Saphirblau (Filmkritik)

Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) hat noch immer Schwierigkeiten, sich im 18. Jahrhundert zurecht zu finden. Dabei gibt es allen Grund, rasch die damaligen Umgangsformen zu lernen. Auf einer Soiree will sie – zusammen mit ihrem Freund Gideon (Jannis Niewöhner) – Kontakt zum Grafen von Saint Germain (Peter Simonischek) aufnehmen. Der ist einer der zwölf Zeitreisenden, dessen Blut in den geheimen Chronographen eingelesen werden muss.

Doch der Adlige entpuppt sich als fieser Bösewicht – er nimmt Gwendolyn und Gideon kurzerhand gefangen. Allerdings ist das nicht das einzige Problem des Pärchens, denn einer der beiden Chronographen ist nach wie vor verschwunden. Offenbar haben Lucy (Josefine Preuß) und Paul (Florian Bartholomäi) das Gerät gestohlen, wobei ihre Motive noch völlig im Dunkeln liegen..

Saphirblau

Statt wie einige andere Filme auf das ausgelutschte Thema Vampire und Werwölfe zu setzen (hust-hust „Twilight“), schrieb Kerstin Gier in ihrer Edelstein-Buchreihe über eine spannende und interessante Welt, in der Zeitreisen für einige wenige auserwählte Menschen auf der Tagesordnung stehen. Von der Reihe der insgesamt 12 Menschen die das Zeitreise-Gen geerbt haben, ist Gwendolyn die letzte. Jedem Zeitreisenden wird ein eigener Edelstein zugeordnet – Gwendolyns ist der Rubin aus dem ersten Teil (Rubinrot) und ihre Cousine Lucy ist der diesmal titelgebende Saphir. Diese Zeitsprünge werden allerdings von einer mächtigen Geheimorganisation kontrolliert, denn wo Macht in der Luft bzw. Zeit liegt, sind alte Knacker, die sie für sich ausnutzen, nicht weit.

Schon kurze Zeit nach Fertigstellung des ersten Teils, wurde das Drehbuch zum zweiten verfasst. Jedoch ließ die offizielle Bestätigung für einen Drehstart lange Zeit auf sich warten, da das vorgeschriebene Ziel von 500.000 Besuchern nicht erreicht wurde. Im September 2013 wurde dennoch die Produktion des zweiten Teiles offiziell angekündigt und August 2014 kam der Film dann in die Kinos. Leider war er in Österreich nicht einmal 2 Wochen lang in Frühvorstellungen zu sehen, sodass ich ihn leider nicht im Kino schauen konnte, sondern mich bis zur Blu Ray-Herausgabe gedulden musste. Wenngleich ich meiner Meinung nach nicht allzuviel versäumt habe.

„Saphirblau“ konzentriert sich vermehrt auf die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Gwen und Gideon, was dazu führt, dass sich sowohl der Zuseher als auch der Regisseur manchmal nicht sicher sind, was für eine Art Film „Saphirblau“ nun ist: einen Abenteuerfilm oder eine Liebesschnulze. Dass der Film, der eigentlich in London spielt, in Deutschland gedreht wurde, sieht man ihm an und da können auch einige hineingeschnittene Luftaufnahmen der englischen Metropole nicht darüber hinweg täuschen. Das es finanziell knapp war sieht man auch an dem animierten Wasserspeier/Dämon Xemerius, der nach heutigen, zugegeben von Hollywood in die Höhe geschraubten Standards nun wirklich keine besonders gute Figur macht.

Maria Ehrich, die unter anderem durch die Serie „Doctor’s Diary“ von sich reden machte, spielt hier Gwendolyn, die langsam aber sicher in ein Leben hinein wächst, in dem Zeitreisen an der Tagesordnung stehen. Tollpatschig stolpert sie durch die Welt, die sie mit einem gewissen Maß an Sarkasmus betrachtet. Ehrich ist nach wie vor gut in der Rolle des nicht auf den Mund gefallenen Mädechens, aber da sich die Story eindeutig Richtung Romantik bewegt, sieht man, dass die Chemie mit ihrem Love-Interest Jannis Niewöher nicht so recht stimmt, was sich negativ auf die Story auswirkt. Denn wie soll man für ein Liebespaar mitfiebern, wenn es so aussieht, als könnten sie sich nicht so recht leiden.

Im Vergleich zum Vorgänger ist „Saphirblau“ ein deutlich poppigeres Werk, das historische Settings gerne mit zeitgenössischer Musik bricht – eine Rechnung die aber nicht immer aufgeht. Insbesondere die Szene einer Soirée im Rokoko wird ins lächerliche gezogen, denn anstatt hier auch nur Ansatzweise zu versuchen mit dem Thema Zeitreise sensibel umzugehen, fängt Gwen an, den Song „Time Warp“ aus der „Rocky Horror Picture Show“ zu performen. Das wirkte einfach nur deplaziert und noch dazu schlecht choreografiert. Da ist dann eher fremdschämen als amüsieren angesagt und da hab ich dann ehrlicherweise auch mal vorgespult, weil mir das schlicht und ergreifend zu doof und over the top war.

Alles in allem blieb für mich qualitativ „Saphirblau“ deutlich hinter seinem Vorgänger zurück und enttäuschte mich nach einem eigentlich gelungenen Auftaktfilm dann doch ein wenig.

Dieser Film bekommt von mit 5/10 nicht immer funkelnde Empfehlungspunkte.


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