In China essen sie Hunde (Filmkritik)

Arvid (Dejan Cukic) ist ein Bankangestellter. Er ist langweilig. Er ist öde. Das ändert sich, als er bei einem Banküberfall den Räuber niederschlägt und danach als Held gefeiert wird. Für seine Frau bleibt er ein Langweiler, weshalb sie ihn verlässt. Kurz darauf steht Astrid (Lina Kruse) vor seiner Tür: Der Bankräuber war ihr Mann und der wollte die Bank ausrauben, weil sie Geld brauchten für ihren Kinderwunsch. Arvid bekommt ein schlechtes Gewissen und will Astrid helfen. Aber wie kommt man rasch zu Geld? Also besucht Arvid seinen Bruder Harald (Kim Bodina), der ein Restaurant betreibt. Zumindest offiziell. Denn tatsächlich ist Harald ein Krimineller und es dauert nicht lange, bis die beiden von einer schrägen Situation in die nächste kippen.

Dass ihre Helferleins bzw. Köche Martin (Nikolaj Lie Kaas) und Peter (Thomas Villum Jensen) nicht die hellsten sind und sogar teilweise moralische Skrupel haben, ändert nichts daran, dass es drunter und drüber geht. Und vor allem ändert es nichts daran, dass der Küchengehilfe Vuk (Brian Pattersion) primär durch Haralds Schuld eine Pechsträhne nach der anderen hat …

Lasse Spang Olsen ist ein verdammtes Genie. Sorry für den Kraftausdruck, aber es gibt keine bessere Formulierung. In Kombination mit dem Drehbuchautor Anders Thomas Jensen hat er einfach ein Händchen für skurrile, großartige und völlig absurde Actionfilme voller Charaktere, die man eigentlich hassen müsste, aber die man aufgrund der Inszenierung (und der Schauspieler:innen) einfach mögen muss.

Mein erster Kontakt mit Lasse Spang Olsen war irgendwann im Jahr 1999, kurz nachdem „In China essen sie Hunde“ veröffentlich wurde. Der Film machte sich rasch einen Namen und in der Videothek meines Vertrauens wurde mir dieser Film sehr ans Herz gelegt (ja, die kannten mich sehr gut damals). Nach der ersten Sichtung habe ich ihn innerhalb eines Monats glaube ich so ziemlich allen Leuten gezeigt, die ich kannte und ihn mir jedes Mal mit angesehen. Der Film wird einfach nie, niemals langweilig.

Die Story ist abstrus, aber emotional und großartig. Und wirklich toll sind die Figuren bzw. wie trocken und einfach menschlich sie auf absolut abartige Situationen reagieren. Der Film ist eine Reihe von Szenen, die man einerseits noch nie zuvor gesehen hat und andererseits zwar schon woanders gesehen hat, aber noch in dieser Art, Form und Auflösung.

Der Held des Films ist eigentlich nicht Arvid, sondern sein Bruder Harald, gespielt von Kim Bodnia. Deshalb hat man ihn auch im Nachfolger als zentrale Figur gewählt. Natürlich mit seinen Köchen Martin und Peter. Die beiden sind zwei herzensgute Menschen, deren Chef halt ein ziemlich kaltblütiger Krimineller ist, der aber auch irgendwie … naja, ich weiß nicht … Harald ist irgendwie … super. Vor allem in Kombination mit diesen beiden und vor allem in den Reaktionen und in den Dialogen der drei. Man muss den Film einfach gesehen haben, um zu begreifen wie surreal und dennoch zutiefst menschlich die Sache ist.

Drehbuchautor Jensen hat auch die Drehbücher zu „Adams Äpfel“ oder „Old Men In New Cars“ geschrieben. Und der Humor ist in allen dreien gleich. Er ist politisch höchst inkorrekt. Er ist tiefschwarz. Er ist grenzwertig. Und er ist absolut menschlich, herzerwärmend, ehrlich und echt. Ich kann es nur wiederholen: Grenzwertig UND herzerwärmend. Das kann man schwer anders beschreiben, aber Jensen schafft es, völlig absurde und lächerliche Situationen zu schreiben, die man aber ernst nimmt, weil seine Figuren sie ernst nehmen und Jensen liebt seine Figuren. Alle. Ohne Ausnahme. Und das merkt man dem Film einfach an.

Olsen ist übrigens in erster Linie ein Stunt-Koordinator und er und Jensen sind ein Dream-Team. Die Stunts sind 1A und kombiniert mit dem Drehbuch und den schauspielerischen Leistungen bzw. den Reaktionen der Charaktere auf Situationen, ist es einfach ein wahnsinnig großartiger, witziger, berührender, toller, fantastischer und vor allem unterhaltsamer Film.

Tatsache ist, der Film ist dänisch und ich kenne ihn in seiner Originalversion nicht. Ich kenne ihn nur in der deutschen Synchronisation. Wie kann man das beschreiben? Kennt ihr Bud Spencer und Terrence Hill? Genau. Die Art von Synchronisation. Nehmt „Die Linke und die Rechte Hand des Teufels“, schiebt ihn in eine moderne Zeit, verlegt ihn nach Dänemark ins Gangster-Millieu und ihr seid gut dabei. Vorausgesetzt ihr multipliziert den Spaß, den ihr dabei hattet mal 10 und packt eine ganze Ladung unprovozierter und heftiger Gewalt oben drauf.

Falls man es nicht merkt: Ich liebe diesen Film. Wer ihn nicht kennt: Seht ihn euch JETZT an und DANKT mir später.

Ich kann dem Film nur einen einzigen Vorwurf machen: Er ist 1999 gedreht worden, was bedeutet, dass die Technik dahinter nicht auf heutigem Stand ist, aber ganz ehrlich: Wenn so viel genial-schräges Zeug passiert wie hier, da pfeif ich auf die Technik.

„In China essen sie Hunde“ bekommt 10 von 10 Punkten von mir. Keine Diskussion.


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