Arsenal (Filmkritik)

Während JP (Adrian Grenier) sich nach oben gearbeitet hat und seine eigene Firma leitet, ist Mikey (Johnathon Schaech) auf die schiefe Bahn geraten und hat ständig mehr oder weniger illegale Geschäfte am laufen. Dennoch, eines hat sich nie geändert und das ist die Bruderliebe, die die beiden Männer füreinander empfinden und die Loyalität zueinander.

Als Gangsterboss Eddie King (Nicolas Cage) den Vorschlag macht, JP um viel Geld zu erleichtern, lehnt Mikey daher sofort ab. Doch er wird von Eddies Männern verprügelt, entführt und sie fordern Lösegeld. Mit Hilfe seines Freundes, dem Undercover-Cop Sal (John Cusack), kommt JP zwar Eddie und seinen Männern auf die Spur, doch dieser hinterlässt bei seinen Geschäften keine Zeugen und die Polizei macht in diesem Fall auch keinen Finger krumm…

Regisseur Steven C. Miller ist zurück! Ob das ein Grund zur Freude ist? Nun, seinen Film Extraction fand ich ziemlich mies, bei Marauders konnte ich zuletzt aber eine gewisse Qualitäts-Steigerung feststellen. Zusätzlich ist sympathisch, dass er zwei seiner Darsteller zu seinem aktuellen Projekt mitgebracht hat. Ob es nun auch am neuen amerikanischen Präsidenten liegt sei dahin gestellt, aber das Thema Selbstjustiz wird hier wieder zelebriert, wie in den Actionfilmen der guten 80er/90er Jahre, nur heutzutage eben mit einem bitteren Nachgeschmack.

Aber genug davon, es gibt hier im Prinzip genau zwei Dinge, die diesen Film prägen. Da wären zunächst mal die Zeitlupen-Szenen. Eingesetzt nur in Momenten, bei denen Gewalt ausgeübt wird, wird das Verspritzen von Blut in der Gegend und das Eindringen von Kugeln in diverse Körperteile regelrecht zelebriert. Die dazu ertönende Gospel-Musik, liefert dabei ein schräge Zusatzebene. Ohne diese verlangsamten Sequenzen, wäre der Film eine gefühlte halbe Stunde kürzer. Ach ja, Nicolas Cage ist bei fast jedem dieser Momente mit dabei.

Was mich gleich zum zweiten „künstlerischen Schwerpunkt“ hier führt. Ich hab früher einmal Bruce Willis auf Grund seiner zahlreichen Ausflüge ins Heimkino mit ihm verglichen, doch das wird ihm wirklich nicht gerecht. Auch wenn er hier nur eine Nebendarsteller ist, die Maske ihm eine seltsame Nase verpasst hat, die Perücke unecht aussieht und der Schnauzer einfach nur lächerlich wirkt, er dominiert den Bildschirm in all seinen Szenen. Dass er ausflippen kann auf Autopilot wie kaum eine anderer ist mir schon klar, was diese Szenen aber in keiner Weise weniger authentisch oder unterhaltsam wirken lassen.

Ansonsten ist dies die Geschichte von zwei Brüdern, die trotz aller Differenzen und unterschiedlichen Lebenswegen, immer zueinander gehalten haben. Erklärungen wie bestimmte Beziehungen entstanden bzw. zerbrochen sind – zum Beispiel wie die Brüder zu einem Undercovercop-Kumpel gekommen sind, der bei Mikey scheinbar ständig beide Augen zudrückt, wird nicht gezeigt – und neben den actionreichen Momenten, dominieren Gespräche und das Aufeinandertreffen von JP´s heiler Familienwelt und Mikey´s zerrütteter Welt das Geschehen.

Johnathon Schaech (Vice) als Mikey hat die stärkste Ausstrahlung hier, sein Kampf gegen sich selbst, damit er nicht ständig Versuchungen nachgibt, ist von seinen Blicken schön abzulesen. Einfach ein cooler Typ, der Pech hatte und oft die falschen Entscheidungen getroffen hat und immer noch trifft. Adrian Grenier (Entourage) als JP hingegen, hat da weit weniger Präsenz und sein plötzliches Umschalten vom braven Familienvater hin zum Bösewichte über den Haufen schießenden Rambo, habe ich ihm einfach nicht abgekauft.

Nicolas Cage (Con Air) als Eddie King ist überdreht, ständig unter Drogeneinfluss und hat mit Aktionen, die den gewaltsamen Tod seiner Feinde miteinschließen, überhaupt kein Problem. Irgendwie nimmt man ihn nicht ganz ernst, bedrohlich wirkt er dennoch gleichzeitig (er kann das einfach). Bei John Cusack (Hot Tub Time Machine) als Sal finde ich nicht erschreckend wie er spielt, sondern wie belanglos seine Rolle ist, vom künstlerischen Anspruch her. Sozusagen der Prototyp der Rolle: „die wirklich jeder Darsteller spielen kann, egal wie schlecht er ist“.

Insgesamt daher ein Film für Fans von Nicolas Cage mit einem klaren Schwerpunkt auf seiner manischen Seite und für Freunde von Slow Motion – Momenten, in denen die Leinwand rot gefärbt wird. Auch wenn der Film sich sehr ernst nimmt und auch die Inszenierung diesen Eindruck vermitteln will, bitte das Geschehen nicht allzu ernst nehmen und auch nicht viel nachdenken, dann steht einem anspruchslosen Thriller/Drama-Abend für Erwachsene nichts mehr im Wege.

„Arsenal“ bekommt von mir 6/10 als Familie gemeinsam den Feind zur Strecke bringende Empfehlungspunkte.


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