Banshee – Staffel 1 (Serienkritik)

15 Jahre ins Gefängnis zu gehen, damit die wichtigste Frau in deinem Leben samt den gestohlenen Diamanten flüchten kann, dass ist wahre Liebe. Wenn man genau diese Dame dann kurz nach der Entlassung in ihrem Versteck in der Kleinstadt Banshee wieder findet, sollte die Freude eigentlich unbeschreiblich groß sein. Blöd ist dabei nur, dass sie nun einen anderen Namen hat, verheiratet ist und zwei Kinder hat.

Der darauf folgende, dringend nötige Drink in der örtlichen Bar bietet jedoch unerwartet die Möglichkeit, doch in ihrer Nähe zu bleiben, um zumindest noch an den eigenen Anteil der Beute zu kommen. Der neue Sheriff der Stadt, den noch niemand je gesehen hat, wird bei einer Schießerei in genau derselben Bar erschossen. Schnell den Hackerfreund kontaktieren und schon heißt man ab nun Lucas Hood, Sheriff von Banshee. Das Chaos kann somit beginnen.

Banshee

„Banshee“ ist die neueste Originalserie des amerikanischen Senders Cinemax (Hunted) und bescherte ihnen die bis dato besten Quoten für eine selbstproduzierte Serie. Wie bereits bei einer anderen Serie des Senders, nämlich „Strike Back„, geht die Handlung hier klar erwachsene Wege. Überhaupt habe ich selten eine Action-Serie (was sie im Kern wohl auch ist, obwohl die Sache hier um einiges komplexer ist) gesehen, die so klar für Erwachsene gedreht wurde. Weg vom auch bei uns weit verbreiteten Weichspüler PG 13 Mist aus Amerika, gut find ich das, weiter so!

Schon alleine die Ausgangslage ist spannend und regt irgendwie auf eine ironische Art und Weise zum Schmunzeln an: ein Dieb/Gangster, der sich als Sheriff ausgibt und so in einer an sich ruhigen Kleinstadt, mit seinem „Oldschool – Dirty Harry“ Auftreten, für einigen Wirbel sorgt. Als potentiellen Gegner bzw. Verbündeten zieht der Unternehmer Kai Proctor in Banshee so ziemlich alle Fäden, wenn es um krumme Geschäfte geht. Ärger macht auch der dienstälteste Deputy, der eigentlich Sheriff hätte werden sollen und Hoods Methoden nicht dulden kann.

Die Herzensdame des Antihelden hat inzwischen nicht nur mit der pubertierenden Tochter, dem kranken Sohn und den Geheimnissen vor ihrem Mann zu tun, sondern kämpft auch mit den wieder aufflackernden, längst vergessen geglaubten Gefühlen für den neuen Sheriff. Die wahre Gefahr kommt jedoch von Gangsterboss Mr. Rabbit, der seit 15 Jahren seine Diamanten zurück möchte und vor allem eines will: Rache, die von der extrem blutig und schmerzvollen Art.

Was „Cinemax“ wirklich gut kann, ist toll gefilmte und dynamisch aussehende Actionsequenzen zu drehen. Was sie jedoch auch gerne haben, sind manchmal auch etwas ausgedehnte Sexszenen, in so gut wie jeder Folge. Warum mich dass hier weniger stört? Nun, dieses Szenen machen die Verhältnisse zwischen den Personen meistens noch komplizierter, bringen die Entwicklung der Leute voran und nicht selten lernt man sogar während dem Sex einiges über den Charakter der Beteiligten.

Was auch ein fester Bestandteil der Grundatmosphäre ist, ist die ständig in der Luft spürbare Anspannung, die nicht selten zu plötzlichen und brutalen Gewaltausbrüchen führt. Ohne Schonfilter aber auch ohne Hang zum Voyeurismus wird hier einiges gezeigt, was zwar immer zur Handlung passt, was das Erlebnis aber nicht weniger ungemütlich macht (eher im Gegenteil). Farblich gefallen mir vor allem die Rückblicke in die schönen Zeiten von früher und die dazu in starkem Kontrast stehenden Erinnerungen an die Gefängniszeit.

Trotz der Tatsache, dass dies eine Serie ist, die eine unglaublich große Anzahl an interessanten Figuren hat, ist der Mittelpunkt in diesem Chaos klar Lucas Hood. Der Neuseeländer Antony Starr, der mir zuvor nicht bekannt war, kann hier groß aufspielen. Vor allem den Wechsel von völlig furchtlos zu ohnmächtig verzweifelt, den bekommt er wirklich überzeugend hin. Man mag ihn einfach, fühlt mit ihm, der Kerl ist einfach cool und bekommt trotzdem ständig sein Gesicht demoliert. In Folge 6 der Serie sieht man, wie er (aus emotionaler Sicht) seine Unschuld im Gefängnis verliert, ein echtes Erlebnis, brutal auf mehreren Ebenen und der Albino-Typ ist seitdem einer meiner unangenehmsten Lieblingsbösewichte.

Ivana Milicevic ist Carrie bzw. Anastasia und obwohl oder gerade weil sie körperlich und seelisch öfters auch einen Striptease hinlegt, hat man ihr gegenüber eher ambivalente Gefühle. Sie will ihre Kinder schützen, das ist klar. Mit welchen Mitteln und wer dafür leiden muss, das ist aber eine Sache, die sie nicht immer sympathisch erscheinen lässt. Es gibt bei all den tollen Figuren echt keinen Darsteller, der seine Rolle nicht mit Leben füllen kann, alle kann ich zwar nicht nennen, ein paar müssen aber noch sein.

Hoon Lee ist Job, der Hackerfreund des Helden und der ist die schlagfertigste Tunte, die ich jemals gesehen habe. Den größten Anteil Humor aller Beteiligten bringt somit klar er ins Spiel. Er im Gespräch mit Frankie Faison, dem väterlichen Freund von Hood, da hört man einfach gerne zu. Ulrich Thomsen, verstossen von seiner gläubigen Familie, als einerseits völlig kontrollierter, andererseits manchmal gänzlich ausflippender Bösewicht Kai Proctor, ist ebenso einer der Highlights der Serie. Und Ben Cross als Mr. Rabbit ist einfach nur furchteinflössend, zwar weniger vielseitig in der Funktion als Antagonist als Proctor, jedoch nicht weniger beeindruckend.

Im Finale der zehn Folgen umfassenden ersten Staffel kracht es dann nochmal so richtig (sogar die Sexszene fehlt, ich wusste die können auch ohne) und ich muss schon sagen, selten war das Finale einer Serie so befriedigend, obwohl schon einiges an Handlung für die bereits genehmigte Staffel 2 angedeutet wird. Keiner der Beteiligten hat sich nach der Staffel nicht weiterentwickelt, niemand ist unbeschädigt davongekommen. Wenn man sich darauf einlässt, dann ist „Banshee“ ein echtes Triperlebnis. Action, Humor, Sex, Gewalt, zahlreiche liebenswerte und ein paar hassenswerte Charaktere, Gefühlschaos bei den Beteiligten und dem Zuseher, ich war mit dem Gesamtpaket äußerst zufrieden.

„Banshee“ bekommt von mir 9/10 den Dieb in uns Sheriff spielen lassende Empfehlungspunkte.


Ein Gedanke zu „Banshee – Staffel 1 (Serienkritik)

  1. Okay, jetzt hab ich nur die letzten Zeilen gelesen, weil ich nicht zuviel über die Serie lesen wollte. Ich hab nach der ersten Folge aufgegeben. Fand das so doof, dass die ersten Minuten eigentlich eher was von Videoclip hatten und konnte mich auch im weiteren Verlauf nicht damit anfreunden.
    Aber du scheinst ja echt begeistert.
    Hm. Vielleicht versuch ichs doch noch mal.

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