Best Of Worst Case: Ogre – Monster Village (Filmkritik)

Jessica (Katharine Isabelle) wollte ja sowieso nicht so richtig mitfahren in den Wald. Dass einer ihrer Freunde ein vor gut zwei Jahrhunderten angeblich „verschwundenes“ Dorf sucht, weil er eine Karte gefunden hat und glaubt, dort irgendwas zu finden, interessiert sie wenig. Als der Idiot sich dann auch noch den Knöchel verstaucht und sie mit Mike (Ryan Kennedy) gemeinsam auf der Suche nach Hilfe den Wald durchstreift, rechnet sie nicht damit in genau die gesuchte Stadt zu stolpern.

Eine Stadt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Vor vielen Jahrzehnten haben die Pocken große Teile der Bevölkerung hingerafft, weshalb der Dorfzauberer einen Zauber über die Stadt gelegt hat, der sie vor allen Krankheiten schützt – dafür kann niemand mehr das Dorf verlassen, da ein Oger sich in den Wäldern herumtreibt, dem jedes Jahr ein Menschenopfer gebracht werden muss, um „das Böse“ freizuhalten. Da kommen die beiden Fremden gerade recht.

monster-village-movie

Es gab für mich genau zwei Gründe, die dafür sprachen, den Film zu sehen. Zum einen John Schneider („Supershark“) im Harry Dresden-Zauberer-Outfit (jawoll, SO sehen Zauberer aus) und Katharine Isabelle, die erst vor kurzem in „American Mary“ brilliert hat und bei mir seit ihrer Mitarbeit in den drei Ginger Snaps-Teilen hoch im Kurs steht. Ryan Kennedy hingegen ist mir bis dato völlig unbekannt gewesen, genauso wie Kimberley Warnat. Vom anderen Cast ist zwar das eine oder andere Gesicht dabei, das man schon wo gesehen hat, aber ich konnte niemanden mehr bestimmten Rollen zuordnen, geschweige den sagen, woher ich die Leute kenne.

Der Film selbst nimmt sich zu 100% ernst und versucht eine tragische Geschichte zu erzählen, die von einer Stadt handelt, die von einem Monster heimgesucht wird – einem selbst heraufbeschworenem Monster, wohlgemerkt. Kommt euch bekannt vor? Hat da jemand „The Village“ gerufen? Ja, daran dachte ich auch, und mir kam es beim Ansehen des Films auch immer wieder mal kurz so vor, als hätten die Macher sogar am gleichen Set gedreht. Natürlich gibt es auch die obligatorische „Monster kommt ins Dorf und alle Bewohner verstecken sich“-Szene. Auch da sind die Paralleln zu „The Village“ klar zu sehen – und für alle Skepitker klar bewiesen, dass – egal für wie schlecht man „The Village“ halten mag – Shyamalan zumindest in punkto Inszenierung echt was drauf hat.

Apropos Macher – „Monster Village“ oder „Ogre“, wie er im Original heißt (mit der witzigen Tagline: No Donkey. No Fairytale. Pure TERROR) wurde von Chuck Reeves geschrieben – und blieb sein bisher einziges Drehbuch. Regie führte der bekanntere Steven R. Monroe. Solltet ihr noch nicht von ihm gehört haben, so habt ihr zumindest schon von einem Film von ihm gehört: Das Remake von „I Spit On Your Grave“ im Jahr 2010, geht auf seine Rechnung.

Irgendwie spannend, dass jemand ein paar Trash- und Fernsehfilme macht und dann mit so einem hammerharten Film auf den Profizug aufspringt (und „I Spit On Your Grave“ ist für mich ein Film den ich mir nicht ansehen konnte). Keine Panik – bei „Monster Village“ befindet man sich zwar auch auf „seriösem“ Terrain, aber um wirklich ekelig oder furchteinflößend zu sein, ist er dann doch zu trashig. Was ich in diesem Fall aber mit gutem Gewissen auf den Mangel an Budget schieben kann.

Das ist auch ziemlich das einzige, was man dem Film vorwerfen kann – um wirklich als seriöser Film durchzugehen ist er einfach vom Monster her zu schlecht gemacht, auch wenn man sich klar bemüht hat (CGI ist halt CGI) und weit besser damit durchkommt als zum Beispiel die KollegInnen von The Asylum. So sind zum Beispiel die „CGI interagiert mit lebenden Schauspielern“-Szenen eigentlich sehr gut geworden. Sicher – wir haben hier keinen Blockbuster, aber die Sache sieht gut aus. Wenn sich dann noch jemand die Zeit nimmt, beim Oger – als er beschossen wird – noch Pfeile und Schusswunden zu modellieren, dann rechne ich das einem kleinen Filmteam doch sehr hoch an. Da sitzt das Herz am richtigen Fleck. Witzig fand ich auch die Szene als die zwei jungen Leuten aus dem Wald kommen und sich Jessica zu Boden wirft um voller Freude den Boden zu küssen. Dann fassen sie den Plan, zum Sheriff zu gehen und ihm alles zu erzählen, woraufhin Mike fragt: „Tell him what?“ und Jessica antwortet: „The truth. The whole truth.“ Mike sieht sie entgeistert an. Dann murmelt er resignierend: „Sure. That’s gonna end well.“

Auf der anderen Seite ist er von der Story her zu wenig peinlich, um wirklich witzig zu sein, denn der Plot bietet alles: Verrat, Liebe, Erlösung und Machtkämpfe – aber nichts davon so richtig schlimm, aber auch nicht so richtig toll. Was ich schade finde, denn ein paar Szenen schreien geradezu nach Humor, werden dann aber verschenkt. Ein paar Ansätze gibt es – als zum Beispiel das Monster befreit wird und die Falltüren, die es einschließen, geöffnet werden, kommt ein ekliger Geruch aus dem Gefängnis, was Hope (Chelan Simmons, die in „Tucker And Dale vs Evil“ eine größere Rolle bekommen hat) dazu bringt, angeekelt das Gesicht zu verziehen. Okay, das sind Kleinigkeiten und eigentlich sollte man meinen, dass Filmemacher ohnehin an sowas denken – Irrtum. Aber aufgrund dieser Mini-Details fand ich den Film und seine Macher sehr symapthisch.

Ich bleibe dabei – Katharine Isabelle ist zwar unterfordert, aber trotzdem super, John Schneider schaut so cool aus, wie noch nie zuvor – und sage es nochmals: Als richtiger Trashfilm ist die Story zu „gut“ erzählt und ich gestehe, einen Twist nicht kommen gesehen zu haben – was ja auch für den Film spricht (eigentlich habe ich nicht „einen Twist nicht kommen gesehen“, sondern einen Twist erwartet, der dann nicht kam – was ja auch wieder überraschend war).

„Monster Village“ aka „Ogre“ bekommt von mir 6,5 von 10 dem Oger Opfer darbringende Punkte.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Spezialeffekte):
Eigentlich ein ganz guter Monsterfilm, der nicht viel falsch macht, außer, dass das Monster eben extrem offensichtlich ein CGI ist. Wer da drüberblicken kann, wird den Film vermutlich sogar ganz gut finden.

Fazit: Macht Spaß und bringt ein paar nette Ideen. Trotzdem nichts für Blockbusterfans.

Monster Village - Das Dorf der Verfluchten [Blu-ray]


von Steven R. Monroe [Tiberius Film]
Preis: EUR 6,97

Monster Village


von Lisa M. Hansen [Tiberius Film]
Preis: EUR 99,99


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.