Old Men In New Cars – In China essen sie Hunde 2 (Filmkritik)

Harald (Kim Bodina) wird aus dem Gefängnis entlassen und erfährt, dass sein alter Mentor im Sterben liegt. Sein letzter Wunsch: Seinen Sohn Ludvig (Torkel Petersson) wiedersehen. Nur ist dieser im Gefängnis, weil er ein Frauenmörder ist. Harald, tiefentspannt wie immer, heckt also mit seinen beiden Köchen (er betreibt offiziell ein Restaurant) einen Plan aus, wie er diesen aus dem Gefängnis holen kann.

Auf ihrem Weg treffen sie die suizidgefährdete Mille (Iben Hjejle) und die schließt sich ihnen an. Wider Erwarten beginnt Ludvig echte Gefühle für sie zu hegen …

„Old Men In New Cars“ wird oftmals als Prequel bzw. als Vorgeschichte zu „In China essen sie Hunde“ gehandelt, aber das stimmt nur bedingt, denn tatsächlich ist es so, dass der Film großteils die gleichen Figuren hat, aber mit der Handlung des Vorgängers hat dieser Film hier nicht wirklich was zu tun. Es ist einfach so, dass die Geschichte zeitlich vor dem anderen Film passiert. Und natürlich hat man mehr Spaß, wenn man den ersten Film kennt, aber Vorwissen per se ist nicht notwendig.

Dafür bleibt eine Sache klar beim alten: Der absolut abgedrehte, tiefschwarze, so manche Grenze überschreitende Humor. Und das ist gut so, denn auch hier kommt die Crew in absolut absurde Situationen und reagiert teilweise ebenso absurd darauf. Auch hier ist der Fokus wieder auf Harald gerichtet, Arvid kommt nicht vor. Dafür ist mit Ludvig ein Psychopath dabei, der als Charakter an sich schon grenzwertig ist, hier aber irgendwie auch … menschlich rüberkommt? Darf man das? Wenn es nach Lasse Spang Olsen (Regie) und Anders Thomas Jensen (Drehbuch) geht, dann klarerweise: Ja.

Tatsächlich ist die Kombination des Frauenmörders Ludvig mit der schwer suizidalen Mille eine großartige Idee, auch wenn sie meiner Meinung nach nur in einem absolut makabaren Film wie diesen hier funktionieren kann. Auch die absolut trockene Art und Weise wie die Dialoge stattfinden sind ein wieder ein Hammer und ein Hauptgrund warum auch dieser Film wieder so gut funktioniert. Und natürlich die schrägen Ideen, welche den Charakteren (teilweise) wie die natürlichsten Ideen der Welt vorkommen. Allein, wenn man den Plan hört, den Harald und seine Jungs aushecken, um Ludvig aus dem Gefängnis zu holen. Irre. Und köstlich anzusehen.

Dass Martin und Peter, Haralds Köche, ja eigentlich lieber bei einem Kochwettbewerbt mitmachen möchten, anstatt ihren Boss auf einer Rettungsaktion zu begleichen und die Dialoge diesbezüglich, sind ebenfalls erste Sahne.

Dennoch erreicht der Film nicht ganz den Irrsinn und die Klasse von „In China essen sie Hunde“, was allerdings in meinen Augen immer noch ausreicht, um einfach genial und absolut unterhaltsam zu sein. Man darf halt seinen Humor nicht unbedingt politisch korrekt mögen, denn sonst ist man hier absolut fehl am Platze. Trotzdem (oder gerade deswegen) schaffen es die Macher, ihre Figuren absolut menschlich (mit all ihren Fehlern und Vorzügen) darzustellen und auch hier merkt man wieder, wie sehr die Macher ihre Figuren mögen.

Ausgenommen Vuk vielleicht, denn der bekommt dieses Mal wirklich, wirklich oft ein paar zu viel auf die Schnauze.

Der Gewaltgrad wurde meines Erachstens ein wenig zurückgeschraubt, aber das tut der Sache und dem Inhalt keinen Abbruch. Gerade gegen Ende kamen mir doch ein wenig die Tränen und was ich an den Film dieser beiden Herren so großartig finde, sind die Momente, die zwar seltsam anmuten, aber doch zu 100% stimmig sind. Als gegen Ende Harald mit dem Schießen aufhört und alle anderen bemerken, warum – da wird er zum Beispiel nicht hinterrücks erschossen oder so in die Richtung, sondern alle anderen stellen auch das Feuer ein. Anstand und Respekt und Wertschätzung. Selbst bei so schlimmen Menschcen wie hier. Absurd? Natürlich, aber hey – absolut passend und ganz ehrlich: Wenn ich mir kriminelle Menschen wünschen würde, dann solche.

„Old Men In New Cars“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, immer noch abstrus und durchgeknallt seiende, Punkte.


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