ist kein Platz für Humor und sämtliche Mitspieler auf allen Seiten meinen es ernst. Dennoch reicht es hier auch, Dinge wie ein abgeschnittenes Ohr nur anzudeuten bzw. die Reaktion darauf zu zeigen, was insgesamt viel stimmiger wirkt, als extreme Gewalteskapaden zu zeigen (keine Sorge, Blut gibt es dennoch genug zu bestaunen).Überzeugen können auch die Darsteller, weniger durch hohe Sympathiewerte als vielmehr dadurch, dass man ihnen 100 prozentig abkauft, wofür sie stehen.

Ich muss ja zugeben, dass ich persönlich nicht der größte Jamie Foxx (Django Unchained) Fan bin, als Vincent beweist er jedoch echte Action-Hero Qualitäten. Egal ob bei den Kämpfen oder diversen Schusswechseln, der Mann wirkt einfach souverän, selbst wenn er gerade am Verlieren ist. Das Highlight ist aber Michelle Monaghan (Kiss Kiss Bang Bang) als Jennifer, die sich nicht nur als Frau in einer Männerwelt durchsetzen muss, sondern zusätzlich noch auf Gegenwehr stößt, weil sie gegen die eigenen Leute ermittelt.

Wie sie diese gewisse Härte spielt, mit der sie sämtliche Anfeindungen gekonnt überspielt, das hat schon was und ist eine Performance, in der einiges Leben steckt. Scoot McNairy (Argo) schließlich ist genau die Art Bösewicht, die nicht durch physische Präsenz punktet, sondern mit seinen an der Oberfläche ruhigen Geschichten. Wenn er redet dann ist die Spannung förmlich spürbar, denn der Kerl ist eine tickende Zeitbombe und droht jederzeit zu explodieren, sollte etwas nicht nach Plan verlaufen.

Insgesamt daher ein kleiner Actionthriller, der gut aussieht und engagierte Schauspieler dabei hat, jedoch als Gesamtpaket extrem beliebig ist, da er keinerlei Merkmale besitzt, die ihn speziell machen oder die im Gedächtnis bleiben. Routinierte Dinge müssen ja nicht unbedingt schlecht sein, das ist auch sicher hier nicht der Fall, aber man kann als Zuschauer ruhig den Anspruch haben, hin und wieder auch etwas überrascht zu werden, was hier eben nicht passiert ist.

„Sleepless“ bekommt von mir 6/10 nach einer Nacht die Schlaflosigkeit wieder besiegende Empfehlungspunkte.

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