The Sniper (Filmkritik)

OJ (Edison Chen) ist das neueste Mitglied im Team der Elitescharfschützen der Polizei.
Er hat zwar grosses Talent, doch seine Vorgesetzen warnen ihn davor, das Selbstüberschätzung einen Sniper schnell zu Fall bringen kann. Vier Jahre zuvor wurde seine Arroganz dem damals besten Schützen Lincoln (Xiaoming Huang) zum Verhängnis.
Er tötete mit seinem Schuss unabsichtlich eine Geisel und musste dafür vier Jahre ins Gefängnis. Nun ist er jedoch wieder frei, und da er sich von seinen Kollegen allen voran von seinem früheren Konkurrenten Hartman (Richie Ren) im Stich gelassen fühlt, verbündet er sich mit einem Gangster und fordert die Polizei fortan zum Katz und Maus Spiel auf Leben und Tod heraus. Kann OJ seine aufbrausende Art unter Konrolle bekommen und damit zum As im Ärmel werden für das Team der Scharfschützen im Kampf gegen ihr früheres Mitglied Lincoln?

The Sniper Film

The Sniper ist ein Film vom asiatischen Actionspezialist Dante Lam. Der Film sollte bereits vor einem Jahr erscheinen, doch ein Fotosexskandal in den Hauptdarsteller Edison Chen verwickelt war zwang die Produzenten dazu, das Erscheinungsdatum erst dann anzusetzen, wenn sich der negative Rummel in der Öffentlichkeit wieder etwas beruhigt hat.

Chen, der durch die Infernal Affairs Triologie seinen Durchbruch feierte (das amerikanische Remake ist übrigens The Departed mit Leonardo DiCaprio) hat mittlerweile leider seinen entgültigen Rückzug aus dem Showbusiness bekanntgegeben, da ihm der Medienrummel nach dem Skandal zu viel wurde. The Sniper ist also sein Abschiedsfilm und somit mit leichtem Wehmut zu betrachten, denn ich habe ihn schon in mehreren Filmen gesehen und fand ihn immer sympathisch und halte ihn für einen echt guten Darsteller. Nun aber genug davon, nun zur eigentlichen Kritik.

The Sniper ist ein optisch wirklich toll gemachter Actionfilm mit sehr gut gefilmten bzw. choreografierten Schusssequenzen. Hier sind fast nur männliche Darsteller im Einsatz, die sich gegenseitig das Testosteron um die Ohren hauen. Frauen verkommen aber interessanterweise nicht zum hübschen Beiwerk sondern liefern vielmehr Impulse um die Story auch auf dramatische Pfade zu führen. Die Handlung ist somit verzweigter als man hätte erwarten können, trotzdem reicht hier ein Minimum an Grundgeschichte um mittels der gestochen scharfen Optik und den coolen Darstellern für einenhalb Stunden gute Unterhaltung zu sorgen.

Die Schusswechsel haben hier eine ganz eigene Dynamik, es ist eben ein Unterschied ob ich mit einem Maschinengewehr drauf losballere oder ob ich mit meinem Gewehr auf den perfekten Schussmoment warte und dann nur eine Patrone abfeuere. Wenn schließlich der Schuss fällt, dann kann man die Flugbahn der Patronenen oft in Zeitlupe (ähnlich wie bei Wanted) verfolgen und den darauffolgenden Aufprall fast schon am eigenen Leib spüren.

Xiaoming Huang wirkt hier anfangs wie ein überhebliches Schlitzohr, im Laufe der Handlung sieht man aber immmer wieder deutlich seinen durch Halluzinationen geprägten Wahnsinn in den Augen. Schon bald wird klar, dass es bei diesem Rachefeldzug für ihn kein Zurück mehr geben wird. Richie Ren als sein Expartner, mit dem er noch eine Rechnung offen hat, spielt einen innerlich gequälten Mann der mit sich selbst kämpft, da er noch nicht weiss wie er gegen seine früheren Kollegen Lincoln vorgehen soll.

Edison Chen ist sozusagen das dritte Rad am Wagen. Er spielt den hitzköpfigen Sniper sehr überzeugend und ergänzt die beiden anderen starken Charaktere sehr gut, außerdem funktioniert er wohl noch am ehesten als Identifikationsfigur für das Publikum.

Wer also einen Actionfilm mag in dem viel geschossen wird aber auf eine nur selten gezeigte Art und Weise, der ist hier genau richtig. Die kühle Optik und die teilweise bescheidenen Hintergrundinfos über die Hauptfiguren (von OJ weiss man praktisch gar nichts), helfen auch dabei die nötige Distanz zum Geschehen zu haben und so kann man das Abenteuer einfach geniessen, ohne dass von der zeitweisen Tragik der Szenen die gute Laune beeinflusst wird. Nur die Musik finde ich manchmal etwas zu patriotisch klingend, das verzeihe ich aber gerne, da dies ja kein amerikanischer Film ist.

The Sniper bekommt von mir 7,5/10 genau zielende Empfehlungspunkte.


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