Force of Nature (Filmkritik)

Ein Hurrikan ist für die meisten Menschen ein Grund zur Flucht. Nicht so für Ex-Cop Ray (Mel Gibson), der auch wenn seine Tochter Troy (Kate Bosworth) ihn dazu drängt, seine Wohnung nicht evakuieren will. Auch Polizist Cardillo (Emile Hirsch) und seine Partnerin Jess (Stephanie Cayo) haben ihr Schwierigkeiten, ihn zu überreden. Bald kommen jedoch noch akutere Probleme auf sie zu.

Während draußen der Sturm tobt, dringen bewaffnete Männer in das Gebäude ein, auf der Suche nach gestohlenen Gemälden im Wert von Millionen. Das Wohnhaus wird somit zur Falle, aus der es nur einen Ausweg gibt: alle bösen Jungs beseitigen, bevor sie die Beute finden können und nebenbei alle Zeugen erledigen. Gut dass Ray nicht vor hat, leise und auf Grund seiner schweren Krankheit zu sterben…

Mel Gibson sieht man mittlerweile auch nur mehr seltener (circa einmal im Jahr erscheint ein Film mit ihm) und oft sind diese auch B-Movies und nicht fürs Kino konzipiert (eine Aussage, die natürlich durch den Corona-Lockdown, wieder etwas relativiert wird). Für Regisseur Michael Polish (Nona) ist er nun zurück in einem „Stirb Langsam in einem Wohnkomplex und draußen wütet ein Tornado“ Szenario und das ist dann ungefähr genau so, wie es klingt.

Nur dass sich der Fokus gleich auf mehrer Figuren konzentriert und auch wenn der von Emile Hirsch gespielte Cardillo wohl die zentrale Figur ist und sich als einziger weiter entwickelt, wirkt das Ganze doch sehr nach einem Ensemble-Erlebnis. Passend ist dabei die Grundstimmung, was den Umgang der Personen miteinander betrifft, denn der Ton ist klar von sarkastischen Bemerkungen durchsetzt. Oft deshalb, weil die Menschen hier nicht gleich über ihre wahren Gefühle reden.

Überhaupt sollte man das Ganze wenn dann locker sehen und nicht ernst nehmen, sonst wäre man wohl schon geistig ausgestiegen, bei der Szene mit dem „etwas anderen Haustier“ (worauf ich aus Spoilergründen, nicht näher eingehe). Man kann hier schon drum herum schreiben, doch im Prinzip ist es so: Mel Gibson soll hier ja Bruce Willis ersetzt haben und was der gute Bruce so für Filme gedreht hat in letzter Zeit, das kann man sehr schön auf unserem Blog verfolgen.

Da ist Force of Nature schon klar darüber angesiedelt, denn trotz oder genau wegen all den übertriebenen und sehr aufgelegt wirkenden Momenten, macht das Ganze Spaß. „Grumpy old Mel (Blood Father) hat sichtlich Freude daran, herum zu husten und seine Weisheiten und Beleidigungen unters Volk zu bringen. Viel muss er dafür nicht leisten, aber besser als Willis mit seiner derzeitigen Motivation, ist er allemal.

Emile Hirsch (Freaks) ist sehr authentisch als gebrochener, ja zunächst wirklich unsympathischer weil an Allem desinteressierter Mann, der seinen Kampfgeist wieder findet. Immer her mit den Extremsituationen, dass wirkt scheinbar Wunder. Kate Bosworth (Before I Wake) als resolute Ärztin hat eine gute Chemie mit ihm und ist nie die Dame in Not, die gerettet werden muss.

Die Kämpfe und Schießereien sind unspektakulär und manchmal auch unübersichtlich geschnitten, aber das ist kaum der Fokus der Macher gewesen denn soviel sei verraten: das Finale selbst, bekommt man nicht zu sehen, nur das Resultat danach. Weil jedoch die Figuren Ecken und Kanten haben und man ihnen gerne zuschaut, verkommt dieses Abenteuer nie zu einem hanebüchenen Trash, obwohl es das im Kern durchaus ist.

Hirn aus und Freude an den spielfreudigen Darstellern an, so ist sehr leichte Unterhaltung für Actionthriller-Freunde garantiert. Mel Gibson sehen wir als nächstes in „Boss Level“ von Regisseur Joe Carnahan (Stretch), wo es um einen Soldaten geht, der in der Zeitschleife den Tag seines Todes immer wieder erlebt. Wenn Mel weiterhin dem B-Movie Enthusiasmus eines Nicolas Cage behält, dann wird das sicher eine lustige Sache.

„Force of Nature“ bekommt von mir 5/10 sich von der Ruhe nach dem Sturm, neue Perspektiven erarbeitende Empfehlungspunkte.


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