The Tomorrow War (Filmkritik)

Wir befinden uns im Jahr 2022, um genau zu sein im Dezember. Dan Forester (Chris Pratt) war einmal ein Green Beret und lebt nun ein ruhiges Leben als Biologieprofessor mit seiner Frau Emmy (Betty Gilpin) und seiner Tochter Muri (Ryan Kiera Armstrong). Doch irgendwie ist er nicht zufrieden und möchte mehr aus seinem Leben machen. Während eines World Cup Fußballspieles, tauchen plötzlich Soldaten aus der Zukunft aus.

Sie stammen aus dem Jahr 2051 und berichten, dass eine Alien-Invasion stattfindet im Jahr 2048 und drei Jahre später, bereits der Großteil der Menschheit ausgerottet wurde. Deshalb werden Soldaten aus der Vergangenheit mit einem Jumplink in die Zukunft gebracht, um einen aussichtslosen Kampf zu kämpfen. Bald darauf ist das Militär der Jetztzeit derart dezimiert worden, dass auch „normale“ Bürger eingezogen werden, die zum Zeitpunkt des Krieges in der Zukunft, aus verschiedensten Gründen, nicht mehr am Leben sein werden. Unter ihnen ist auch Dan…

Ursprünglich wollte Paramount Pictures diesen Film ins Kino bringen, doch dann kam ihnen eine gewisse Pandemie in die Quere. Amazon sprang sozusagen ein und kaufte den Film um satte 200 Millionen und seit dem zweiten Juli 2021, können das SciFi-Abenteuer nun Amazon Prime Kunden bewundern. Regie führte Chris McKay, der hier erstmals nach The Lego Batman Movie, bei einem Realfilm am Regiestuhl Platz genommen hat, während Hauptdarsteller Chris Pratt seine Premiere als ausführender Produzent bei einem Film feiert.

Chris Pratt wurde ja früher oft als lustiger, leicht übergewichtiger Nebencharakter gecastet (wie etwa bei Take Me Home Tonight) und viele schätzten ihn wegen seiner „Parks and Recreation“ Serie. Dann kamen die Guardians of the Galaxy und nun ist er der trainierte Typ, der Held mit dem Herzen am rechten Fleck und dem sehr losen Mundwerk (man nehme Jurassic World oder Die glorreichen Sieben als Beispiele).

Bei seinem aktuellen Film merkt man nun jedoch eindeutig, dass er eine weitere Seite von sich zeigen will. Wie er auftritt, sich bewegt und spielt, er will hier eindeutig ernst genommen werden und das gelingt ihm auch (was nicht heißt, dass man den Film als Ganzes ernst nehmen sollte). Nun gut, teilweise hat er Szenen die so wirken, als wäre er ein großes Kind das beweisen will, was es drauf hat und manchmal bricht auch ein lockerer Spruch durch, doch meist und vor allem im letzten Drittel, überwiegt klar die Ernsthaftigkeit.

Zusätzlich ist er ein ziemlich normaler Kerl, der innerhalb seines Egoismus, sogar einigermaßen unsympathisch erscheinen kann. Immerhin hat er eine ihn eindeutig sehr liebende Frau, eine wunderbare Tochter und einen guten Job, doch er möchte mehr von seinem Leben. Das ist auch legitim so, aber der Weg dorthin darf nicht auf die Kosten der eigenen Familie gehen, denn das muss doch auch gemeinsam gehen. Das hebe ich deshalb so hervor, weil es für mich der Kern der Motivation von Dan ist während zusätzlich klar wird, wie schwer es ist zweite Chancen zu bekommen und diese auch zu nutzen.

Was den SciFi-Part der Story an sich angeht, nun den kann man beinahe durchgehend angreifen, was auch Erklärungen wie „der Jumplink geht eben immer nur 30 Jahre zurück oder vor in eine Richtung“ nicht wirklich helfen. Dinge wie „warum bekämpfen die das Problem in der Zukunft und nicht gleich in der Vergangenheit“ ist wiederum mit der Charakterentwicklung von Dan erklärbar, der ja nur wegen seines Trips in die Zukunft, am Ende ein besserer „Familien“-Mensch ist (obwohl über seine negative Entwicklung eigentlich nur gesprochen wird und man sie nie sieht).

Im Prinzip sage ich damit das, was sich wohl sowieso die meisten von euch schon gedacht haben, dies ist einer dieser Sommer-Blockbuster Filme, die man (früher) mit Popcorn und ohne das Gehirn einzuschalten, im Kino genossen hat. Optisch hat Chris McKay eindeutig ein Händchen für Kameraeinstellungen und Spielereien mit den Effekten. Die Action wird dabei niemals inflationär eingesetzt und wenn etwas lustig sein soll, dann muss man meist auch wirklich schmunzeln.

Das Kreaturen-Design ist eine Mischung aus diversen bekannten Aliens, hat jedoch eindeutig auch etwas Individuelles an sich und die Wesen verbreiten diese Stimmung von hungrigen Bestien, die einfach alles töten und verschlingen möchten. Besonders bösartig und intelligent sind dabei natürlich wieder mal die Weibchen (wie bei Menschen höre ich da Jemanden sagen..nun ich war das sicher nicht).

Der emotionale Teil erdet das Ganze natürlich und trotz der relativ kurzen Screentime, ist Betty Gilpin (The Hunt) eindeutig ein wichtiger Anker. Ebenso stark ist J.K. Simmons (Justice League) als Dan´s eigentümlicher und ziemlich muskulöser Vater (Simmons ist immerhin 66 Jahre alt) und Yvonne Strahovski (I, Frankenstein) springt zwischen der toughen Anführerin und der jungen Dame, die wütend ist und dennoch die Nähe ihres Vaters sucht, souverän hin und her.

Würde ich diesen Film also verteidigen, wenn Jemand ihn angreifen würde? Nein, das würde ich nicht. Er ist auch für mich kein Highlight, jedoch hat er mich auch in keiner Weise enttäuscht, weil ich einfach nichts erwartet habe. Wer eine etwas andere Seite von Chris Pratt sehen möchte und ihn und seine Familie als Herz der Geschichte wahrnehmen kann, dem werden die zahlreichen Dinge, die eine gesunde Logik angreifen, herzlich egal sein. McKay ist ja nach dem zweiten Lego Batman Film ein Kandidat für die Nightwing-Verfilmung von DC. Mit seinem Stil hier, der nicht so wirkt als wäre er mit dem typischen Hollywood-Filter überzogen worden, hat er sich auf jeden Fall für weitere Projekte empfohlen.

„The Tomorrow War“ bekommt von mir 7/10 zu viel an Morgen und zu wenig an heute denkende Empfehlungspunkte.


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