Sputnik (Filmkritik)

Tatyana Klimova (Oksana Akinshina) wird von der Regierung abgeholt, denn sie hat zwei Dinge: Expertise und Mumm. Ihr Auftrag: Eine psychologische Abklärung, denn ein Raumschiff der Russen ist auf dem Rückflug zur Erde abgestürzt und der Überlebende benimmt sich seltsam. Deshalb ist auch in Gewahrsam und wird von Colonel Semiradov (Fedor Bondarchuck) in Isolation gehalten.

Rasch wird sie jedoch mit der Wahrheit konfrontiert: Im Körper des Astronauten versteckt sich eine außerirdische Lebensform, die ihn als Wirt benutzt und nur nachts hervorkommt, da Sonnenlicht ihr schadet.

Und die Frage stellt sich: Ist die Kreatur gefährlich? Kann sie ihren Wirt kontrollieren oder kontrolliert ihr Wirt sie?

Für mich kam der Film halbwegs aus dem Nichts und er kam gerade zur rechten Zeit, den ich habe (von Zeichentrickserien abgesehen) schon lange keinen Sci-Fi-Film mehr gesehen. Und in Kombination mit einem coolen Monster sowieso schon ewig nicht mehr. Im Vorfeld habe ich sehr gemischte Meinungen gehört: Schlecht, weil zusammengeklaut. Sinnlose Aneinanderreihung von Szene. Keine kohärente Geschichte. Schlecht gespielt und was weiß ich noch alles.

In meinen Augen: Alles Nonesense.

Es ist für mich immer wieder überraschend, wie oft sich Leute zu Kritik an Story und Logiklöcher hinreissen lassen, bei denen nach drei Sätzen klar ist, dass sie den Film nur mit halbem Auge angesehen haben. (Meine Lieblingsanekdote war im Kino bei „Stephen Kings ES“: Ein Typ hat den ganzen Film lang im Kinosaal am Handy gelesen(!) und als der Film zuende war, hat er einen Freund angerufen (noch während des Abspanns) und meinte: „Der Film war Mist. Nichts erklärt, einfach Sachen gestrichen, die im Buch vorkamen, kannst du vergessen.“)

Deshalb von meiner Seite folgende Klarstellung: Nein, die Story ist nicht neu. Nein, das Dilemma der Protagonistin des Films ist auch nicht neu. Nichts davon ist richtig neu. Aber es wird super erzählt, gut dargestellt und alle Akteure agieren in meinen Augen absolut nachvollziehbar, ihren eigenen Motivationen entsprechend. Zusammengefasst: Ich fand ihn wirklich gut.

Gegen Ende wird für mich ein bisschen zu sehr auf die Action-Tube gedrückt und welchen Weg das Finale geht ist auch irgendwie relativ flott klar, dafür ist der Weg dahin spannend, super anzusehen und toll gespielt. Natürlich spielt die gesamte Truppe ein bisschen unterkühlt, aber ich denke mal, das liegt daran, dass der Film von Russen und für Russen gedreht wurde (ich habe ihn in russischer Sprache mit Untertiteln gesehen) und ich fand die Emotionen alle passend. Wir reden hier ja dennoch von (großteils) eiskalt kalkulierenden Soldaten.

Die „Lebensform“ ist ziemlich cool geworden. Anfangen vom optischen Design, über ihre Bewegungen bis hin zu ihren Eigenheiten (wo lebt sie, wovon ernährt sie sich und so weiter) ist alles gut durchdacht und wirklich unheimlich. Allein das erste „Treffen“ bzw. Auftauchen unter den Augen von Tatyana, das hat schon was. Eklig und faszinierend zugleich. Hut ab. Diese Kombination kriegen heutzutage nur wenig Filme hin.

Die Kameraarbeit ist sehr gut, der Schnitt ebenfalls – man bekommt alles mit, was man mitbekommen will. Ich kann also in keiner Weise etwas an dem Film bekritteln, von der Tatsache, wie oben erwähnt, abgesehen, dass es halt von der Grundidee und der Geschichte her absolut nichts Neues ist. Braucht es aber auch nicht zu sein, solange das, was ich sehe, sich frisch anfühlt und unterhaltsam bleibt – dieses Mal sogar mit einem Ende, welches tatsächlich ein Ende ist und mich sehr zufrieden zurückgelassen hat. Kein großer Film, aber ein guter Film.

„Sputnik“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, meinen Hunger nach Sci-Fi-Kreaturen wieder ein bisschen stillende, Punkte.


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