Das Dorf – The Village (Filmkritik)

Lucius Hunt (Joaquin Phoenix) ist verliebt in die blinde Ivy Walker (Bryce Dallas Howard). Auch der leicht zurückgebliebene (oder verhaltensauffällige) Noah Percy (Adrian Brody) liebt Ivy. Und Edward Walker (William Hurt) liebt seine Tochter sowieso. Aber er ist auch Bürgermeister eines kleines Dorfes mitten im Wald und liebt auch Alice (Sigourney Weaver), die nichts davon weiß. Allerdings ist das Leben im Dorf nicht einfach, denn die Arbeit dort ist hart. Essen pflanzen, Kleidung nähen, alles nicht ganz so leicht. Zusätzlich gibt es noch ein weiteres Problem: Die Farbe rot wurde aus dem Dorf verbannt, denn es lockt die Wesen an, die rund ums Dorf in den Wäldern leben …

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Das Marketing für „The Village – Das Dorf“ war völlig falsch. Ganz ehrlich. Als ich im Jahr 2004 im Kino war, dachte ich, einen Horrorfilm vor mir zu haben. Dann war der Film vorbei. Und ich war mächtig sauer, denn der Film ist absolut kein Horrorfilm. Sicher, er verkleidet sich wie einer (Monster, Wald, verbotene Farben, etc), aber tatsächlich handelt es sich um einen Liebesfilm mit Dreifachtwist am Ende – wobei der letzte absolut lächerlich ist, aber okay – um den geht es auch nicht wirklich.

Der erste Twist ist ein Augenöffner – zwar nicht unerwartet – aber dennoch. Der zweite ist schräg und auch nicht überraschend. Der dritte ist dann aber ein wenig gar hoch gegriffen. Ich will nicht spoilern – auch wenn der Film über zehn Jahre alt ist – vielleicht gibt es ja noch Leute, die diesen Film nicht gesehen haben.

Nach „The 6th Sense“ ging es mit Shyamalans Ruf bergab. Nicht, dass seine Filme prinzipiell schlechter geworden wären, nein, das Marketing hat sie nur immer mehr in eine Richtung geschoben, die nicht zu den eigentlichen Filmen passen. „Unbreakable“ wurde mit Murren (und teilweise Jubel) aufgenommen. „Signs“ kam mehr oder weniger gut an – aber „The Village“ wurde primär belächelt, während der nächste Film („Lady In The Water“) als absolut schlimm verrissen wurde. Dazu ein anderes Mal mehr.

Dabei ist der Film – wie alle Shyamalan-Filme – absolut großartig gemacht und dieses Mal stimmt (vom Schlusstwist abgesehen) auch so gut wie alles. WENN man sich den Film als Liebesgeschichte ansieht. Der Horroraspekt wird nur betont, um ein paar emotionale Momente zu unterstreichen. Die Schauspieler sind alle sehr gut gecastet. Joaquin Phoenix („Gladiator„, „Her„) spielt Lucius mit voller Hingabe. Bryce Dallas Howard („Jurassic World„, „Terminator: Salvation„) ist absolut liebenswert (als Charakter als auch optisch). Sigourney Weaver („The Cabin In The Woods„, „Alien„, „Avatar„) ist immer super und William Hurt („Dark City„) spielt den alten, vorsichtigen und ein Geheimnis hütenden, besorgten Vater sehr gut.

Den Vogel schießt allerdings Adrian Brody ab, der den absolut schrägen (und anfangs auch liebenswerten) Noah großartig spielt. Damals hätte wohl niemand gedacht, dass dieser Mann mal als Actionheld in „Predators“ mitspielen würde und man ihm auch den abkauft. Außerdem ist Judy Greer dabei (das beste – nein, das EINZIG gute am „Carrie„-Remake) und Jesse Eisenberg (Lex Luther in „BvS“ oder „American Ultra„) ist ebenfalls dabei.

Der Film selbst ist voller schöner Moment in denen sich Menschen selbst im Weg stehen. Liebe, die nicht gestanden wird, Liebe, die unterdrückt wird, Liebe, die alle anderen sehen, verstehen und schön finden, nur die Betroffenen zögern – bis es fast zu spät ist. Kurze Dialoge wie zwischen Alice und Lucius Hunt sind feinfühlig und zeigen eine gute Beobachtungsgabe von Shyamalan. Alice fragt Lucius: „And what makes you think he has feelings for me?“ Lucius antwortet: „It’s the way he never touches you.“

Zusammengefasst ist „The Village – Das Dorf“ immer noch ein guter Film mit einem gut aufgelegten und spielfreudigem Cast, der leider absolut falsch vermarktet wurde. So lauteten zum Beispiel ein paar der Taglines für die Kinoplakate „Lauf! Die Waffenruhe ist vorbei“ oder „Es gibt kein zurück“ oder „Ihre Tage des Friedens sind vorbei“. Auch die Regeln für das Dorf waren auf den Plakaten zu lesen: „I. Lasst sie nicht die verbotene Farbe sehen. Sie zieht sie an. II. Betritt nie den Wald. Dort warten sie auf dich. III. Hört auf die Warnglocke, denn sie kommen.“

Das alles klingt nach Horrorfilm. Nochmals, zur Erinnerung: „The Village“ ist eine Geschichte über Liebe, die erst den Mut finden muss, sich zu offenbaren. Es ist kein Horrorfilm. Wer ihn als Horrorfilm sieht, wird bitter enttäuscht sein. Als Film über die Liebe ist er feinfühlig, großartig fotografiert und – trotz dem enttäuschendem Ende – spannend. Die Optik ist wohl auf Roger Deakins zurückzuführen, der für viele verdammt schöne (und gute Filme) diesen Part übernommen hat (zB für „Dead Man Walking“, „Fargo“, „No Country For Old Men„, „Rango„, „Skyfall“ und/oder „Prisoners„).

Wer es schafft den „Horror“ symoblisch als Hindernis für die Liebe zu sehen (Verbannt die Farbe Rot aus dem Dorf … hm, wofür steht diese Farbe wohl? Und warum tragen alle gelbe Mäntel? Gelb ist die Farbe von? Genau. Eifersucht. Worum dreht sich letzten Endes alles …), kann an dem Film sehr großen Gefallen finden (ja, er ist auch ein wenig ein Suchrätsel).

„The Village“ bekommt von mir – als Liebesfilm – wohl verdiente 7 von 10 Punkten. Wer einen Horrorfilm sehen will sollte einen bis zwei Punkte abziehen.

The Village - Das Dorf


von Tod A. Maitland [Walt Disney]
Preis: EUR 12,55


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