Tiger House (Filmkritik)

Eigentlich passt Kelly (Kaya Scodelario) überhaupt nicht in die reiche, von Privilegien untermauerten und mit einer Aussicht auf eine blendende Zukunft versehene Welt ihres Freundes Mark. Da sie ihn jedoch liebt, er ein schlechtes Gewissen hat, weil er ihr unabsichtlich mit einer Armbrust in den Fuß geschossen hat und er zusätzlich morgen auch noch seinen Geburtstag feiert, schleicht sie sich heimlich in sein Elternhaus, um mit ihm die Nacht zu verbringen.

Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter gewählt sein denn ausgerechnet in dieser Nacht, dringen Shane (Dougray Scott) und seine drei Partner in das Haus ein und fesseln Mark und seine Mutter, um so von seinem Stiefvater viel Geld erpressen zu können. Kelly versteckt sich im letzten Moment unter dem Bett, doch was kann sie tun? Flüchten? Selbst die Geiseln befreien? Vor allem der ziemlich gewaltbereite und von Shane nur bedingt kontrollierbare Callum (Ed Skrein), macht ihr bei ihren Versuchen eine Lösung für ihre Situation zu finden, das Leben schwer.

Tiger House

„Tiger House“ ist eine englisch-südafrikanische Koproduktion, spielt in England, wurde aber innerhalb von fünf Wochen mit den neun mitspielenden Schauspielern, in Afrika gedreht. Mit diesem „Home-Invasion“ Thriller feiert Theater-Regisseur Thomas Daley sein Debüt, der in filmischer Form, bis jetzt nur einige Kurzfilme aufweisen konnte. Mit einer Spielzeit von nur circa 80 Minuten ist dieses Abenteuer zwar nicht sonderlich lang geraten, lässt so aber auch kaum Platz für unnötige Längen.

Der stärkste Pluspunkt ist wohl, dass Kelly´s Charakter sehr geschickt geschrieben worden ist ins Drehbuch, sodass man sie schnell auf eine nicht erzwungen/manipulativ wirkende Art gerne hat. Den Freund gewählt nach Gefühl und nicht wonach er herkommt, ist sie in den Augen seiner Mutter selbstverständlich nicht gut genug für ihren Sohn und ein schlechter Einfluss obendrein. Dass sie Turnerin ist und durch eine durch ihren Freund verursachte Verletzung derzeit ausfällt ist eine Sache, dass sie unabsichtlich von ihm schwanger wurde, eine ganz andere. Ihre Zukunft, wie soll die nur aussehen?

„Glücklicherweise“ kommt jedoch bald Ablenkung in Form der Bösewichte und schon sind alle Probleme plötzlich unwichtig, es geht nur mehr ums Überleben. Sehr fein finde ich, dass Kelly hier nicht zur unzerstörbaren Heldin mutiert, auch wenn sie gegen Ende, für mich inszeniert wie ein überzeichneter, ironischer Seitenhieb auf das Genre, in den „Badass-Modus“ übergeht. Flucht und ein Versteck finden sind instinktiv ihre obersten Ziele, sie geht nicht nur einmal in eine Richtung, nur um gleich wieder zurück zu laufen, sie reagiert emotional, schreit auch (wenig sinnvoll) um Hilfe und muss sich mit Entspannungs-Übungen aus ihrem Training beruhigen.

Überhaupt ist ihre sportliche Seite oft das ausschlaggebende Element, dass sie am Leben hält. Kaya Scodelario war ja zuletzt in Die Auserwählten in der Brandwüste zu sehen, dem zweiten Teil ihres Maze Runner Franchise und darf im Jahr 2017 mit Johnny Depp in „Pirates of the Caribbean 5“, hoffentlich die Fluch der Karibik Reihe, mit frischem Wind versehen. Hier empfiehlt sie sich jedenfalls als starke junge Dame mit interessanter Ausstrahlung, schön aber nicht langweilig, natürlich und emotional, aber auch überlegt und kämpferisch.

Ebenfalls erstmals gesichtet habe ich hier Ed Skrein, der dieses Jahr in The Transporter Refueled, als Hauptfigur Jason Statham abgelöst hat und 2016 versuchen wird, „Deadpool“ das Leben schwer zu machen. Als Callum wirkt er zunächst wie ein aufmüpfiger Junge, nur um dann später umso mehr den brutalen und geistig sich etwas außerhalb der Norm befindenden Psycho spielen zu dürfen. Dougray Scott (Taken 3) schließlich rundet das starke Hauptrollen-Trio ab, spannend ist dabei vor allem wie sehr er seinen eingeschlagenen Lebensweg bereut und ob seine Person bzw. sein Zustand, offensichtliche Gefahr oder sogar mögliche Hilfe für Kelly bedeutet.

Die Atmosphäre ist von Beginn an einnehmend und bedrohlich, dass die vier Geiselnehmer zueinander ehrlicher sind bzw. eine stärkere Bindung haben als Mark und seine Familie, ist dabei bezeichnend und unterstützt das feindselige Grundgefühl. Brutal sind aber nicht nur die Emotionen, auch das Morden ist nie eine schöne Sache, wobei sich diese Szenen zurückhalten (oder abseits der Kamera passieren) und somit schnell klar ist, dass dies kein Horrorfilm ist oder sein will. Die Theatererfahrung von Regisseur Daley macht sich dabei vor allem durch diese unmittelbare „in your face“ Mechanik, positiv bemerkbar.

Ein Haus plus Garten und neun Menschen, von denen die meisten die nächsten Stunden nicht überleben werden. Insgesamt also ein auf eine Location beschränkter, zwar kleiner doch durchaus feiner Thriller, der für mich filmisch vor allem wegen der Figur von Kelly funktioniert und auf der Metaebene weil ich nun weiß, warum ich es gut finden sollte, dass man Scodelario und Skrein, in Zukunft noch öfter auf der Leinwand sehen können wird. Wer also bereits ihr Fan ist, kann sowieso nichts falsch machen, ich persönlich schätze einfach hin und wieder die Vorzüge eines kleinen Abenteuers, sozusagen als willkommene Abwechslung zum Blockbusterkino.

„Tiger House“ bekommt von mir 7/10 am Ende die richtigen Entscheidungen für eine bessere Zukunft treffende Empfehlungspunkte.


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