Kate (Filmkritik)

Eine perfekte Auftragskillerin zu sein, ein anderes Leben kennt Kate (Mary Elizabeth Winstead) nicht. Doch in letzter Zeit denkt sie immer mehr an ihren Ruhestand aka ein „normales“ Leben. Ihrem Mentor und einziger Bezugsperson Varrick (Woody Harrelson) verspricht sie jedoch, noch den letzten Auftrag zu erfüllen der eine Mission beendet, die über mehrere Jahre an gedauert hat.

Genau als sie jedoch den finalen Schuss abgeben will merkt sie, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Sie wurde vergiftet und hat nur mehr circa 24 Stunden zu leben. Gepusht durch Medikamente begibt sich Kate daraufhin auf eine blutige Reise, um die Verantwortlichen für ihren baldigen Tod ausfindig zu machen. Dabei wird Ani (Miku Patricia Martineau), die Tochter eines ihrer Opfer, zu einer Schlüsselfigur.

Nach seinem Debüt The Huntsman & the Ice Queen aus dem Jahr 2016, wurde es ruhig um Regisseur Cedric Nicolas-Troyan. Ich fand zwar den Film weit nicht so schlecht wie mein Blog-Kollege, doch es handelte sich dabei sicherlich eher um eine Auftragsarbeit. Mitte September 2021 meldet sich Troyan nun mit einem Action-Thriller auf Netflix zurück und dabei handelt es sich spürbar (und laut Interviews) offensichtlich im Gegensatz zu seinem Erstling, um ein Herzensprojekt.

Besonders geschickt finde ich dabei, wie Kate die verschiedenen Einflüsse und Vorbilder kombiniert und trotz der Story, deren Ende – plus der Twist, der viel zu offensichtlich ist um diesen Namen zu verdienen – schon von Beginn an völlig klar ist, dennoch durchgehend spannend ist. Ich persönlich finde wenn du eine Blade Runner Anspielung in deinen Film bringst und deine Hauptfigur im Laufe der Handlung wie eine junge Version von Ripley aussieht, dann hast du definitiv etwas Richtig gemacht.

Neben diesen, das Herz des geneigten Film-Nerds schneller schlagen lassenden Details, ist es auch die dynamische Kampfchoreographie, die zu gefallen weiß. Dabei finde ich besonders bezeichnend, wie sich der körperliche Verfall von Kate, eindeutig in ihrem Stil widerspiegelt. Zu Beginn ist sie noch schnell, effektiv und sauber, doch mit zunehmender Verzweiflung wird ihr Kampf dann immer rauer, schmutziger und vor allem emotionaler.

Dabei ist sie kein unbesiegbarer Terminator sondern überlebt besonders im letzten Drittel ihre Fights gerade mal so. Für Mary Elizabeth Winstead ist dies eindeutig eine „ich gebe alles“ Rolle gewesen, wobei ihr Weg zur Action-Heldin sich bereits mit ihren Auftritten in Gemini Man und Birds of Prey abgezeichnet hat. Ihr glaubt man einfach ihre Härte und nur Ansätze von Sehnsüchten oder nennen wir es einfach Menschlichkeit findet man dann, wenn man ihr in ruhigen Momenten genau in die Augen sieht.

Eine sehr natürlich wirkende Stärke ist das und nicht eine aufgesetzt wirkende, weil es etwa dem Zeitgeist entsprechen würde. Dabei ist Kate hier sicherlich nicht die Heldin, schon gar nicht für ihre Yakuza Gegenspieler, zumindest die, die ehrenhaft ihre Konflikte lösen. Wirklich unschuldig bzw. „gut“ ist hier nur Newcomerin Miku Patricia Martineau als Ani und ihre Performance sprüht nur so vor Energie, ich hoffe sie in Zukunft öfters auf der Leinwand sehen zu dürfen.

Was den asiatischen Schwerpunkt hier betrifft, ist er weit mehr als nur ein Gimmick, was in amerikanischen Produktionen ja öfters der Fall ist. Sowohl das Faszinierende der Unterwelt als auch das Andersartige der Popkultur wird dabei sehr bewusst eingefangen und ist sozusagen ein eigener Charakter im Film, der alle anderen Figuren verbindet. Wer stört hier das Gleichgewicht? Richtig, die Eindringlinge aus dem Westen, wie immer eben.

Insgesamt daher ein sehr zügig erzählter Action-Thriller, mit einer „Killer-Performance“ der Hauptdarstellerin mit kräftiger (emotionaler) Unterstützung ihres Sidekicks. Die Anspielungen wissen zu gefallen (auch auf diverse Anime und Mangas), die Action ist toll choreographiert und die Optik bzw. die visuellen Spielereien, Kamerafahrten und Schnitte bringen ebenfalls eine eigene Dynamik herein, ohne dabei nervig zu sein. Der finale Pluspunkt hier ist dann die Abgeschlossenheit der Geschichte, dass eben genau nicht auf ein mögliches Franchise hin geschielt wurde.

„Kate“ bekommt von mir 8/10 das „Beste“ aus dem finalen Tag heraus holende Empfehlungspunkte.


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