Hunter Killer (Filmkritik)

So hat sich Commander Joe Glass (Gerard Butler) seinen neuen Job wirklich nicht vorgestellt. Als neu ernannter Captain eines U-Bootes, sollte er eine Rettungsmission leiten, da ein amerikanisches U-Boot vermisst wird. Doch das Schiff ist gesunken und die Crew tot. Ein kurzes Gefecht später, kommen schon neue Befehle. Der russische Verteidigungsminister hat nämlich seinen Präsidenten gefangen genommen.

Er will in seinem Namen einen Krieg mit Amerika beginnen. Ein Seal-Team unter der Führung von Bill Beaman (Toby Stephens) soll den Präsidenten befreien und Glass und seine Crew, müssen sie dann abholen. Bleibt nur noch das unüberwindbare Minenfeld zu umfahren und der gesamten russischen Flotte auszuweichen, denn der dritte Weltkrieg sollte unbedingt verhindert werden…

Ein kalter Krieg zwischen Amerika und Russland? Vorbei und nicht erstrebenswert, ihn je wieder aufleben zu lassen. Ironisch ist dann, dass sich dieser Film von Regisseur Donovan Marsh (Spud) genau so anfühlt, nämlich wie ein Relikt. Aus vergangenen Filmtagen um genau zu sein. Ein Buben-Film, mit ausschließlich Männern in wichtigen Rollen und einer Alibi-Dame, die jedoch auch nur dazu da ist, Männer dazu zu inspirieren, das Richtige zu tun. Ein Anti-Emanzen Film sozusagen, fast schon wieder erfrischend heutzutage.

Nein, Spaß bei Seite, man hätte schon voraus sehen können, dass sich hier ein Flop anbahnt, der seine Kosten nicht wieder einspielen konnte. Zuerst mal weiß ich nicht genau, wer die Zielgruppe sein soll. Für politische Brisanz ist dann doch zu viel Fiktion dabei und zum einfach nur Abschalten, ist der Nachgeschmack aus der Realität, dann doch zu bitter. Aber gut, man kann da durch Inszenierung und Darstellung ja einiges ausgleichen, darum gehe ich da jetzt nicht mehr weiter darauf ein.

Natürlich ist klar, dass Commander Joe samt seinem U-Boot nichts passieren wird. Nein, das ist kein Spoiler, außer für Jemanden, der noch nie zuvor einen Film gesehen hat. Dadurch fällt klar einiges an Spannung weg. Auch traut man den Machern nicht zu, die Handlung in Richtung neuer Krieg zu entfalten. Es ist dann doch wieder eine Leistung, dass Spannung dennoch immer wieder aufkommt, was auch an der geteilten Action an zwei Orten liegt.

Einerseits gibt es die Psycho-Duelle an Bord, genau wie die echten, in denen es gilt Torpedos auszuweichen. Gleichzeitig hat es das Seal-Team an Land mit einer Übermacht zu tun. Da müssen schon beide Seiten erfolgreich sein, sonst ist der ganze Plan gescheitert. Wie gesagt: wie es ausgeht ist klar, fad wird es dennoch nicht. Die Sache bleibt freilich generisch und ohne Überraschungen, doch auch diese Art von Film, hat bei mir durchaus ein Anwendungsgebiet (z.b. ein müder Sonntag-Nachmittag ohne Anspruch an mich selbst).

Was also bleibt sind nette Effekte, kernige Typen und coole Sprüche. Fanatismus auf beiden Seiten und Darsteller, die sich nicht allzu sehr anstrengen müssen, auf Grund ihrer Rollen. Gerard Butler (Gods of Egypt) als Joe ist souverän (und spielt auch so), zweifelt nicht an seinem Weg und lässt sich auch nicht verunsichern. Seine Interaktion mit dem von Michael Nyqvist (John Wick) – in einer seiner letzten Rollen, der Film wurde posthum veröffentlicht – gespielten russischen Kapitän, ist die psychisch interessanteste Konstellation im gesamten Film.

Toby Stephens (13 Hours) hat sichtlich Spaß mit seiner Rolle als kauziger Seal-Anführer und das überträgt sich auch auf den Zuseher. Gary Oldman (Leon, der Profi) hat als hohes Tier im Militär nichts zu tun, außer etwas herum zu schreien. Linda Cardellini (Avengers 2) bleibt blass und kann als einzige Dame, keine Akzente setzen (was vielen vom Nebencast, genau so geht). Mich persönlich hat ein Wiedersehen mit Zane Holtz aus der From Dusk Till Dawn Serie gefreut, der als im Feld unerfahrener Sniper, über sich hinaus wächst.

Insgesamt daher ein Film, dem ich keinem Menschen klar empfehlen kann, über den ich aber auch nicht schimpfen muss oder gar vor ihm warnen. Die Action ist gelungen, die Spannung ausreichend vorhanden und die Performances sind gut bis solide. Freunde von Butler und von militärischer Action, die sich auf U-Boot Duelle und Schusswechsel beschränkt, können getrost einen Blick riskieren. Einzig das Überbrücken von Barrieren und die Zusammenarbeit mit „Feinden“, das ist wirklich schön eingebunden und auch überzeugend weil nicht kitschig (außer ganz am Ende) gespielt.

„Hunter Killer“ bekommt von mir 5,5/10 die Amis mit russischer Hilfe, den Tag retten lassende Empfehlungspunkte.


One thought on “Hunter Killer (Filmkritik)

  1. Vielen Dank für die Filmkritik. Sie hat mir in der Entscheidung geholfen, da ich mir nicht sicher war ob ich mir den Film anschauen möchte. Doch der ausführliche Beitrag war eine große Unterstützung.

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