Man of Tai Chi (Filmkritik)

Chen Lin-Hu (Tiger Chen) ist der einzige Schüler eines alten Meisters, der den Ling Kong Tai Chi Stil beherrscht. Er ist ein außergewöhnlich guter Kämpfer und schnell lernender Student, was den Kampf an sich betrifft, aber die philosophische Seite – die Meditation um genau zu sein – da hat er so seine Geduldsprobleme und sein Meister warnt ihn davor, nicht einen falschen Weg einzuschlagen, den er später bereuen wird.

Bei einem Turnier wird ein Mann namens Donaka Mark (Keanu Reeves), der der Chef einer großen Sicherheitsfirma ist und illegal heimlich aufgezeichnete Turniere veranstaltet und an ausgewählte Interessenten verkauft, auf ihn aufmerksam. Mit einem verlockenden Angebot und ein paar versteckten, kleineren Manipulationen in seinem Leben, wird Chen schließlich dazu gebracht, für Donaka regelmäßig zu kämpfen. Welche Auswirkungen dieses neue Leben jedoch mit sich bringt, dessen wird sich Chen erst bewusst, als es schon viel zu spät ist.

Man of Tai Chi

Hier ist es nun also, das Herzensprojekt und gleichzeitige Regiedebüt von Schauspieler Keanu Reeves, dass ganze fünf Jahre brauchte, um endlich realisiert werden zu können. Gedreht wurde diese Amerikanisch/Chinesische Koproduktion in China und Hong Kong, was die bis auf ein paar Ausnahmen rein asiatische Crew vor (und hinter) der Kamera erklärt. Die Story ist teilweise vom Leben von Tiger Chen inspiriert, der mit Reeves seit seiner Arbeit als Stuntmen in den Matrix-Filmen, gut befreundet ist.

Als Resümee kann ich eines mit Sicherheit sagen: Reeves hat großen Respekt vor der asiatischen Kultur und deren Kampfkünsten im Besonderen. Wie er hier Tai Chi in Szene setzt, hat schon etwas Besonderes. Die dynamische Kamera fängt die Bilder dermaßen übersichtlich und furchtlos ein, dass man sich ständig wie mitten im Geschehen fühlt. Das Gezeigte sieht dann manchmal wie ein schöner Tanz aus, ein anderes Mal wie eine bewundernswerte Kunstform und öfters auch wie eine ziemlich effektive und stylishe Art, seine Gegner zu Boden zu strecken. Was die mit Schwenkarmen und den richtigen Schnitten hier gemacht haben, ist wirklich große klasse.

Dass die zahlreichen Fights nicht langweilig werden, dafür sorgen auch die unterschiedlichen Kampfstile, die wechselnden Schauplätze, der Mix der Gegner – von riesigem schwarzen Muskelberg, über das russische Tier bis zur französischen Bohnenstange ist alles dabei – und der Einsatz von verschiedenen Lichteffekten. Bis auf einen kleinen CGI- Ausrutscher bei einem Autounfall, kann ich die Optik hier nur als sehr gelungen bezeichnen, genau wie die zwischen klassischen und modernen Themen wechselnde Musik. Die Arbeit der Action- und Fightchoreographen, ist sowieso über jeden Zweifel erhaben.

Die Geschichte an sich versprüht dieses schöne 80er Jahre Feeling, genau wie die kurzen aber prägnanten Dialoge. Reeves selbst inszeniert sich als ziemlich bedrohlichen, leicht übermächtigen Gegner und vor allem eiskalten Geschäftsmann, mit dem man sich lieber nicht anlegen sollte. So kenn ich ihn gar nicht, er wirkt nicht mehr wie „The One“, sondern als wäre er selbst ein Agent aus der Matrix, aber es steht ihm gut. Sein Endkampf mit Chen ist dann auch genau das, was man sehen will, ohne dabei zu übertreiben oder Erwartungen zu enttäuschen.

Tiger Chen selbst empfiehlt sich hier als einer der nächsten großen Actionstars, auch wenn seine Schauspielerei noch ausbaufähig ist, umso perfekter ist seine Kampfkunst. Egal ob nun Tai Chi, Wire Fu (Einsatz von Seilen für diverse Sprünge) oder ein Mix aus anderen Kampfsportarten, er wirkt immer souverän. Für Fans asiatischer Filme gibt es auch ein Wiedersehen mit Karen Mok als hartnäckige Polizistin, Simon Yam spielt ihren undurchsichtigen Boss und Iko Uwais, der Star aus „The Raid“, hat einen kurzen, aber irgendwie witzigen Auftritt.

Reeves ist es hiermit gelungen, ein altes Filmthema für eine neue Generation, in einer modernen Form wieder zu entdecken. Sein Regiestil ist dynamisch und punktiert, man sieht genau er weiß was er will. Die Action ist mitreissend, die Botschaft simpel aber gleichzeitig auch schön und Reeves selbst bleibt seiner individuellen Art vor der Kamera weiterhin treu, auch wenn er endlich mal so richtig böse sein kann. Mal sehen, ob er sich in Zukunft bald wieder auf dem Regiestuhl wieder findet, Potential hat er nämlich durchaus.

„Man of Tai Chi“ bekommt von mir 8/10 den Verlockungen der Macht beinahe verfallende Empfehlungspunkte.


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