Seance (Filmkritik)

Nach dem gewaltsamen Tod einer Schülerin, wird ein Platz an der renommierten Fairfield Academy frei. Diesen bekommt Camille (Suki Waterhouse) und neben netten Begegnungen wie etwa mit Helina (Ella-Rae Smith), hat sie sofort Probleme mit Alice (Inanna Sarkis) und ihren Freundinnen. Nach einem Zwischenfall, werden alle zusammen von der Leiterin des Hauses, zur Strafarbeit in der Bibliothek verdonnert.

Dort angekommen hat Alice die Idee, eine Seance abzuhalten, um mit dem verstorbenen Mädchen in Kontakt zu treten und um heraus zu finden, ob ihr Tod ein Unfall war, oder ob sie ermordet wurde. Die Sitzung läuft nicht wie erwartet und danach häufen sich die seltsamen Ereignisse, die Camille bereits bei ihrer Ankunft bemerkt hatte. Spielt hier Jemand den jungen Damen einen Streich, oder steckt wirklich eine übernatürliche Kraft hinter den Vorkommnissen?

Simon Barrett, der hier sein Regiedebüt bei einem Spielfilm feiert, hat die Drehbücher zu Filmen wie You´re Next, Blair Witch oder The Guest verfasst und auch die Geschichte von Seance stammt von ihm. Was er dabei abliefert, ist im Prinzip eine Mischung aus gleich drei Genres. Einerseits kommt die übernatürliche Geister-Ebene vor, dann wieder ist dies über weite Strecken eine „Wer war es“ Story im Krimi-Stil und dazu kommen dann noch klassische Slasher-Elemente.

Das sind dann wohl auch die ausschlaggebenden Gründe, warum man mit diesem Film Spaß hat, oder eher nicht. Man kann das schon überfrachtet finden, nach dem „zu viele Teile verderben den Mix“ Motto oder Barrett vorwerfen, er hätte sich klarer für ein Genre entscheiden müssen. Für mich hingegen, sind es genau diese Motive, die das Erlebnis hier trotz bekannter Thematik (ein abgelegenes Mädchen College im Black Christmas Stil, an dem Morde passieren), zu einem frischen machen.

Ist das alles das Werk eines oder von mehreren Geistern? Wenn ja, von welchem? Steckt da ein oder mehrere Menschen dahinter? Wenn ja, wer? Oder kommt es hier zu einer Kombination von geisterhaften Erscheinungen, gepaart mit mordlustigen Menschen? Wie man sieht, kann man hier einige Überlegungen anstellen, immerhin will man als Zuschauer ja nicht mit Vorhersehbaren konfrontiert werden, aber dennoch der Überlegene sein, der das Ende bereits antizipieren konnte.

Ich für mich habe Momente des Finales vorab erahnt, doch nicht alle Teile in ihrer Konstellation voraus gesehen. Der fließende Wechsel zwischen übernatürlich unheimlich und der Gefahr, die ein vermummter Mensch mit Waffe ausstrahlt, ist dabei nahtlos und durchgehend stimmig. Was mich normalerweise eher stört bei diesen Voraussetzungen des Settings, ist der Zicken-Terror zwischen den Mädchen, auch wenn dieser wohl leider der Realität entspricht.

Dieser wird hier jedoch hauptsächlich von einer kaltschnäuzig und sehr souverän agierenden Suki Waterhouse (Burn, Future World) abgefangen, die als Camille zwar alles andere als unbesiegbar wirkt – nein sie ist sogar sehr menschlich – dennoch aber einen unbändigen Kampfgeist besitzt, der sie durch sämtliche Rückschläge auf ihrem Weg begleitet. Obwohl sie schon fast dreißig ist, kauft man ihr die Schülerin auch optisch völlig ab.

Die restlichen Damen entsprechen etwas mehr einem Klischee, doch auf Grund des gekonnten Castings, füllen auch sie ihre Rollen durchaus mit mehr Leben, als man es erwartet hätte. Ella-Rae Smith (The Commuter) als Helina ist einfach liebenswert und man ist eigentlich sofort auf ihrer Seite. Inanna Sarkis (After Passion) ist als Alice die offensichtliche Zicke, die aber in Ansätzen auch mehr Herz zeigt und Madisen Beaty (Outlaws and Angels) ist als Bethany etwas zu ruhig und beobachtend, um wirklich unscheinbar zu sein.

Ein kleiner, stellenweise auch gemeiner Genre-Mix also, der starke Performances auf eine spannende Atmosphäre treffen lässt und sich dabei weit frischer anfühlt, als es laut Beschreibung klingen würde. Gegen Ende wird es dann sogar kurz noch unerwartet blutig. Sicherlich, wer sich bei den hier bedienten Genres auskennt, der wird keine großen Überraschungen erleben, doch man wird gekonnt unterhalten und man merkt einfach, dass für Barrett dieses Projekt ein sehr persönliches war.

„Seance“ bekommt von mir 7/10 den Horror des Schulalltages mit dem des plötzlichen Ablebens verknüpfende Empfehlungspunkte.


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