Train (Filmkritik)

Ein amerikanisches Ringerteam ist auf einer Turniertour unterwegs quer durch Europa.
Nach einer wilden Partynacht verpassen sie ihren Anschlusszug nach Odessa, doch anscheinend durch Zufall wird das Team von einer geheimnisvollen Dame angesprochen, die ihnen eine kleine Zuglinie die in Richtung Ukraine unterwegs ist, empfehlen kann.

Die anfänglich lustige Zugfahrt beginnt jedoch bald unangenehm zu werden, da sowohl der Trainer des Ringerteams als auch deren bester Kämpfer Todd plötzlich verschwunden sind und anscheinend nirgens zu finden sind. Todds Freundin Alex (Thora Birch) wird daraufhin misstrauisch und beginnt trotz ausdrücklichen Verbots des Schaffners die Suche auf eigene Faust. Sie sollte möglichst schnell hinter das Geheimnis dieser speziellen Zuglinie kommen, sonst könnte sie ihre Unwissenheit schnell mit ihrem Leben bezahlen.

Train Film

Train ist ein Remake des Slasherfilmes „Terror Train“ aus dem Jahre 1980 mit Jamie Lee Curtis in der Hauptrolle. Das Original kenne ich zwar nicht, aber anscheinend ist dies eine ziemlich freie Interpretation des Stoffes und nur der Ort des Geschehens – nämlich ein Zug – ist gleich geblieben.

Amerikanische Jugendliche haben es ja wirklich nicht leicht in Europa. Entweder sie werden verschleppt in ein oder zwei „Hostels“ weil man ja die netten Amis am Liebsten quält, oder sie wandeln als „Turistas“ dorch den Urwald, nur um auf dem Weg ein paar Organe zu verlieren, die einheimische Menschen einfach dringender nötig hatten.

Im Fall von Train wird der gesamte Zug von einem eiskalten Ärzteteam und ein paar irren Handlangern geleitet, die sämtlichen mit ihrer Zuglinie reisenden Ausländern (wahrscheinlich aber wie immer am liebsten Amerikanern) alle brauchbaren Körperteile und Organe entnehmen, um kranke Landsleute heilen zu können. Das nenn ich mal wieder Patriotismus, den man sehr gut mit seinem nicht vorhandenem Gewissen vereinbaren kann.

Warum ich Train lieber mochte als Hostel und Turistas zusammen, obwohl einem hier einige Logikfehler um die Ohren geschmissen werden? Erstens einmal spielen alle Darsteller gut, im schlechtesten Fall solide und mit Thora Birch wurde eine tolle weil ungewöhnliche Wahl der weiblichen Heldin getroffen. Thora ist ja nicht der schöne, langweilige Typ sondern besticht eher durch ihrer recht eigenen Art und der Fähigkeit, wirklich schauspielern zu können.

Zweitens ist der Anteil an Gewaltszenen zwar nicht gerade gering, es kommt aber nie voyeuristische Freude auf sondern eher nur Schrecken angesichts der völlig emotionslosen Kaltblütigkeit der für die Operationen zuständigen Hauptbösewichte.
Für Leute mit leichten Mägen ist dies aber dennoch nicht zu empfehlen, dafür wird einfach zuviel in Körpern herumgestochert bzw. etwas daraus entfernt.

Drittens finde ich die gesamte Machart des fast gänzlich auf dem Zug spielenden Filmes sehr zügig (ha, welch ein Wortspiel), es gibt kaum Gelegenheit dass Langeweile aufkommen könnte und darum vergisst man auch gerne, dass in so einem klapprigen, alten Zug so heikle Operationen ja niemals möglich wären. Sehr angenehm ist auch die wirklich zurückhaltend eingesetzte Filmmusik, die ohne zu nerven, für zusätzliche Spannung sorgt.

Also eindeutig einer der besseren Vertreter des Slasher/Thrillergenres der letzten Zeit, auch wenn man die Handlung kaum ernst nehmen kann zwingt einen die konsequente Machart fast dazu den Film doch als bedrohlich zu empfinden, was wohl auch daran liegt, dass auf unfreiwiilig komische Szenen weitestgehend verzichtet wurde.

Train bekommt von mir 7/10 wacklig operierende Empfehlungspunkte.


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