Ghostbusters (2016 Filmkritik)

Erin (Kristen Wiig) ist überrascht, als ihr ein Mann ein Buch unter die Nase hält, welches sie vor Jahren mit einer alten Freundin namens Abby (Melissa McCarthy) gechrieben hat: „Geister der Vergangenheit – symbolisch und auch physisch“. Da sie an einer seriösen Uni arbeitet und unbedingt vermeiden will, dass dieses Buch bekannt wird, besucht sie Abby und will sie davon überzeugen, das Ding verschwinden zu lassen.

Diese denkt aber überhaupt nicht dran, denn mit ihrer neuen Kollegin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon) ist sie noch immer dabei Geister zu suchen und sie glaubt, sie ist etwas auf der Spur. Als dann tatsächlich Geister auftauchen, geht die ganze Sache erst so richtig los, denn natürlich steckt ein Plan dahinter. Nämlich der, die Apokalypse vorzubereiten …

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Ich muss gleich mal eine Lanze brechen. Der neue Ghostbusters ist gut. Verdammt gut sogar. Er ist nur ein Paradebeispiel dafür, was für Unheil ein schlecht gemachter Trailer bei einem Film anrichten kann. Denn der Trailer … ich fand ihn nicht lustig, sondern peinlich, übertrieben und er machte definitiv nicht Lust auf mehr. Mich wundert es nicht, dass es der am meisten „dislikte“ Trailer in der Geschichte von YouTube ist. Er ist tatsächlich einfach nicht gut.

Der Film jedoch – ganz ehrlich – ist es.

Es ist schwer zu erklären, was der Trailer hier falsch vermittelt hat, denn die peinlichen Momente im Trailer kommen auch genauso im Film vor – mit dem Unterschied, dass die Szenen Kontext haben, meist eine kurze Vorgeschichte innerhalb der Szene und danach folgen natürlich noch weitere Aktivitäten, bevor die Szenerie wechselt. Das macht hier den gesamten Unterschied aus. Im Film werden die Witze vorbereitet und – erstaunlicherweise – funktionieren sie für mich dann auch. Gerade die Patty schlägt Abby mit den Worten „The Power Of Patty compels you!“ ins Gesicht-Szene aus dem Trailer fand ich schrecklich und peinlich. Nicht im Ansatz lustig. Im Film hab ich breit grinsen müssen. Warum? Weil da mindestens 5 Minuten vorher Dinge passieren, welche den Witz vorbereiten und sogar die gesamte Stunde davor einen auf solche Sachen vorbereitet. Die Charaktere würden einfach genau so reagieren – und im Gesamtkontext ist es lustig. Finde ich.

Gerade, dass man sich so viel Zeit lässt, um die Charaktere zusammenzubringen finde ich super und bereits in den ersten zehn Minuten des Films musste ich mehrmals laut lachen aufgrund der Dialoge und der Situationskomik dahinter. Es würde allerdings nichts bringen diverse Szenen hier zu beschreiben, weil sie dadurch absolut an Witz verlieren. „Ghostbusters 2016“ ist ein Film, der absolut von den Pointen und noch viel mehr von der Darstellung und Performance der DarstellerInnen lebt. Kennt ihr das, wenn ihr jemanden eine witzige Anekdote erzählt und alle sehen euch danach mit großen Augen an, aber niemand lacht bis jemand sagt: „Da muss man wohl dabei gewesen sein, um den Witz zu verstehen“. Genauso verhält es sich mit Ghostbusters 2016 – ich war absolut positiv überrascht mit wie viel Liebe und Humor der Film gemacht wurde und wie gern er seine Charaktere hat. Sogar die „black stereotype woman“, wie jemand Leslie Jones‘ Charakter auf YouTube nannte, passt perfekt, zumal die Dame anfangs wirklich genau das ist – um dann zu einer echten Ghostbusterin zu werden.

Sicher, der Film ist nicht ohne Fehler. Zum Beispiel erklärt Abby später plötzlich, es gebe jemanden, der Maschinen in der Stadt verteilt, um Geister anzulocken, was wir als Zuseher wissen, weil wir es gesehen haben, aber die Charaktere im Film haben es – zumindest wird es uns nicht gezeigt – noch nicht rausgefunden. Plötzlich weiß Abby das allerdings. Ein paar solcher Momente gibt es, aber sie fallen tatsächlich nicht ins Gewicht, weil dann der nächste Dialog bereits wieder herrlich schräg ist. Der Charakter von Chris Hemsworth ist genauso dumm im Film, wie er im Trailer wirkt, aber darum geht es gar nicht – es geht darum wie die Damen ihn trotzdem anstellen und ihn anhimmeln, egal wie dumm er ist (also genau das umgekehrte Klischee der weiblichen fingernägellackierenden dummen Blondine. Wer diesen Scherz nicht aushält, sollte wohl mal sein Selbstbewusstein checken gehen). Ob man es glaubt oder nicht – es funktioniert. Als er gegen Ende ko geht und die Frauen ihn rausziehen fragt Abby: „Oh, he is heavy, what is he made of?“ und Erin antwortet verträumt blickend „Of pure muscle and babysoft skin“. In dem Moment, in dieser Szene, mit dem Blick von Kristin Wiig, ist das köstlich mitanzusehen.

Gegen Ende übertreibt man es ein wenig mit der Action und bricht sogar die Regeln, die der Film selbst aufgestellt hat (oder vielleicht werden sie nur unzureichend erklärt), denn die Strahlen lassen manchmal Geister zerplatzen und manchmal umschlingen sie sie auch nur. Weil die Geisterjägerinnen keine Fallen mehr brauchen können die bösen Jungs ja mit den Strahlen erledigt werden, was zu einer kurzen Massenschlacht führt. Das ist ein wenig schade und öffnet auch Tür und Tor für eine peinliche, aber dennoch coole Szene mit Wissenschaftlerin Jillian. Die einzige, mit der ich übrigens insofern ein Problem habe, da sie irgendwie nicht ganz so organisch wirkt wie die anderen Figuren, auch wird sie nie so richtig in die Story eingeführt und bekommt auch keine auch noch so kleine Backstory (von einer ganz kurzen Szene ganz am Ende abgesehen). Gegen Ende jedoch hat sie dann einen sehr, sehr menschlichen Moment. Die Cameos von Bill Murray, Dan Akroyd, Ernie Hudson und Sigourney Weaver fand ich lustig und passten gut in die Story. Auch wenn ich behaupte, dass Bill Murray sich nicht sonderlich angestrengt hat.

Zu guter letzt noch ein kurzes Wort zu den ganzen „Männerdiskriminierung“ schreienden Hohlköpfen da draußen: Spart es euch einfach. 2016 sollte es keine Rolle mehr spielen, ob der Leadcast aus lauter Männern (bei dem Film „Die Glorreichen Sieben“ höre ich niemanden „Frauenfeindlich!“ schreien) oder lauter Frauen besteht, solange der Film gut ist. Und das ist er. Nein, ich verstehe auch nicht, warum man statt „Ghostbusters 3“ mit den alten Figuren unbedingt einen Reboot machen musste, aber ich bin auch offen genug dem Film eine Chance zu geben (wenn auch nicht im Kino) und hey – ich hoffe wirklich, sie machen einen zweiten Teil hiervon, auch wenn die Geistereffekte verdammt comichaft wirken, aber ich gehe mal davon aus, dass dies gewollt war.

„Ghostbusters 2016“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, nicht fehlerlos seiende, aber das bestmögliche aus der Idee heausholende, Punkte.

PS: Ich habe keine Ahnung, ob die deutsche Synchro gut ist, die könnte bei diesem Film einen Riesenunterschied ausmachen!

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