The Matrix Reloaded (Filmkritik)

Die Maschinen kommen. Nach Zion. Die letzte Bastion der Menschheit, die letzte Stadt in der noch Menschen leben, ist das Ziel einer groß angelegten Attacke und niemand weiß, wie man sie stoppen kann. Morpheus und seine Crew (darunter natürlich auch Neo) retten nach wie vor Menschen aus der Matrix, aber die Zeit läuft davon. Immer noch überzeugt davon, dass Neo der „Auserwählte“ ist, hegt Morpheus einen verzweifelten Plan: Das „Orakel“ und den Schlüssel zur „Quelle“ finden – dem Ursprung aller Maschinen.

Aber die Lage scheint aussichtslos, denn die Maschinen kommen immer näher und innerhalb der Matrix ist das Programm „Smith“ Amok gelaufen und hat ein Eigenleben entwickelt. Es ist zu einem Virus geworden, das nach und nach die gesamte Matrix zu übernehmen droht und vor allem von einer Sache angetrieben wird: Der Rache an Neo …

The Matrix Reloaded Film Keanu Reeves

Der verflixte zweite Teil. So oder so ähnlich fühlt sich die Sache an, denn wie jeder zweite Teil hat auch „The Matrix Reloaded“ das Problem, dass die Story ein wenig vor sich hindümpelt und kein Ende in Sicht ist. So werden sehr ziellos neue Figuren eingeführt, wie der Bodyguard des Orakels namens Seraph (Collin Chou, aus „Dead Or Alive“), oder ein „freies Programm“ namens Merovingian (Lambert Wilson, aus „Catwoman“) und seine „Frau“ Persephone (Monica Bellucci, aus „Shoot em Up“, „Brothers Grimm“ oder „Irreversible“). Neue Schauplätze werden geboten – die Stadt Zion in all ihrer (naja) Pracht – und noch viele andere.

Neo ist mittlerweile zu einem Supermann geworden, dem die Agenten nichts mehr anhaben können – selbst mit Upgrades – und auch Hugo Weaving (Elrond aus „Herr der Ringe“) ist wieder als „Smith“ dabei, der dieses Mal allerdings weder auf Seiten der Maschinen, noch auf Seiten der Menschen steht.

„Reloaded“ sorgt vor allem für ein paar Fragen im Rahmen der Storyline innerhalb der „Matrix-Mythologie“. Zum Beispiel stellte sich mir die Frage, weshalb (vom großen Erfolg des ersten Teils abgesehen) weitere Teile notwendig waren, denn die Geschichte war eigentlich zu Ende erzählt (frei nach der Bibel – er starb, kam retour und rettete alle). Tja, wenn Geld zu machen ist, dann wird Geld gemacht – auch wenn man den Wachowskis nicht vorwerfen kann, dass sie keine Ideen hatten: Die Idee des Smith als Virus ist super, die Integration der „kleinen“ Story von „The Matrix“ in eine größere, umfangreichere Mythologie ist ebenfalls sehr ehrenwert, allerdings dürfte der Zeitdruck bei der Sache eine beträchtliche Rolle gespielt haben, denn viele Ideen werden einfach so ins Rennen geworfen und erweisen sich später als völlig irrelevant (so zum Beispiel die Geister-Zwillinge, deren Existenz nur einen Grund hat: Sie sind cool).

Das Drehbuch bietet auch viel mehr Leerlauf als der erste Teil, was vor allem daran liegen mag, dass der „Wow“-Effekt des ersten Teils einfach nicht mehr gegeben ist und der „größere Kontext“ die Wichtigkeit vom Vorgänger irgendwie mindert. So ist die ultimative Anführerfigur Morpheus, die voller Weisheit und Visionen steckt, nur einer von vielen. Die Streitigkeiten der Menschen sind nach wie vor (auch in Zion) Eifersucht und Dummheit. Und die Hierarchie in Zion wirkt streckenweise wie eine billige Kopie von den USA (ich sage nur: Soldaten …).

Außerdem gibt es einige Szenen, die völlig überflüssig oder zu lang oder zu langatmig geworden sind, bzw. deren Wichtigkeit im Kontext des Films gegen Null tendiert. War beim Vorgänger noch kein Gramm Fett zu finden – jede Szene war wichtig für den Film – so verliert sich Teil 2 im Aufbau eines Mythos, der einerseits einen faden Beigeschmack hat und anderseits an philosophischen Fragen zugrunde geht.

Monologe über banale Dinge (der Merovingian führt ein langes Selbstgespräch) oder philosophische Überlegungen (Neo und einer der Stadtvorsitzenden) bis hin zu einem Treffen mit dem „Architekten“ der Matrix (viel, viel Monolog) ziehen sich ob ihres fehlenden Inhalts leider dahin. Das Problem ist nicht, dass die Information innerhalb dieser Gespräche für den Film unwichtig wäre – das Problem ist, dass die Dialoge einfach ausufern und die Kernfragen bereits klar bzw. die Intention des Gesprächs bereits deutlich ist, während es noch ewig weitergeht. Bestes Beispiel ist die Szene mit dem Architekten – die Erklärung, die er für Neos Existenz liefert ist brillant – aber dann kaut er das Thema zu Tode. Da hätte es nicht geschadet dem Publikum ein wenig mehr Hirnschmalz zuzutrauen, als es so lange breitzutreten, bis die Drehbuchautoren der Meinung waren, dass es wirklich jeder Depp verstanden hat. Das zieht sich. Leider.

Auch die Actionszenen sind im Vergleich zum ersten Teil nicht besser geworden – sicher: Größer und bombastischer auf jeden Fall, aber nicht besser. Der Massenkampf gegen Agent Smith ist super choreografiert, dauert aber ebenfalls zu lange und die Effekte sind – witzigerweise – weit weniger gut geworden als im ersten Teil. Selten habe ich – damals schon – bei einem Film so rasch gemerkt, wenn der Übergang zwischen CGI und tatsächlichem Film stattgefunden hat. Am Auffälligsten ist das bei Neos Bewegungen, die teilweise einfach nicht stimmen (perspektivisch). Dazu noch ein paar sehr aufgesetzte Szenen (der Kampf mit Seraph), die im Kontext auch wenig Sinn ergeben.

Alles in allem ist „Matrix Reloaded“ ein guter Film, der leider nur eine halbe Geschichte erzählt und diese auch noch auf über zwei Stunden ausdehnt, während zumindest der Cliffhanger wirklich gut geraten ist. Die Action ist toll choreografiert, aber leider technisch nicht optimal umgesetzt – da hat man vermutlich versucht den Wow-Effekt von Teil 1 in den nächsten zu retten, sich aber ein wenig überhoben. Leider. Und von der absolut unpassenden „Steinzeit-Rave-Sex-Szene“, will ich jetzt gar nicht erst anfangen.

„The Matrix Reloaded“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, das mythologische Universum expandierende und explorierende, Punkte

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