Vengeance: A Love Story (Filmkritik)

Nach einer Partynacht bei ihrem Freund, nehmen Teena (Anna Hutchison) und ihre Tochter Bethie (Talitha Bateman) am Weg nach Hause, eine Abkürzung. Dort werden sie von vier Männern überfallen, die Teena zusammenschlagen und vergewaltigen, während ihre Tochter verletzt in einer Ecke kauert. Kurze Zeit später, findet der Polizist und Golfkriegsveteran John (Nicolas Cage) die verstörte Bethie auf der Straße und nimmt sich des Falles an.

Was auf Grund der Beweise und der eindeutigen Identifizierung der Täter durch die Opfer ein schneller Prozess sein müsste, wird schnell zum Alptraum für Teena. Die Eltern von zwei der Täter, haben nämlich einen Staranwalt (Don Johnson) engagiert und der Rechtsverdreher weiß genau, wie er seine Mandanten frei bekommen wird. Sie haben jedoch ihre Rechnung ohne John gemacht, der Gerechtigkeit über alle anderen moralischen Werte stellt.

Regie bei dieser Verfilmung des Romans „Rape: A Love Story“ (der Name war dann wohl doch zu provokant für die Amerikaner, deswegen der Wechsel von „Rape“ auf „Vengeance“ im Titel) der Autorin Joyce Carol Oates aus dem Jahr 2003, führte der langjährige Stunt-Koordinator Johnny Martin (Stirb Langsam 4.0, Matrix Reloaded), der hiermit seinen vierten Film abliefert. Ursprünglich wollte Nicolas Cage selbst Regie führen, doch er entschied sich schließlich dafür, sich mit der Funktion als Produzent und Hauptdarsteller zufrieden zu geben. In der Kritik finden sich übrigens ein paar SPOILER, war hier wieder mal nötig, um zu beschreiben was ich genau meine.

Ich habe ja keine Ahnung, ob der Roman ebenfalls nach einem klaren schwarz-weiß Schema funktioniert, aber es spielt im Prinzip auch keine Rolle. Die Musik, die Farbgebung, die emotionalen Szenen, alles lenkt den Zuschauer wenig subtil in eine Richtung. Die Opfer sind normale, lebensfrohe Menschen, die Bösen asoziale, amoralische und teilweise verzogene Muttersöhnchen und der Held, der ist emphatisch und schweigsam. Aber was erwartet man auch von einem Film, auf dessen Poster der Satz „über gut und böse steht die Gerechtigkeit“ steht?

Die Absicht ist klar, ebenfalls die Verteilung der Sympathiepunkte, wirklich wütend wird man aber nicht (nur) auf die Täter, sondern auf das Rechtssystem. Es wird sogar angesprochen, dass es nicht um die Wahrheit oder die Beweise geht, sondern nur um die Qualität der Geschichte, die die Geschworenen zu hören bekommen. Wird diese gut verkauft, dann wird aus einem unschuldigen Opfer, schnell ein Täter. Wenn der schleimige Anwalt dann auch noch mit dem Richter befreundet ist, dann ist die Sache sowieso schon gelaufen.

Bleibt wieder mal nur die Selbstjustiz? Ja? Nein? Ist doch nur ein Film? Bei dieser Story wird klar suggeriert, dass es nur die Zerstörung auf verschiedenen Ebenen von Mutter/Tochter auf der einen Seite gibt, oder das endgültige Beseitigen ihrer Peiniger auf der anderen. Ehrlich gesagt habe ich beim Anschauen auch auf die Metaebene gepfiffen und wollte einfach nur sehen, wie Cage diese Mistkerle endlich fertig macht. Was er dann natürlich auch tut (nein, das ist kein Spoiler, sondern nur logische Konsequenz), auf eine direkte, sehr effektive Art und Weise.

Dass Nicolas Cage (Arsenal) auf Knopfdruck ausflippen kann, wissen seine Fans schon lange. Wie er hier aber überzeugend den wortkargen Typen spielt, der soziale Kontakte eher meidet, jedoch sehr gut zuhören kann und lieber Taten als Worte für sich sprechen lässt, was soll ich sagen, so habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen. Man merkt einfach, dass ihm diese Rolle/dieser Film nicht egal ist, sonst hätte er auch wohl kaum ursprünglich die Regie übernehmen wollen.

Anna Hutchison (Cabin in the Woods) als Teena ist ebenfalls gut, besonders der Wechsel von der starken Frau hin zum menschlichen Wrack tut beim Ansehen einfach weh. Mit Talitha Bateman (Die 5. Welle) hat sie eine starke Chemie, die ihre Tochter spielt, die zwar überfordert ist mit der Situation, jedoch niemals aufgibt. Don Johnson (Django Unchained) schließlich, ist das wortgewandte Schlitzohr, der Anwalt, der mit seinem Grinsen und seinen erfundenen Storys, alle auf seine Seite zieht. Ihn nicht zu mögen, fällt wirklich leicht.

Insgesamt daher ein Film, der den Zuschauer klar in eine Richtung hin manipulieren will, man dies aber sofort erkennt und sich dann bewusst doch dafür entscheidet, genau diesen Weg einzuschlagen. Auf was sich die Liebe im Titel bezieht, da bin ich mir übrigens nicht ganz sicher, am ehesten ist Cage am Ende zu einem väterlichen Freund für die kleine Tochter geworden, der ihre Mutter gerettet hat. Mit dieser ersten Form der Liebe, die ein Mensch jemals fühlt, wird man dann auch aus dem Film entlassen und die Welt ist wieder in Ordnung. Ob das wirklich so stimmt, muss jeder Zuseher wohl für sich selbst entscheiden.

„Vengeance“ bekommt von mir 6/10 Graubereiche völlig vernachlässigende Empfehlungspunkte.


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