SAS: Red Notice (Filmkritik)

Ein Zug wird tief unter dem Englischen Kanal, von einer kleinen Armee von bewaffneten Soldaten entführt. Angeführt werden die Männer dabei von Grace Lewis (Ruby Rose), die eine der Anführer einer Söldner-Organisation ist, mit Verbindungen bis hin zu den höchsten Kreisen. Deshalb wird George Clements (Andy Serkis) auch damit beauftragt, die Krise so zu lösen, dass Grace am Ende tot ist.

Beide Kontrahenten haben jedoch nicht mit dem Special Forces Soldaten Tom (Sam Heughan) gerechnet, der sich gerade privat genau in dem entführten Zug befindet, da er seiner Herzensdame Dr. Sophie Hart (Hannah John-Kamen) in Paris einen Heiratsantrag machen möchte. Tom schaltet in Gefahrensituationen blitzschnell in einen gewissen Kampfmodus um und überblickt die Lage, wodurch Grace in ihm einen ebenbürtigen Gegner erkennt…

Andy McNab, hat früher in der britischen Infanterie-Armee gedient und hat seit seinem Ausscheiden einige Bücher geschrieben, so auch den gleichnamigen Roman, der die Vorlage für diesen Action-Thriller (SAS steht übrigens für Special Air Service) ist. Regie führte der norwegische Regisseur Magnus Martens, der sein Geld vor allem mit dem Inszenieren von einzelnen Folgen von diversen Serien (z.b. Agents of Shield, Luke Cage oder Banshee) verdient.

Offensichtlich ist das natürlich ein Film, bei dem die Action funktionieren muss, doch ich werde gleich am Anfang darauf eingehen, was mir hier am Besten gefallen hat. Gleich zu Beginn des Filmes werden ja die Eigenschaften einer Psychopathin beschrieben und was sie auszeichnet und dass die seltenste Form die ist, die die Fähigkeit zu lieben gelernt hat. Natürlich ist damit in erster Linie Schurkin Grace gemeint.

Doch die Handlung ist auch so angelegt, dass die Beschreibung auch auf Held Tom zutrifft. Während Grace höchstens ihren Vater liebt und dies doch eher als Respekt zu bezeichnen ist, ist die entscheidende Frage, ob Tom seine Sophie wirklich liebt, denn vielleicht ist er ja gar nicht fähig zu lieben. Grace spürt diese Verbindung von zwei gleich funktionierenden Menschen und will dieser (natürlich auch als Selbstschutz) nachgehen.

Gerade Fragen wie „bin ich nicht normal, wenn ich innerhalb meines Jobs Jemanden erschieße und kurz danach ohne darüber sprechen zu müssen, als liebender Freund zum Alltag übergehe“ und die Dynamiken zwischen Tom und Sophie und Tom und Grace machen die Sache für mich spannender als ähnlich angelegte Produktionen. Natürlich bleibt das aus psychologischer Sicht klar an der Oberfläche und wird auf eine plakative Art und Weise vermittelt, aber es passt hier sehr gut.

Vermittelt wird alles von sehr spielfreudigen Darstellern, die eine starke Chemie miteinander haben. Sam Heughan (Bloodshot) als Tom wirkt smart und fokussiert, doch wenn er etwas nicht kontrollieren kann (hallo Gefühle), dann ist er ganz schnell wieder Kind. Er ist einfach grundsympathisch, genau wie Hannah John-Kamen (Killjoys) als Sophie, die zwar anders als er funktioniert, jedoch im Laufe der Handlung immer mehr lernt, wie er tickt bzw. Dinge aus seiner Sicht wirken.

Ruby Rose (The Doorman) als Grace ist schön eiskalt und kontrolliert und ihre begrenzte Mimik passt sehr gut zu dieser Rolle. Im Gegensatz zu Andy Serkis (Black Panther), der sichtlich seine Szenen als selbstsüchtiger Bösewicht genießt und man sämtliche Emotionen von seinem Gesicht ablesen kann. Die Action, in die alle Protagonisten verwickelt werden, ist dann schnell und pointiert inszeniert, nie dauert etwas zu lange und vor allem der Endkampf ist kurz und knackig und sehr gelungen.

Insgesamt daher ein Film, der zwar grundsätzlich ähnlich wie andere Genre-Beiträge funktioniert, jedoch eine „psychopathische“ Zusatzebene liefert, die Allem dann einen frischen Touch verpasst. An der Spannungskurve, den Effekten und den Schauspielern habe ich auch nichts auszusetzen, das ist schon ein sehr solider Thriller geworden, der um einiges besser unterhält, als andere Action-Produktionen der letzten Zeit.

„SAS:Red Notice“ bekommt von mir 7/10 sich nicht in die Kategorie eines Psychopathen abstempeln lassende Empfehlungspunkte.


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