Only God Forgives (Filmkritik)

Der Amerikaner Julian Thompson (Ryan Gosling) betreibt irgendwo in Thailand einen Box-Club, der vor allem dem Drogenhandel dient. Als sein Bruder Billy eine minderjährige Prostituierte tötet, bietet der Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) dem Vater die Möglichkeit die Gerechtigkeit in die eigene Hand zu nehmen. In weiterer Folge kommt Julians Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) nach Bangkok, um Billys Leiche zu identifizieren und bittet Julian den Mord an seinem Bruder zu rächen.

Only God Forgives

Im Jahre 2012 brachte der Däne Nicolas Winding Refn mit „Drive“ Ryan Gosling als namenlosen Driver in einem packenden Genrefilm auf die Leinwand. Für sein aktuelles Projekt bediente er sich dieses Mal keiner fremden Vorlage, sondern schrieb das Drehbuch selbst und hat Gosling gleich mitgenommen. Doch irgendwie hinterlässt „Only God Forgives“ gemischte Gefühle – aber wieso ist das so?

Neben dem Hauptdarsteller gibt es noch die eine oder andere Gemeinsamkeit mit „Drive“. Hier gibt es keine Helden, nichts was man als Happy End durchgehen lassen würde und der Film erzählt seine Geschichte in dunklen Bildern. Hier wird so wenig wie irgend möglich erklärt und stattdessen lässt man Bilder für sich sprechen.

Auf die einzelnen Charaktere wird nur genau so weit eingegangen, wie es notwendig ist um dem Zuschauer eine äußerst grobe Vorstellung davon zu geben, mit wem man es hier zu tun hat. Da hätten wir in der Familie Thompson den Sohn Billy mit besonderen Bedürfnissen, die Mutter die man bestenfalls als exzentrisch beschreiben könnte (hin und wieder könnte man glauben, sie würde sich wünschen es hätte doch besser den anderen Sohn erwischt) und den zweiten Sohn Julian, dessen Tagträume ebenfalls auf die eine oder andere psychiatrische Besonderheit schließen lassen.

Auf der anderen Seite hätten wir dann eine Polizisten, der mit einem Schwert auf Verbrecherjagd geht, nur um nach getaner Arbeit in einer Karaoke-Bar zu singen. Das ist dann auch schon beinahe alles, was man über die Beteiligten im Laufe des Films erfährt. Zwar mag ich es prinzipiell, wenn das eine oder andere Element eines Films der Fantasie des Zuschauers überlassen wird, aber irgendwie hätte ich mir stellenweise ein wenig mehr Hintergrundinformation gewünscht.

Hier ist es beinahe unmöglich zu irgendeinem Zeitpunkt mit einem der Beteiligten mitzufühlen oder Angst um eine betreffende Person zu haben, denn man kennt sie schlicht und ergreifend nicht. Etwas was der Film nicht der Fantasie des Zuschauers überlässt ist die Gewalt – aber schließlich ist Rache das tragende Thema des Films. Meistens hält die Kamera bis zum Ende drauf und selbst wenn sie es nicht tut, weiß man sehr genau was passiert. An dieser Stelle stellt sich mir die Frage ob weniger, oder eine subtilere Vorgehensweise, nicht besser gewesen wäre.

Ryan Gosling (Gangster Squad) hat scheinbar seine Rolle als konsequente Weiterentwicklung des Drivers angelegt. Den Charakter des Julian Thompson spielt er auf seine gewohnt kühle Art, auch wenn der dieses Mal ein wenig mehr mit seiner Umgebung zu kämpfen hat. Ging der Driver gerade noch so als Held seines Films durch, so fehlt Julian dieses Element und damit auch die Sympathie des Zuschauers.

Was bleibt am Ende noch zu sagen? Winding Refns Film „Only God Forgives“ ist eine konsequente Fortsetzung seiner Arbeit mit allem was dafür und dagegen spricht. Die Optik ist wie zuvor sehr markant und gelungen und der aus elektronischen Beats bestehende Soundtrack hat etwas eigenständiges.

Der Film „Only God Forgives“ bekommt von mir 6/10 das Ende der Rache suchende Empfehlungspunkte.


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