Black Christmas (1974 Filmkritik)

Weihnachten im Gebäude einer Schwesterngemeinschaft, so weit wie möglich besinnlich. Ohne ihr Wissen ist jedoch ein desorientiert wirkender Mann von außen in das Gebäude eingestiegen und hat sich auf dem Dachboden versteckt. Er scheint instabil und gefährlich zu sein. Gleichzeitig häufen sich Anrufe bei den Damen, bei denen schmutzige Worte und unterschiedliche Stimmen benutzt werden.

Die Mädchen sind dadurch genervt und haben bereits die Polizei informiert, während eine von ihnen, seit ein paar Tagen vermisst wird. Jess (Olivia Hussey) hat jedoch aktuell zusätzliche Sorgen, da sie von ihrem Freund schwanger ist, ihr ein Baby zum jetzigen Zeitpunkt aber so gar nicht ins Leben passt. Die Probleme in Alkohol zu ersticken wie Kollegin Barb (Margot Kidder), fällt da auch weg als Möglichkeit. Und was treibt nun eigentlich dieser Typ am Dachboden…

Manchmal ist man zwar früher dran, jedoch ist er Zeitpunkt nicht der Beste. Diese bei uns auch als Jessy: Die Treppe in den Tod“ bekannte, kanadische Produktion von Regisseur Bob Clark (Porkys) aus dem Jahr 1974, ist einer der ersten Slasher überhaupt (auch wenn ihn Clark eher als psychologischen Thriller bezeichnet) und auch einer der ersten Filme, die die Ereignisse teilweise aus der Sicht des Killers zeigen.

Vier Jahre später hat John Carpenter mit „Halloween“ die gleichen Zutaten gewählt und hatte damit weitaus mehr Erfolg bzw. ein ganzes Subgenre losgetreten. Doch auch Black Christmas hat nach anfänglich zurückhaltenden Kritiken und geringerem Zuschauerinteresse mittlerweile eine Kultfan-Gemeinde hinter sich und gilt noch immer als einer der besten Weihnachts-Horrorfilme überhaupt.

Ich muss zugeben, ich habe ihn zuvor nie gesehen, nun endlich nachgeholt und ich muss sagen, ich bin eindeutig positiv überrascht worden. Während bei „Halloween“ klar die typischen Mechanismen etabliert wurden, ist er für mich aus heutiger Sicht stellenweise einfach unfreiwillig komisch und auch langweilig. Auch Black Christmas lässt sich Zeit und ist alles andere als ein schneller Film, doch unheimlich und bedrohlich ist er von der ersten Einstellung an.

Dabei wird der Killer nie gezeigt, auch über die Hintergründe seiner Taten/seines Zustandes erfährt man nichts. Er ist aber eindeutig gestört, hat Traumata hinter sich und ist gefährlich, gerade das Ungewisse macht ihn dann so unheimlich. Schlägt er schließlich zu, geht das schnell und ohne explizite Gewalt, wobei das den Geschehnissen nichts an Schrecken nimmt und teilweise sogar eine morbide Ästhetik verlieht.

Olivia Hussey (Tod auf dem Nil) – übrigens ist sie die Mutter von Schauspielerin India Eisley (Kite, Clinical) – ist das Final Girl und sie etabliert hier ganz nebenbei den Prototyp der Heldin mit Fehlern. Schwanger, das Kind nicht behalten wollend, sich der Gefühle dem Vater gegenüber, nicht wirklich sicher seiend. Fast schon ironisch, dass Hussey kurz vor den Dreharbeiten, ihr erstes Kind auf die Welt gebracht hat.

Ganz nebenbei steckt da auch nicht wie heutzutage irgendeine Botschaft dahinter (von wegen für oder gegen Abtreibung), laut Interviews der Beteiligten war dies einfach nur ein Thema um die Charaktere zu beschäftigen, wenn es nicht gerade um den Anrufer/die Vermisste ging. Einfach so? Keine politische Aussage? Wie schön und wie absolut unmöglich in der heutigen Zeit. Hussey macht ihre Sache jedenfalls super, denn gerade ihre Unsicherheiten machen sie so menschlich und man hat als Zuseher Angst um sie.

Unheimlich sein mit minimalistischen Mitteln und ohne großes Budget, hier sieht man wie das geht. Sowohl der Stil und die damalige Technik als auch das Etablieren von bis heute bestehenden Dynamiken stimmen dabei nostalgisch. Das offene Ende wiederum, ist sicherlich nicht Jedermanns Sache. Im Jahr 2006 entstand dann ein mit wenig Erfolg bedachtes Remake und 2019 folgte der nächste erfolglose Versuch, das Geschehen in die (in diesem Fall feministische) Jetztzeit zu transportieren.

„Black Christmas“ bekommt von mir 7,5/10 Weihnachten einiges an Besinnlichkeit raubende Empfehlungspunkte.


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