Army of the Dead (Filmkritik)

Nach einem Unfall eines Militärtransporters, kommt es zu einem Ausbruch und der damit verbundenen Verbreitung eines Virus. Dieser verwandelt Menschen in Zombies und um die weitere Vermehrung zu stoppen, wurden die Infizierten in Las Vegas unter Quarantäne gestellt. Niemand darf hinein oder hinaus und die Regierung hat sich nach einigen Überlegungen nun entschlossen, dass das Problem mit einer gezielten Atomrakete, ein für alle mal gelöst wird.

Zuvor hat eine Söldnertruppe rund um Scott Ward (Dave Bautista) jedoch noch vor, den Coup ihres Lebens zu schaffen. Sie wollen sich heimlich mitten unter die Zombies wagen und einen Tresor ausrauben, der sie alle zu reichen Menschen machen kann. Was nach einem gefährlichen, jedoch machbaren Szenario klingt, wird schon bald zu einem Himmelfahrtskommando, bei dem es am Ende wohl keine Überlebenden geben wird…

So, jetzt muss ich erst mal etwas ausholen. Über die Jahre hat sich der Name Zack Snyder ja zu etwas entwickelt, dass automatisch starke Reaktionen bei Filmfans auslöst. Man liebt ihn oder man hasst ihn eben. Ich selbst würde mich zwar nicht als Fanboy bezeichnen, doch Snyder gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsregisseuren, der noch nie einen Film gemacht hat, der mir so gar nicht gefallen hat. Dabei gibt es meiner Meinung nach drei Kategorien von Snyder-Filmen.

Erstens mal sind da die Sachen, bei denen er bereits vorhandenes Ausgangsmaterial verfilmt (300, Watchmen, Legend of the Guardians und Dawn of the Dead). Zweitens hat (bzw. hatte, ja nachdem was WB macht) er seine DC-Comic-Verfilmungsphase mit Man of Steel, Batman v Superman und natürlich Justice League. Die dritte Kategorie hat derzeit noch am wenigsten Einträge, ich nenne sie einfach mal „Snyder kann ohne Einschränkungen, einfach tun was er will“.

Nach diesem Schema hat er bisher nur den für mich genialen Sucker Punch inszeniert und Army of the Dead ist nun eben erst der zweite Film dieser Art. Es handelt sich dabei natürlich auch um seine Story und was da dann alles an Anspielungen und Easter Eggs drinnen ist, das kann man beim Einmaligen Betrachten und ohne den Film anzuhalten und das Standbild zu beobachten, gar nicht alles erkennen. Diese Army ist ein wahres Fest für Film/Snyder-Freunde, die gerne zwischendurch auch auf die Metaebene wechseln. Achtung, ab jetzt folgen fette SPOILER.

Ihr wollt ein paar Beispiele, die ich entdeckt habe? Da wäre zunächst mal das Omega-Tattoo auf der Brust von Vanderohe, als Anspielung auf Justice League Bösewicht Darkseid. Omega steht ja für das Ende, was ja nicht gerade selten auch einen Neuanfang bedeutet und wenn man die letzten Szenen mit Vanderohe sieht, dann ist das auf eine gemeine Art fast schon wieder ironisch. Als man die „perfekte Version“ des Raubzuges in der Planungsphase optisch zu sehen bekommt, gibt es diesen Shot, wo alle im Kreis stehen. Das kann man nur als Seitenhieb auf Joss Whedon und sein erstes Avengers-Abenteuer sehen.

Bezogen auf die ganze Justice League/SnyderCut Geschichte versteht sich. Und wenn wir schon bei dieser Szene sind, als sie den Tresor öffnen, sind links im Bild ein paar Metallkanister. Genau diese hat Snyder damals auf Twitter als Bild gepostet, um sozusagen die Existenz des SnyderCut zu bestätigen. Neben dieser Ebene, hat er dann noch ganz andere Ideen und Teaser für weitere Handlungsstränge eingebaut, die für weitere Fortsetzungen, so ziemlich alles möglich machen und das noch dazu in irrer Form.

Das sieht da etwa so aus: Gleich zu Beginn (in einer „Blinzle und du hast es übersehen Szene“) fliegen zwei Ufos durch das Bild. Zeus – der erste Zombie und ein Experiment der Regierung – wurde mit Hilfe von Alien-Technologie gemacht. Er ist also stärker und klüger als normale Zombies, blaues Blut plus die Fähigkeit sich fortzupflanzen inklusive. Habt ihr bei dem Headshot vor dem Finale auch die Metallteile gesehen? Richtig, Cyborg-Zombies, man muss ja als Regierung alles mal ausprobieren.

Mein Lieblingsmoment in diese Richtung ist jedoch die Szene, als drei von der Gruppe ein paar Leichen finden, die als Lebende offensichtlich den Mitgliedern der Truppe extrem ähnlich geschaut haben. Vanderohe fängt dann gleich an von einer Zeitschleife zu philosophieren und dem Gefangen sein in einem endlosen Kreis aus Gewalt und Versagen. Mal ganz abgesehen von den Möglichkeiten für weitere Teile und auch dem damit verbundenen Genrewechsel, das kann man als Hommage an „Shaun of the Dead“ sehen oder einfach auf unsere Gesellschaft und die sich immer wiederholenden, falschen Verhaltensmuster.

Optisch hat sich Synder hier als Cinematograph ebenfalls getraut, neue Dinge auszuprobieren. Ich weiß nicht wie man diese Art von Optik bezeichnet, aber die Kamera ist oft sehr nahe an den Charakteren (vor allem in ruhigeren Momenten) und der Hintergrund wirkt verschwommen, was die Gesichter sehr plastisch erscheinen lässt. Verstärkt wird das noch in Szenen, in denen Schauspielerin Tig Notaro (wegen einem Skandal rund um den ursprünglichen Schauspieler) nachträglich in den Film gebastelt wurde. Trotzdem sind diese Szenen sehr stimmig und falls wieder mal Jemand einen Schnauzbart digital entfernen muss, dann sollte man sich an Snyders Effekt-Team wenden.

Die Zombies, ja, das muss man schon mögen aka ist Geschmacksache. Ich würde sie jetzt eher als Mutanten bezeichnen, vor allem die klügeren Alphas. Auch die Rudelmentalität und das Hören auf einen Anführer ist neu. Echtes Zombie-Feeling kommt daher nur stellenweise hoch, doch auch Filme wie World War Z oder Train to Busan haben Virusverbreitung und Geschwindigkeit über andere typische Genre-Momente gestellt, was in beiden Fällen ja zu spannenden Neuerungen geführt hat.

Was ebenfalls gut funktioniert ist der Humor, wobei vor allem wohl Matthias Schweighöfer (Rubbeldiekatz) als deutscher Tresorknacker Dieter, einigen auch auf die Nerven gehen wird, doch ich als Österreicher finde einen „Quoten-Deutschen“ noch dazu innerhalb der Buddy-Dynamik zu dem „Quoten-Schwarzen“ hier, doch recht amüsant (und nein, Synder ist alles andere als ein Rassist, Vanderohe hat vor allem auf die Zukunft des Franchise bezogen, eine Schlüsselrolle).

Auch wenn man kaum Bindung zu den Figuren aufbaut, sieht man ihnen gerne zu und ich persönlich habe zwei Highlights. Erstens muss ich Samantha Win (Wonder Woman) Respekt zollen. Sie ist ja auch als Stuntfrau tätig und was sie hier aufführt, bevor sie als erste aus dem Team stirbt, nun ich sage mal ich glaube sie hat im Hand to Hand Combat, hier sicherlich am meisten Zombies überhaupt getötet. Das wiederum sehe ich auch als intendierte Dehnung von Snyder, auf das typische „Zehn kleine Jägerlein“ System bezogen (nach dem Motto: die erste Tote ist die coolste, nicht die lahmste).

Zweitens wäre da Nora Arnezeder (Safe House) als Lilly Spitzname „The Coyote“. Von ihrer Art über ihre Ausstrahlung bis hin zu ihrer Verletzlichkeit ist sie einfach dermaßen lässig, dass ich jeden Moment mit ihr genossen habe. Dennoch, die Charaktere abgesehen von ihren ShowOff-Momenten, waren sicherlich nicht der Schwerpunkt für Snyder, genauso wenig wie irgendwelche Überraschungen in der sich abgesehen vom Setting und der Rahmenhandlung, sehr bekannt anfühlenden Story.

Achja, da war ja noch was. Dass man eine atomare Explosion innerhalb eines Tresors überlebt, glaubt man seit Indiana Jones 4 sowieso und dass Vanderohe die Strahlung nichts ausmacht, kann man mit seinem Zombiebiss erklären. Warum jedoch eine Dame namens Geeta, die für das letzte Drittel der Handlung nicht unwichtig ist, einfach nach dem Einsteigen in den Hubschrauber verschwindet und ihr Ableben(?) mit keinem Wort kommentiert wird, finde ich doch einigermaßen seltsam. Vielleicht ist das aber einfach ein Metapher, den ich nicht verstanden habe.

Ist das also nun mein Lieblingsfilm von Zack Snyder? Sicherlich nicht! Bin ich froh, dass er diesen Film auf SEINE Art machen durfte? Sicherlich schon! Ebenfalls dankbar nehme ich sämtliche Anspielungen auf und nicke wohlwollend bei all dem Genre übergreifenden Wahnsinn, den er hier eingebaut hat. Netflix scheint ja gefallen an diesem möglichen Franchise zu finden, denn es folgen bald ein Prequel Film namens „Army of Thieves“ von und mit Schweighöfer und eine Vorgeschichte in Form einer Animationsserie, mit einigen Schauspielern, die ihre Figuren aus Army sprechen.

Ingesamt daher ein Film, der mir vor allem über das was er auslöst, wenn mein Filmfan-Herz auf sämtliche liebevoll eingebaute Details für Fans stolpert, sehr gut gefallen hat, da man das sonst so nur selten oder gar nicht geliefert bekommt. Was Handlung und vor allem die Figuren betrifft, ist das in keiner Weise etwas, das aus der Masse heraus sticht, auch das Zombie-Design ist gewöhnungsbedürftig, doch man erlebt Dinge eben verschieden und in diesem konkreten Fall, hat mich Snyder hier auf eine bisher (für ihn) neue Art und Weise erfreut und unterhalten.

„Army of the Dead“ bekommt von mir 7,5/10 sich vom Geld und dem Glauben an ein „besseres“ Leben, in die Falle locken lassende Empfehlungspunkte.


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