SiREN (Filmkritik)

Jonah (Chase Williamson), Mac (Michael Aaron Milligan), Rand (Hayes Mercure) und Elliot (Randy McDowell) wollen einen Jungesellenabend verbringen und ordentlich feiern. Leider ist der Club, der dazu ausgewählt wird eher … von der negativen Sorte. Die Stripperin fällt von der Stange und die anderen Anwesenden sind … naja. Als dann Mr. Nyx (Justin Welborn) auftaucht und das Angebot stellt ihnen den Weg zu einem unglaublich großartigen „geheimen“ Club zu zeigen, sagen die vier Freunde (zwei davon Brüder) nach anfänglichem Zögern zu. Vorher schmeißen sie aber noch ein paar Pilze ein.

Als sie dann ankommen sind sie halb entsetzt und halb euphorisch, denn der Club hat es in sich. Vor allem Jonah, der bald heiraten wird, bekommt ein besonders Geschenk (Hannah Fierman) von Mr. Nyx. Dummerweise tut ihm sein Geschenk leid und er befreit es … Mächtig. Großer. Fehler.

Okay – da gab es im Jahr 2012 eine Kurzfilmkollektion, die lose von einer vagen Rahmenhandlung zusammengehalten wurde. Das Ding hieß „V/H/S“. Hab ich gesehen, aber nie geschrieben, großteils, weil ich es nicht besonders spannend fand. Genau genommen ist das einzige, was bei mir hängen geblieben ist gleich die erste Sequenz gewesen, namentlich „Amateur Night“. Darin geht es um eine Art Dämon in Frauengestalt, der eigentlich total lieb ist – aber nicht immer. Zumindest sag ich das mal so. Vor allem sind zwei Dinge davon in meinem Kopf geblieben: a) „I like you“ als unheimlichster und furchteinflößendster Satz seit Jahren. Und b) Hannah Fierman, deren Optik in diesem Film grob in der Mitte zwischen zuckersüß/unschuldig und grauenhaft/furchteinflößend liegt.

Scheinbar ging es nicht nur mir so, denn die Macher von „SiREN“ haben nichts anderes gemacht, als diese Figur, die damals noch „Lily“ hieß, zu nehmen und sie in einem Langspielfilm einzubauen. Das ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas geschieht und die Chancen eines Reinfalls stehen bei 50%. Viele Stoffe eignen sich nicht als Langfilm bzw. verlassen sich die Macher zu sehr darauf, dass ohnehin alle die Langversion des Kurzfilms sehen wollen. Kann ja durchaus funktionieren („District 9“ oder „#9„) wie man weiß.

Bei „SiREN“ haben Ben Collins und Luke Piotrowski, die das Drehbuch verfasst haben, und Regisseur Gregg Bishop in diesem Fall ein bisschen mehr daraus gemacht als eine billige 1:1 Kopie des Kurzfilmchens. Sie haben „Lily“ eine Hintergrundstory verpasst, die nicht zu sehr ins Detail geht, aber doch genug Background gibt um spannend zu bleiben und außerdem – was ich sehr gut finde – haben sie vier Charaktere als Hauptpersonen genommen, die man zwar nicht alle heiß lieben muss, mit denen man aber mitfiebert, da sie – vor allem Jonah – absolut sympathisch sind.

Zusätzlich lässt sich der Film Zeit, zeigt wenig (aber genug) und überrascht zwar nicht mit unerwarteten Wendungen, aber doch mit neuen und interessanten Ideen. Zum Beispiel die Idee mit den „gestohlenen Erinnerungen“ (im wortwörtlichen Sinn) und ähnliches.

Vom Schauspiel her, stechen zwei Leute heraus, nämlich klar Mr. Nyx, der von Justin Welborn verdammt genial gespielt wird. Ich bin mir nicht sicher, ob seine Darstellung bereits an Overacting grenzt oder ob er seinem Charakter einfach so verdammt viel Selbdstbewusstein mitgegeben hat, aber der Kerl bleibt im Gedächtnis. Mr. Welborn kann das einfach – wie er auch schon in „The Crazies“ oder „The Signal“ (übrigens auch von David Bruckner, dem Erfinder von „SiREN“) beweisen konnte. Das mag auch daran liegen, dass er einfach die coolsten Zeilen im Film hat.

Und die andere Person, die ihr euch nach diesem Film mit Sicherheit merken werdet ist Hannah Fierman. Die Frau hat ja schon ohne Effekte ein sehr … interessantes Gesicht, aber wenn sie dann „Lilith“ ist (wie sie in diesem Film hier heißt) – das ist unheimlich, grausam, irre, furchteinflössend und auf ganz vielen Ebenen unangenehm und gleichzeitig (wenn sie grad niemanden zerlegt) doch irgendwie lieb. Eine verdammt ambivalente Sache eben – wie oben erwähnt. Und genau das hebt diesen Film aus dem Einheitsbrei von Horrorfilmen heraus. David Bruckner hat da echt (durch Zufall?) eine verdammt unheimliche Figur geschaffen.

Chase Williamson als Hauptcharakter ist sympathisch und er versucht auch wirklich das Richtige zu tun, leider kommt das Leben halt dazwischen – in diesem Fall kann man echt nur sagen: Pech gehabt. Er macht seine Sache glaubwürdig, aber hey – wer in „John Dies At The End“ so wirkt, als wäre alles was passiert plausibel, der kann alles bringen.

Kurzversion: Ja, dieser Film erfindet das Rad nicht neu, ist aber super inszeniert, das Drehbuch passt und überrascht sogar manchmal. Der Schluss wird nicht allen gefallen, aber ich fand ihn passend. Schön, dass die Sirene die Leute mit Träumen von ihren Liebsten fängt anstatt sie von ihr träumen zu lassen … das hat mir gut gefallen und ist nur eines der kleinen Details, die ich an dem Film wirklich gut finde.

Sicher, tatsächlich hat man auch hier eine kurze Story zu einem ganzen Film aufgeblasen (wie bei so vielen Filmen), aber wen juckt es, wenn es dermaßen unterhaltend ist.

„SiREN“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, sich ihr nicht entziehen könnende, Punkte.

PS: Das „I like you“ ist in diesem Fall genauso spooky und unheimlich wie in „Amateur Night“.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.