Train to Busan (Filmkritik)

Bei Seok-woo (Gong Yoo) dreht sich im Prinzip alles nur um seine Arbeit, weshalb er derzeit (und wahrscheinlich auch permanent) getrennt von seiner Frau ist. Da seine kleine Tochter Soo-an (Su-an Kim) zu ihrem Geburtstag jedoch unbedingt ihre Mutter besuchen möchte, nimmt er sich eher widerwillig die Zeit und begleitet seine Tochter auf einer Zugfahrt nach Busan.

Was er nicht wissen kann, ist dass es in einer naheliegenden, biotechnischen Anlage zu einem Zwischenfall gekommen ist und die dadurch entstehenden Nebenwirkungen, für Menschen gewaltig sind. Leute verwandeln sich dabei in Zombies, die nur mehr das Beißen von anderen Menschen im Sinne haben. Ein davon infiziertes Mädchen befindet sich dabei im selben Zug, in dem auch Seok-woo und seine Tochter sitzen…

Im Jahr 2016 brach Regisseur und Drehbuchautor Sang-ho Yeon (Telekinese) in Südkorea einen Rekord mit seinem Film, der als erster über 10 Millionen Menschen ins Kino gelockt hat. Regisseur Edgar Wright (Shaun of the Dead, Scott Pilgrim vs the World) bezeichnete ihn in einem Interview gar als den besten Zombie-Film, den er jemals gesehen hat. An mir ist der Hype etwas vorüber gegangen doch nun im Jahr 2021, mit all den neuen Alltagswörtern wie Pandemie und Quarantäne, war nun auch ich in der Stimmung für etwas Weltuntergangsstimmung.

Ich habe dies bereits anderswo erwähnt, doch Zombies sind in Serien und Filmen sicherlich die beliebtesten Antagonisten, was „übernatürliche“ Gegner anbelangt (sorry an alle Vampire und Werwölfe kommen sowieso zu selten vor). Mit dieser Flut an Material gibt es erstens auch zahlreiche schlechte Vertreter des Genres und zweitens ist es schwer, noch neue Impulse zu setzen. Was „Train to Busan“ für mich dann so gut macht, ist nicht das Neue an sich, sondern der Mix und wie sich einzelne Teile zusammen fügen.

Zunächst mal zu den Zombies, die alles andere als klassisch sind. Am ehesten kann man sie vergleichen mit der aus World War Z bekannten Variante. Wenn sich hier ein Mensch verwandelt, dann ist er schnell, macht unkontrollierte Bewegungen und stürmt ohne Rücksicht auf Verluste auf sein Opfer zu. Haben sie Blickkontakt zu einem ihrer Opfer, dann sind sie wie wilde Tiere, die als Gruppe angreifen und sich innerhalb der Wucht ihrer Angriffe auch übereinander stapeln.

Sie fressen ihre Opfer auch nicht wie klassische Zombies, sondern beißen sie nur, was der Verbreitung eines Virus ähnelt und ebenfalls aus WWZ bekannt ist. Trotz der Vergleiche will ich damit nicht sagen, dass es sich wie eine Kopie anfühlt, ich hebe das eher hervor, weil diese Art von Zombies, den Momenten der Angriffe eine völlig andere Dynamik und Geschwindigkeit verleiht. Dass sie in der Nacht nicht sehen können und ohne Reize nur vor sich hin vegetieren ist dabei egal, die schalten nämlich bei Geräuschen blitzschnell um.

Der zweite und (fast) noch wichtigere Schwerpunkt sind natürlich die Menschen und da war es dem Regisseur laut Interview besonders wichtig, dass die Protagonisten sich realistisch verhalten. Das ist dann auch auf die Handlung bezogen zu 100 Prozent geglückt, etwas Unrealistisches (wie eine Zombie-Apokalypse) wurde selten so realistisch eingefangen. Und die Menschen sind einfach ganz normale Typen, einige auch ausgestattet mit durchaus unsympathischen Charakterzügen.

Dabei hat mir besonders gut gefallen, dass nicht nur das „der Mensch ist eben das größte Monster“ Klischee bedient wird, nein, hier bringt die Krise sowohl das Beste als auch das Schlechteste in den Menschen hervor, je nachdem wie die Figur eben funktioniert. Was dadurch wiederum entsteht ist die Bindung, die man zu den Protagonisten aufbaut und wenn dann eine der Hauptfiguren in Gefahr ist oder gar stirbt, dann ist mir das als Zuschauer alles andere als egal.

Was die Darsteller betrifft, da kann man nur dem gesamten Ensemble gratulieren, die haben die verschiedenen Stufen des Schreckens wirklich mit vollem Einsatz gespielt. Bei den Effekten gibt es ebenfalls nichts auszusetzen und auch die „Zombie-Darsteller“ sollte man hervor heben, denn was die an Akrobatik leisten, das muss man so schon mal hinbekommen. All diese Teile funktionieren also einzeln und kombiniert als Ganzes im Film noch besser.

Mitreißend und emotional, durchgehend spannend, dabei fühlen sich einige Momente wie ein Tiefschlag in die Magengrube an, aber es bleibt auch immer Raum für Hoffnung. Als Gesamtpaket sicherlich einer der besten Zombie-Filme, der auch mit seinem nicht auf die typische und zu erwartende Gewalt setzenden Weg (der Film ist frei ab 16 Jahren), sich wie ein frischer Wind im Genre anfühlt. Vier Jahre später folgte dann eine für sich allein stehende Fortsetzung im selben Universum namens „Peninsula„, wobei es sich dabei um einen gänzlich anderen Film handelt.

„Train to Busan“ bekommt von mir 8,5/10 die Sicherheit einer Zugfahrt aus gegebenen Anlass hinterfragende Empfehlungspunkte.


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