Pontypool – Radio Zombie (Filmkritik)

Seltsam. Das Wort ist passend. Die Bewohner rund um Grant Mazzy (Stephen McHattie), seines Zeichens Radiosprecher, benehmen sich seltsam. Bereits am Weg zur Arbeit taucht aus dem Nichts eine Frau auf, presst ihre Hand auf seine Seitenfenster und flüstert ein Wort, dass er nicht hört. Die Sache beschäftigt Grant aber und er spricht in seiner Morgenshow darüber, was seiner Chefin Syndey Briar (Lisa Houle) nicht gefällt, aber die Assistentin Laurel-Ann (Georgina Reilly) hält zu ihm.

Dann geschehen seltsame Sachen. Es kommen immer mehr Anrufe von Bürgern, die seltsame Vorkommnisse in der Stadt berichten. Von einem Aufstand ist die Rede, von seltsamen Gesängen un schließlich gibt es die ersten Toten. Eine Seuche scheint sich auszubreiten, welche die Bewohner zu hirnlosen Mordmaschinen macht, aber niemand kann sich erklären, wie sie sich ausbreitet. Die Idee entsteht, zu fliehen, aber wer berichtet dann? Wer warnt die Radiohörer vor dem drohenden Unheil? Also bleiben Grant, Sydney und Laurel-Ann in der Radioanstalt und berichten aus erster Hand, was vor sich geht …

Pontypool

Ich kann nicht glauben, was ich im Internet an Einspielergebnissen für diesen Film gefunden habe. Gerade mal 3.000,– Dollar. Und das steht auf mehreren Seiten. Unglaublich. Vor allem deshalb, weil „Pontypool“ ein Film ist, wie ich ihn in dieser Form noch nie gesehen habe. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um einen Zombiefilm, der eigentlich zum größten Teil in nur einem Raum spielt – nämlich einer Radiostation. Das klingt jetzt erst einmal extrem langweilig, wird aber dermaßen genial umgesetzt, dass der Film auf diesem engen Raum eine Spannungskurve erreicht, die lange kein anderer Film mehr erreicht hat. Da kommen Anrufe von Augenzeugen, die berichten was los ist, während Grant, Syndey und Laurel-Ann ungläubig zuhören, die ersten Leute noch als Idioten abtun und sich dann immer mehr der Tatsache stellen müssen, dass da draußen wohl DOCH etwas sein muss.

Sie sehen es aber nicht, können nur den immer unglaublicher werdenden Schilderungen ihrer Reporter vor Ort lauschen, Fragen stellen und sich daraus mit viel Glück Zwei und Zwei zusammenreimen. Für die Spannung absolut wichtig ist in diesem Zusammenhang ein extrem gelungenes Sounddesign, das klar und deutlich alle Worte stilecht überträgt und Schauspieler (oder in diesem Fall – Redner), die ihre Emotionen absolut glaubwürdig übers Telefon rüberbringen. Wann hat man sich schon das letzte Mal gefürchtet, nur weil jemand über eine Telefon beschreibt, was er sieht? Eine Spitzenleistung, alle Achtung. Dazu kommt noch, dass es ein genialer Schachzug war Stephen McHattie als Radiosprecher zu engagieren, hat der Mann eine Stimme, der man tagelang zuhören könnte (im Original wohlgemerkt). Dass man die Mutter seiner Tochter auch gleich in den Film als seine Chefin einbaut, macht die Sache noch spannender, da die Chemie zwischen den beiden einfach stimmt. Perfektes Casting. Dazu wird dann noch Georgina Reilly als Assistentin der Technik dazu gesetzt und – Hand aufs Herz – der Frau kann man nach den ersten zehn Minuten nur wünschen, dass sie heil durch alles kommt. Liebenswert, nett und freundlich.

Doch alles kommt ganz anders. Was sehr gut gelingt, ist es trotz der beschränkten Räumlichkeiten immer wieder unerwartete Situationen einzubauen. Ich will das hier nicht verraten, weil diese Szenen einfach unglaublich viel zur Spannung beitragen und auch wenn man vieles schon ähnlich gesehen hat – sicher noch nicht so und vor allem nicht dermaßen stilsicher inszeniert.

Schade, dass dann die Auflösung und das Ende letztlich enttäuschend sind, da hatte ich mir mehr erwartet. Gegen Ende hin wird wie wild versucht die „Seuche“ logisch zu erklären und man verliert sich in einer Pseudophilosophischen Abhandlung über … nein, auch das kann ich nicht verraten. Aber seid euch sicher: Es interessiert euch eigentlich nicht. Mich hätte es auch nicht gestört, wenn nie erklärt worden wäre, wie die Sache zustande gekommen ist, aber immerhin ergibt die Szene NACH dem Abspann Sinn, wenn man verstanden hat, was einem erklärt wird. Dieser kleinen Schwäche zum Trotz kann ich nur wiederholen, dass der Film trotz (oder gerade deswegen) der wenigen Räume in denen er spielt und aufgrund der wenigen agierenden Figuren extrem spannend ist.

Und eine Bitte: Ignoriert den absolult nicht passenden, doofen deutschen Untertitel „Radio Zombie“. Eine der dümmsten „Übersetzungen“, die ich jemals gelesen habe. Wer denkt sich sowas aus? Echt jetzt.

„Pontypool“ ist ein Ausnahmefilm und ich kann ihn jedem und jeder Spannungsfreund/in nur wärmstens ans Herz legen – gebt ihm eine Chance, ihr werdet ihn mögen.

„Pontypool“ bekommt von mir 8,5 von 10 möglichen, den Untergang der Welt durch die Anrufer in einer Radiostation mitverfolgende Punkte

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Ein Gedanke zu „Pontypool – Radio Zombie (Filmkritik)

  1. Genialer Film. Only Downside – die Erklärung am Ende. Aber da die ja erst zum Schluss kommt, unterhält der Film trotzdem super.

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