Oldies but Goldies: Alien (1979 Filmkritik)

Auf dem Nachhauseweg wird das Raumschiff Nostromo von einem unbekannten Signal erreicht. Daraufhin wird die Crew aus dem Tiefschlaf geweckt, um der Sachen nachzugehen. Das Schiff setzt auf dem Planeten auf, von dem das Signal gekommen ist und geht der Sache nach.

Bis kurz darauf diejenigen, die von Bord gingen wieder vor der Tür stehen. Nur bei Kane (John Hurt) hat sich leider eine außerirdische Lebensform an sein Gesicht geklammert. Das Ding scheint ihn zwar nicht zu töten, aber er liegt im Koma. Trotz der Warnungen von Ellen Ripley (Sigourney Weaver) wird er an Bord gebracht. Kurz darauf scheint es ihm wieder besser zu gehen, aber die Freude dauert nur bis zum gemeinsamen Abendessen …

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„Alien“. Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt. Unheimlich tatsächlich. Und aus einer anderen Welt ohnehin. Was H. R. Giger da zusammengebastelt hat ist wohl das gemeinste und böseste und vor allem tödlichste Vieh, das je die Weiten des Leinwand-Universums erblickt hat. Das Alien schlüpft aus Eiern, klammert sich mit Vorliebe an Gesichtern fest und legt gleichzeitig einen Embryo im Brustkorb des Wirtes ab. Sobald dieser groß und stark genug ist, selbst zu leben stirbt das Ding, „Facehugger“ genannt.

Alle wähnen sich in Sicherheit, bis es dann seinen Weg nach draußen findet. Dann geht der Horror los. Runterschneiden? Geht nicht – Das Ding hat kein Blut, es hat Säure. Es liebt die Dunkelheit, enge Lüftungsschächte und seine glatte, glitschige, dunkle Haut, die aussieht als wäre sie halb organisch, halb mechanisch, bietet sich geradezu an, in einem großen Raumschiff „verstecken“ zu spielen.

Zumal die Nostromo unter Ridley Scotts („Body Of Lies„, „Blade Runner„) Regie ohnehin bereits ein extrem düsterer Ort ist. Das ist das gute, alte, dreckige und benutzt aussehende, ölverschmierte Universum aus einer Zukunft wie wir es von der alten Star Wars-Trilogie kennen. Da läuft alles noch mechanisch. Der werden Leute dreckig. Da schwitzen Menschen. Da pfeift schon mal eine Dichtung oder es leckt irgendwo Wasser raus. Das hat die das Team von „Alien“ wirklich perfekt hinbekommen – die Nostromo ist (auch ohne Alien) für sich allein eigentlich schon eine dunkle, kalte, dreckige Hölle.

Dazu kommen die Charaktere, die absolut lebensecht sind. Da sitzen keine glorreichen Raumfahrer vor uns, sondern Lastwagenfahrer. Die sitzen auch beisammen, rauchen, sprechen über Überstunden und Bonuszahlungen und regen sich über Abweichungen aus ihrem Arbeitsvertrag auf. Einfach lebensechte Menschen, wie du und ich. Das macht die Leute auch auf einen Schlag wenn schon nicht alle sympathisch, so zumindest zu 100% glaubwürdig. Dass noch dazu die ersten Minunten kein einziges Wort gesprochen wird, während die Kamera lange, dunkle und verlassene Gänge und Räume der Nostromo zeigt führt sofort die Hilflosigkeit ein, welche die Crew empfinden muss. Sie sind da draußen völlig auf sich allein gestellt.

Anfangs von Kritikern als „Wie ‚Der Weiße Hai‘ nur im Weltraum“ belächelt hat der Film rasch einen Kultstatus erlangt und gilt heute als eines der – wenn nicht das – Meisterwerke der Sci-Fi-Szene. Die Produzenten sind mittlerweile mehr oder weniger erfolgreich drei Mal ins „Alien“-Universum zurückgekehrt. Dann gibt es noch zwei Crossover-Filme, die „Aliens vs Predator“ heißen (und beide eher durchschnittliche Actionkost mit coolen Außerirdischen bieten). Außerdem gab es dann noch vor kurzem die Rückkehr von Scott selbst, der mit „Prometheus“ mehr oder weniger die genau gleiche Geschichte wie hier erzählt – und weniger logisch, mit größeren Ambitionen, grenzgenialer Optik und weit weniger Erfolg. Ich selbst bin ein Riesenfan von „Prometheus“, wenngleich ich gestehen muss, dass Mr. Scott sich ein wenig mit seiner Mythologie übernommen hat, aber das ist ein anderes Blatt.

„Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ ist auch 2015 noch immer ein grandioser, spannender und toll anzusehnder Film. Wenn man allerdings nachzudenken beginnt, dann muss man gestehen, dass auch er nicht fehlerfrei ist. So gibt es einige Szenen auf der Nostromo, die wohl vermutlich nur deshalb gedreht wurde, weil sie gut aussehen. Da gibt es schon mal Szene, in denen ein Besatzungsmitglied mitten in einem dunklen Raum steht, während von oben Sonnenstrahlen (das ist kein Kunstlicht!) reinstrahlt. Oder ein Mechaniker, der alleine durch die Gegend spaziert, während die anderen das Alien jagen – obwohl sie gerade alle gesehen haben, was beim Essen passiert ist. Oder ein Raum im Raumschiff, in welchem einige Ketten herabhängen und Wasser nach unten tropft.

Warum? Keine Ahnung. Aber es sieht verdammt stylisch aus (und ist mir jedes Mal ansehen aufs Neue völlig egal. Wird schon irgendeinen Grund geben, warum die Räume da im Schiff sind). Dass Hr. Scott mit „Alien“ auch Sigourney Weaver („The Cabin In The Woods„, „Paul„, „Chappie„) mit einem Schlag berühmt gemacht hat, ist im Vergleich zum Design des „Alien“ geradezu eine Randnotiz. Übrigens spielt Ian „Bilbo Baggins aus Herr der Ringe“ Holmes ebenfalls mit.

Alles in allem ist „Alien“ einer der ersten „Hirn aus und genießen“-Filme, die ich in meinem Leben gesehen habe. Und ich weiß noch, dass ich damals nur bei Licht schlafen konnte und mehrmals(!) unter dem Bett nachgesehen habe, ob da auch wirklich, ganz, ganz sicher nichts versteckt ist.

„Alien – Das unheimliche Wesen aus einer Fremden Welt“ bekommt von mir 8,5 von 10 möglichen, ein kultiges Filmmonster einführende, Punkte.

Alien - Jubiläums Collection - 35 Jahre [Blu-ray]


von Sigourney Weaver [Twentieth Century Fox]
Preis: EUR 19,99


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