Rubinrot (Filmkritik)

Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) ist ein völlig normal wirkender sechzehnjähriger Teenie, doch ihre Familie birgt seit Generationen ein Geheimnis: Ein Zeitreise-Gen wird in der Verwandtschaft vererbt. Da alle Welt annimmt, dass Gwens Cousine Charlotte (Laura Berlin) das Gen in sich trägt, dreht sich innerhalb der Familie alles nur um sie. Eines Tages findet sich jedoch Gwendolyn urplötzlich im London der letzten Jahrhundertwende wieder und ihr wird klar, dass sie es ist, der das Gen weitervererbt wurde und sie nun durch die Zeit reisen kann, nicht Charlotte. Auch wenn Gwendolyn davon nicht begeistert ist, macht sie sich mit Charlottes arrogantem Freund Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner) auf, das Geheimnis ihrer Familiengeschichte und die Mysterien um den sagenumwobenen roten Rubin zu lüften.

Rubinrot

Wieder einmal hat es eine Romanadaption auf die Leinwand geschafft. Diesmal musste der Bestseller „Rubinrot“ der deutschen Schriftstellerin Kerstin Gier dran glauben. Statt wie einige andere Filme auf das ausgelutschte Thema Vampire und Werwölfe zu setzen (hust-hust „Twilight“), schrieb Gier über eine spannende und interessante Welt, in der Zeitreisen für einige wenige auserwählte Menschen auf der Tagesordnung stehen. Von der Reihe der insgesamt 12 Menschen die das Zeitreise-Gen geerbt haben, ist Gwendolyn die letzte. Jedem Zeitreisenden wird ein eigener Edelstein zugeordnet – Gwendolyns ist der titelgebende Rubin. Diese Zeitsprünge werden allerdings von einer mächtigen Geheimorganisation kontrolliert, denn wo Macht in der Luft bzw. Zeit liegt, sind alte Knacker, die sie für sich ausnutzen, nicht weit.

Seltsam fand ich, dass sowohl im Roman als auch im Film die komplette Handlung in London angesiedelt ist, wohl ein Versuch, den Roman auch international ansprechend zu machen. Gedreht wurde, neben einigen deutschen Drehorten, unter anderem auch in der britischen Hauptstadt. Dank Regisseur Felix Fuchssteiner, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, kann „Rubinrot“ erzähltechnisch leicht mit Filmen wie „Twilight“ mithalten, die Schauspieler verfügen über ein deutliches Maß an Talent, haben auch eine unverkennbare Chemie miteinander und die Special Effects können sich sehen lassen. Bis zu einem gewissen Maße kann „Rubinrot“ deutlich mit der amerikanischen Konkurrenz mithalten. Woran es dann letzten Endes fehlt, ist wohl das Budget, das den Filmen aus dem Hause Hollywood den letzten optischen Schliff verleiht. So sorgen schlecht sitzende Kostüme und billig aussehende Perücken (hauptsächlich bei den Zeitreisen) dafür, dass zumindest ich nicht immer mit in die Vergangenheit gesogen wurde.

Maria Ehrich, die unter anderem durch die Serie „Doctor’s Diary“ von sich reden machte, spielt hier Gwendolyn, eine 16-jährige, die in ihrem Leben eigentlich so gar keinen Platz für Zeitreisen und das ganze Rundherum hat. Tollpatschig (sie lässt mich geschickt wirken und das will was heißen) stolpert sie durch die Welt, die sie mit einem gewissen Maß an Sarkasmus betrachtet. Ehrich spielt das nicht auf den Mund gefallene Mädel, dass entgegen des blinden Eifers ihrer Cousine Charlotte, die Dinge, die ihr aufgetragen werden, erst mal hinterfragt, sehr glaubwürdig. Stellenweise funktioniert die Chemie mit ihrem Love-Interest Jannis Niewöher nicht so recht, aber da in diesem Film die Liebesgeschichte nicht wirklich im Vordergrund steht, ist dies nicht weiter tragisch.

Der bereits erwähnte Jannis Niewöher (SOKO Köln) wirkt in seiner Rolle als Gideon ein wenig unbeholfen. Bei dem beißenden Sarkasmus den Gideon unter anderem Gwendolyn zuteilwerden lässt, wirkt Niewöher so, als ob er sich dabei absolut nicht wohl fühlt und hinterlässt so einen steifen und hölzernen Eindruck. Als Gideon aber seine Abneigung gegenüber seiner Zeitreisepartnerin verliert, beweist Niewöher, dass ihm der charmante Gideon mehr liegt als der sarkastische.

Laura Berlin spielt Charlotte, Gwendolyns Cousine, die schon seit ihrer Geburt auf ihre Rolle als Zeitreisende getrimmt wurde. Sie betrachtet Gwendolyn als minderwertig und sich selbst besser als alle Anderen. Berlin hat nicht viel zu tun außer herablassend und hochnäsig zu tun und man kann gar nicht anders als zu grinsen, wenn sie einen ordentlichen Dämpfer bekommt.

Weiters mit dabei waren bekannte Namen wie etwa Veronika Ferres als Gwendolyns Mutter, Peter Simonischek als undurchsichtiger Graf von St. Germain und Katharina Thalbach, die als „leicht“ verrückte Tante sichtlich Spaß an ihrer Rolle hatte und stellenweise richtig dick auftrug. Justine del Corte als Kostümbildnerin Mme Rossini und Newcomerin Jennifer Lotsi als Leslie sorgen für frischen Wind und einiges an Komik.

Fazit: „Rubinrot“ ist ein Film, der mich in mehr als nur einer Hinsicht positiv überraschte. Eine flüssige, innovative Handlung und talentierte Schauspieler machen dieses ambitionierte Filmprojekt sehenswert. Und weil es heute ja so modern ist, Trilogien auf Papier und Leinwand zu bringen, kann man sich auf zwei edelsteinfarbene Fortsetzungen freuen. Da kann man auch verzeihen, dass die Filmplakate aussehen, als ob sie zu „The Hunger Games“ gehören.

Dieser Film bekommt von mir 7 von 10 zeitspringenden Punkten.


Ein Gedanke zu „Rubinrot (Filmkritik)

  1. Mich hat der Trailer abgeschreckt, wenn man eher so die Big Budget Sachen gewöhnt ist, dann schaut das recht billig aus. Aber vielleicht werde ich es dann doch mal auf DVD probieren, klingt auf jeden Fall netter als dieses ganze Twilight Trara nebst Ableger.

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