Haunter – Jenseits des Todes (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 1985. Lisa (Abigail Breslin) ist frustriert. Eigentlich gäbe es ja einen guten Grund fröhlich zu sein, denn es ist der Tag vor ihrem sechszehnten Geburtstag. Pech nur, dass sich genau dieser Tag vor ihrer Feier immer wieder wiederholt. Das Telefon ist tot, das Haus in eine dicke Nebelwand eingehüllt und alle Versuche ihren Eltern zu erklären, was sie gerade erlebt, treffen klarerweise auf kein Verständnis.

Als Lisa jedoch eines Tages Klarinettenmusik, Stimmen und verschiedene andere Geräusche aus den Lüftungsschächten hört, geht sie der Sache nach. Sie glaubt zunächst mit einem Geist in Kontakt getreten zu sein und will nichts mit der Sache zu tun haben, doch als sich ihr immer wieder gleich ablaufender Tag plötzlich zum Negativen ändert weiß sie, dass sie schnell etwas unternehmen muss. Was geht hier genau vor und wer ist der Kerl von der Telefonfirma (Stephen McHattie), der eindeutig mehr weiss, als er zugeben will?

Haunter

Seit seines ersten Erfolges „Cube“, ist es still geworden um Regisseur Vincenzo Natali. Alle paar Jahre lässt er dann wieder mit einem ambitionierten Projekt aufhorchen, das dann inhaltlich anspruchsvoll daherkommt und vor allem optisch immer völlig zu überzeugen weiß (so wie „Cypher“, „Nothing“ oder zuletzt „Splice“). Bevor er seinen Beitrag zur Fortsetzung der Kurzfilmsammlung „The ABC´s of Death“ präsentiert, meldet er sich nun nach vier Jahren Pause mit einer klassischen Geistergeschichte zurück.

Eine fast hypnotisch-geisterhafte Kamerafahrt durch Stellagen voller mit lebendigen Schmetterlingen gefüllten Gläsern, unterlegt mit einer gruseligen Geräuschkulisse. Schon im Vorspann wird klar, dass Natali nichts verlernt hat. Überhaupt ist beinahe der gesamte Film mit einem unglaublich saftigen und warmen Filter versehen worden, der das Geschehen in Bilder der Marke „zu schön um wahr zu sein“ tränkt.

Beeindruckender Weise habe ich schon lange nicht mehr bei einem Film so viele wunderschöne Einstellungen gesehen, egal ob das nun die Farben, das Zoomen oder das Spiel mit der Schärfe/Unschärfe betrifft. Und das Ende, in dem die Bewegungen und Bildfehler wie in einem alten Stummfilm gestaltet sind, ist wirklich großartig gelungen. Selbst den zeitweisen Einsatz von offensichtlichen CGI-Effekten, habe ich nie als störend empfunden.

Der gesamte Cast spielt hier groß auf, doch vor allem Abigail Breslin („The Call„, „Enders Game„) darf hier als klare Heldin und Identifikationsfigur im Film zeigen, was sie so drauf hat. Und da macht sich ihre jahrelange Erfahrung als Kinderstar wieder mal bemerkbar, denn ihre Performance ist in ihrem Facettenreichtum der Atmosphäre angepasst und sie hat die Sympathien schnell auf ihrer Seite. Dürfte mal ein großer Star werden, wenn sie so weiter macht. Talent hat sie auf jeden Fall einiges, genau wie Routine.

Extra erwähnen muss ich auch Stephen McHattie („Pontypool„, „The Tall Man„) als The Pale Man bzw. der Killer im Film. Eine Gänsehaut bekommen, wenn der Mann nur grinst? Sich unwohl fühlen, wenn man im selben Raum mit ihm ist? Ja, trifft beides zu und noch mehr. Ich kenne ihn ja auch in positiven Rollen aber wenn er Schurken spielt, dann kann er wirklich glänzen. Besonders seine spielerische Art seine Taten als Kunst zu sehen und um seinem kranken Sammlertrieb nach zu gehen, kommen gut zur Geltung.

Diese geballten positiven Eindrücke können aber eines leider nicht ganz verhindern, denn echte Spannung kommt nur in einigen Szenen auf, doch niemals durchgehend. Ob es nun daran liegt, dass einfach schon zu viele Geisterfilme auf dem Markt sind, um echte Eigenständigkeit auch auf der Story Ebene zu erlangen, oder ob die spoilerischen Trailer oder der ziemlich bald im Film verratene Twist (der vielleicht aber eben eh keiner sein will) ihren Teil dazu beitragen, ist mir nicht ganz klar, aber das ist dann auch schon der einzige, wenn auch nicht ganz unerhebliche Kritikpunkt bei diesem Erlebnis.

Insgesamt ein Film, den ich dank der Optik und der Darsteller sehr gerne gesehen habe und mich auch mitreissen lassen konnte. Spannend ist dabei aber vor allem, wie die Reise ausgehen wird, nicht was jetzt in welchem Moment hinter der Türe oder am Dachboden versteckt ist. Und wie der Bösewicht seine Opfer findet, ist dann doch wieder einfallsreich und ziemlich ausgefeilt bösartig. Ein echt guter Film eben bei dem ich mir gewünscht hätte, er wäre richtig toll geworden.

„Haunter“ bekommt von mir 7,5/10 die Geister die man ruft, auch gleich wieder los werdende Empfehlungspunkte.

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