Beautiful Creatures (Filmkritik)

Ethan (Alden Ehrenreich) ist durch und durch ein Teenie. Er lebt ein ruhiges, seiner Meinung nach extrem langweiliges Leben in einer kleinen Stadt in South Carolina, bis ihm eines Tages ein Mädchen begegnet, das ihn fasziniert und ihm gehörig den Kopf verdreht: Lena (Alice Englert) ist anders als all die anderen Mädchen und sie stammt aus einer Familie, die einen schlechten Ruf hat. Die beiden kommen sich wider erwarten näher. Eines Tages erfährt Ethan, dass auf Lenas Familie ein Fluch lastet, der die Mitglieder an deren 16. Geburtstag in Hexen oder Dämonen verwandelt. So wird sich Lenas Leben am ihrem Geburtstag radikal verändern, denn sie kann nicht entscheiden ob sie sich auf die dunkle oder die helle Seite begibt…

beautiful-creatures

Da sieht man es wieder einmal. Mit den richtigen Erwartungen ins Kino zu gehen ist eindeutig die halbe Miete, denn wieder einmal habe ich mich köstlich über einen Film amüsiert, der zwar seicht, aber dafür umso unterhaltsamer war.

„Beautiful Creatures“ ist das erste Buch der auf vier Bände angelegten „Caster Chronicles“-Saga der Autorinnen Kami Garcia und Margaret Stohl. Der erste Teil erschien im deutschsprachigen Raum unter dem Titel „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“. Die Serie war ein weltweiter Erfolg, so dauerte es nicht lange, bis man sich entschied, der Versuch zu wagen, die Bücher auf die große Leinwand zu transferieren.

Regisseur Richard LaGravenese, der auch für das Drehbuchad sorgte, präsentiert hier einen Film der handwerklich solide gemacht und optisch sehr schön anzusehen ist. Vor allem der wohl dosierte Einsatz von (gut gemachten) Special Effects ist lobenswert zu erwähnen. Die Sets wirkten authentisch und vor allem das Haus von Macon (Jeremy Irons) war eines der Highlights in dieser Kategorie. Das Budget von 60 Millionen wurde hier wirklich gut investiert.

Vorab wurde der Film mehr oder weniger mit dem Twilight-Fanchise gleich gesetzt, wobei das eine Beleidigung für „Beautiful Creatures“ ist. Im Gegensatz zu „Twilight“ habe ich hier die Bücher nicht gelesen, überlege aber, ob ich mir diese nicht zu Gemüte führen soll, denn im Film hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass uns Zusehern essentielle Passagen vorenthalten wurden. Im Gegensatz zu „Twilight“ ist hier der Mann der Unwissende, der unbedarft in eine Welt stolpert, die potentiell tödlich für ihn sein könnte (die Gefahr hat hier aber nichts mit Sex zu tun – Gott sei Dank, denn die aufs Auge gedrückte Moral in „Twilight“ kann Übelkeit verursachen).

Das erste Drittel des Films war für mich das überzeugendste, da war Pepp und Schwung. Die Hauptdarsteller verhalten sich altersgemäß und sind einfach nur Teenies, die sich bei einem Date mal „Final Destination“ ansehen. Pop-Culture Anspielungen finden sich so einige, wenngleich viele einfach untergehen, weil man das Erzähltempo ziemlich angezogen hat. Und genau darin liegt eine der großen Schwächen des Films. Ab dem zweiten Drittel des Films schneidet man so viele Themen an, die aber dann nicht zur Zufriedenheit behandelt werden können. Da wären: ein Fluch, ein magisches Medaillon, eine gestalthüpfende böse Hexe und ganz nebenbei dann auch noch eine Liebesgeschichte. Manchen Filmen reicht schon einer dieser Plots, vielleicht wäre es hier besser gewesen, auf etwas zu verzichten, anstatt es nur halbgar zu behandeln.

Hauptdarsteller Alden Ehrenreich ist spürbar zu alt für seine Rolle als Ethan (aka Bella Swan) und man will dem 23-jährigen, der wie Mitte 30 aussieht, einfach nicht abkaufen im Film erst 16 zu sein. Dennoch ist er durchaus glaubwürdig in seiner Rolle. Er gibt Ethan eine spürbare Unsicherheit und Verletzlichkeit. Am Besten in Erinnerung ist mir noch eine Szene, in der er durch einen Zauber von Macon dazu gebracht wird, zu erzählen wie er sich seine Zukunft ausmalt. Mit einer Miene, als ob er gerade ein Rezept zum Brot backen vorliest, erzählt er eine Geschichte von Scheidung, Alkoholismus und davon, dass seine Leiche nur gefunden wird, weil sie zu stinken beginnt.

Alice Englert spielt Lena Duchannes, eine typische Einzelgängerin, der es anfangs so gar nicht geheuer ist, dass sich Ethan für sie interessiert und unterstellt ihm gleich mal unlautere Motive. Englert, die hier ihre erste größere Rolle spielt, gibt ihrer Figur eine Zähigkeit, unter der sich nach näherem hinsehen aber (wie so oft) ein weicher Kern befindet. Die Chemie zwischen ihr und ihrem Partner kam und ging, oft hatte man eher das Gefühl beste Freunde zu sehen, als ein Liebespaar.

Wer offensichtlich richtig Spaß beim drehen hatte, war Emma Thompson, die sich als machthungrige und durchtriebene Casterin so richtig in Zeug legte und ordentlich auf den Putz haute. Emmy Rossum als Männer willenlos machende Sirene steht ihr um kein bisschen nach und wenn man sich beiden so ansieht, glaubt man sofort, dass das Böse einfach mehr Spaß macht.

Jeremy Irons als Macon hat eine angenehme stilvoll-charismatische Präsenz im Film, die eine Art Ruhepol zu den eher durchgeknallten Charakteren von Rossum und Thompson bildet. Viola Davis als Amma war schwerst unterfordert und hatte eigentlich nicht viel zu tun, als den Zusehern und Ethan ein wenig über die Caster zu erzählen und ihren Schützling Ethan zu bemuttern.

Fazit: Natürlich ist der Film was er ist. Ein Film für die Sorte Jugendliche, die es derzeit anscheinend nach Fantasy-Filmen und Büchern gelüstet. Auch Nicht-Jugendliche werden mit den richtigen Erwartungen einen Film sehen, der um einiges besser ist als seine vampirische Konkurrenz (wobei die Latte hier ja nicht recht hoch gelegt wurde).

Dieser Film bekommt von mit 6/10 teilweise bezaubernden Punkten


Ein Gedanke zu „Beautiful Creatures (Filmkritik)

  1. Oh, das klingt ja unerwartet positiv :). Hatte mir damals überlegt den Film wegen der Darsteller anzusehen, hab ihn dann aber auf die DVD-Liste gesetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.